Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 22 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 256 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Das Jüdische Echo Nr. 22 warten. Der Hochschulbetrieb des Lehrer-Seminars kann in Verbindung gebracht werden mit dem Universitäts-Studium. Auch jüdische Dozenten für jüdische Wissenschaft werden im Lehrkörper Aufnahme finden. Für verwandte Wissenschaften nichtjüdischer Dozenten wird Gelegenheit gegeben werden. Jetzt, wo am Seminar ein neuer Direktor und im Deutschen Reich ein reuer Geist auf ziehen wird, sollte der Grundstein gelegt werden für den Ausbau eines Ohelschel T o r ah. Es ist Aufgabe der bayerischen und auch deutschen Orthodoxie die Kuratorien der Vorbereitungsanstalten und insbesondere das Kuratorium der israelitischen Lehrerbildungs-Anstalt zu Würzburg wenn auch nicht gerade für diesen Plan, so doch für dieses Ziel zu gewinnen. Es dürfte nicht schwer fallen. Der verstorbene Würzburger Rav, der seither das Rabbinat und die Vorstandsstelle der israelitischen Lehrerbildungs-Anstalt inne hatte, hat im Verein mit Gesinnungsgenossen nur thorabegeisterte Mitglieder ins Kuratorium zugelassen. Sie werden prüfen und handeln. Wenn man dieses Ziel vor Augen hat. so halten wir es für praktisch und notwendig, die Stelle eines Seminardirektors unabhängig und vor der Rabbinerwahl zu besetzen. Die Qualitäten eines Rabbiners und eines Seminardirektors decken sich1 nicht. Der neugewählte Rabbiner mag ein tüchtiger Seelsorger, großer Kanzelredner, gut imitierter Geistlicher und affichierter Priester sein, er mag allen Willen zu einem „Geistlichen Oberen“ mitbringen, er ist damit nicht befähigt ein Rösch Jeschiveh zu sein. Eher das Gegenteil. Ist erst ein würdiger Rosch-Jeschiveh in Würzburg, dann mag die Neuwahl eines Rabbiners für Würzburg ein großes Lokalinteresse beanspruchen. fürs Judentum hat sie nur dekorative Bedeutung. Es könnte aber möglich sein, daß die Nachwirkungen des großen Würzburger Rav noch so lebendig sind, daß man dem neuen Seminardirektor gerne und selbstverständlich das Rabbones überträgt, wenn er als gewissenhafte Persönlichkeit die Zeit und die Kraft dafür aufbringen kann. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß im Distrikte Würzburg eine Mehrheit sich dafür ausspricht, auf den berühmten Würzburger Rabbinatssitz wieder eine Größe und eine Leuchte des Judentums zu berufen. Das alte Beispiel unserer Weisen hat heute noch volle Geltung: Eine Pflegstätte der Thora ist die einzige Möglichkeit für die Erhaltung und Entfaltung des Judentums. Die jüdischen Gemeinden brauchen gelehrte Führer. Nicht das flache Religionswissen der seitherigen „geprüften“ Religionslehrer, gewiß nicht die Prüflinge der Schnellpresse von Pfalz und Regensburg, sondern Persönlichkeiten, deren jüdisches Wissen und Eifer für jüdische Belehrung die Qualitäten eines modernen Rabbiners übersteigen, sind' Bürgschaften für den jüdischen Geist in den jüdischen Glaubensgemeinden der Zukunft. Nicht papierene Paragraphen, nicht nachgeäffte Obrigkeitsmanieren, sondern lebendiges Judentum, Rabbiner, welche nicht von „Amtswegen“, sondern aus Gelehrsamkeit, Menschenliebe und Demut das Vertrauen ihrer Zeit erwerben und genießen, solche Männer waren von jeher Retter des Judentums. Möchte es gelingen, für den Direktor der israelitischen Lehrerbildungs-Anstalt einen Retter des Judentums zu finden. Möge es gelingen, in Zukunft den Kultus-Gemeinden „Religionslehrer“ zu bieten, welche den begrifflichen Inhalt eines solchen Mannes auch ausfüllen. Feuilleton Das alte Lied. Von Frida S c h e r r. Nach zwanzig Jahren sieht man ihn plötzlich wieder im Städtchen. Ein bleicher Mann mit leicht ergrauten Haaren an den Schläfen. Eine Sehnsucht nach dem Jugendkreis hat ihn heimgezogen. Er war draußen müde und alt vom Kampf geworden, von dem großen Kampf für die Menschheit. Als ein fünfzehnjähriger war er in die Welt gezogen, ein Herz voll Feuer und einen Geist voll Idealen mit sich nehmend. Wie ein Vogel aus dem Käfig, so war er aus der Enge des Städtchens geflogen. Die niedrigen Häuser, die schmutzigen Straßen, das große Elend seines Volkes beraubten ihn des freien Atems und banden seines Geistes Schwingen. Er wollte da draußen in der Welt für sein Volk im Städtchen kämpfen, um es aus seinem Elend herauszuheben. So war er hinaus gezogen, von der Mutter mit Tränen und Segenssprüchen begleitet, vom Vater mit guten Mahnungen bedacht. "Rauilhallmaier Mönchen TheaünevkrAQ. ifyvzGÜarm \\ur \ f i