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Das jüdische Echo · 1919-05-30 · 22 (30.5.1919) · p. Seite 255

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
22 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 255 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 255 und anderen Bedingungen für die zukünftige, große, stufenweise Besiedlung von Palästina nötig sind. Es wird auch als Zentralkörper für die Regulierung und Organisierung der jüdischen Auswanderung nach Palästina dienen und in Zusammenarbeit mit anderen Körperschaften in Palästina und der Diaspora alle Anstrengungen machen, um einerseits die größtmöglichste Einwanderung zu beschleunigen und andererseits dafür Sorge zu tragen, daß sie in einer Weise vor sich geht, die den Interessen des Landes und der Übersiedler am besten dient . Die Zeit der Einwanderung ist nicht da. Die Einwanderung kann nicht anfangen, bis systematische Pläne der Kolonisierung in ökonomischer, finanzieller und anderer Hinsicht ausgearbeitet sind, ein Umstand, welcher zu einem großen Teil auf der Lösung der politischen Probleme betreffs Palästina beruht. Bis dorthin sollte kein einziger Immigrant Palästina betreten. Wir finden es nötig, dies zu betonen und alle Gruppen und Individuen davor zu warnen, irgendwelche eiligen Einwanderungsschritte zu unternehmen. Niemand sollte sich; beeilen. sein Geschäft aufzugeben und nach Palästina aufzubrechen. Vorzeitige, unorganisierte und überstürzte Einwanderung ist mit der größten Gefahr verknüpft, sowohl für die Einwanderer selbst, als auch für die ganze jüdische Zukunft in Palästina. Jeder Zionist und jeder Jude wird den Eindruck gewinnen, daß jeder vorzeitige Immigrant nicht nur die eigene Zukunft, sondern auch die der anderen Einwanderer gefährdet. Die Zionistische Organisation ist sich) der schrecklichen Lage bewußt, die gegenwärtig unter den Judenmassen in fast allen Ländern des östlichen Europas herrscht und ist in voller Übereinstimmung mit den Wünschen aller Klassen des jüdischen Volkes, sich in Erez Jisrael so bald wie möglich niederzulassen. Die Organisation wird sich aufs äußerste bemühen, mit der Hilfe aller ihrer Einrichtungen so bald als möglich) eine weite und systematische Einwanderung nach Palästina in die Wege zu leiten. Aber wenn dies erreicht werden soll, müssen wir Geduld und Ausdauer haben und auf die unaufhörliche Wachsamkeit der Organisation vertrauen. Selbstdisziplin, die die stärkste Unterstützung unserer Bewegung gewesen ist, ist mehr als je in diesen großen Tagen nötig. Jeder einzige muß sich dessen bewußt sein, daß systematische Immigration und Kolonisation allein unser großes nationales Ideal, die Wiederherstellung Palästinas als nationales Heim des jüdischen Volkes, vollenden wird. Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation: Nahum Sokolow Dr. Ch. W e i z m a n n. Palästina-Amt der Zionistischen Organisation: Julius Simon. Das Palästina-Amt in London. Das Palästina-Amt der Zionistischen Organisation in London verbreitet folgende Mitteilungen: An alle Zionistischen Landesverbände! Mit unserem Rundschreiben vom 18. April haben wir Ihnen bereits mitgeteilt, daß ein Zentralbureau der Zionistischen Organisation in London eingerichtet worden ist. das alle Palästina-Angelegenheiten bezüglich der Vorbereitung und Kolonisationsarbeit behandelt und als eine zentrale Körperschaft für die Regelung der Auswanderung nach Palästina fungieren wird. Dieses Zentralbureau* das den Namen „Palästina-Amt der Zionistischen Organisation“ führen wird, ist in folgende Abteilungen gegliedert worden: a) Immigration. b) Finanzen, c) Landwirtschaftliche Kolonisation. d) Handel, Industrie, e) öffentliche Arbeiten. f) Arbeiterfragen, g) Legislative Maßnahmen und Reformen. Es ist beabsichtigt, daß das Palästina-Amt sowie seine verschiedenen Abteilungen in engem Kontakt mit allen Landesverbänden und allen zionistischen Körperschaften in Palästina und der Diaspora abeiten sollen. Besondere Mitteilungen dieses Bureaus werden über die sofort zu unternehmenden Arbeiten Aufschluß geben. Alle Korrespondenzen sollen künftig Registernummern tragen und an das Departement, in dessen Aufgabenbereich sie fallen, gerichtet sein. Einzelne Gegenstände sollen in besonderen Briefen behandelt werden. Julius Simon. Der neue Seminardirektor von Würzburg. Von Hirsch Oppenh'eime r, Laudenbach bei Karlstadt a. M. Der Tod des Würzburger Rav hat den Distrikt und die Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg vor eine Neuwahl gestellt. Wir möchten dazu von unserm Standpunkt aus einige Worte sagen. Vor einiger Zeit wurde von sachverständiger Seite den beteiligten Persönlichkeiten ein Vorschlag unterbreitet, wie die bestehenden Lehrervorbereitungs-Anstalten unter einheitliche Verwaltung gebracht werden könnten. Die jeweiligen Stiftungsbedingungen bleiben davon unberührt. Durch Aufnahme von Kindern zwischen dem 9. und 10. Lebensjahre sollen dieselben schon frühzeitig allgemeinen und jüdischen Unterricht und Erziehung erhalten. Letzteres umschließt auch das jüdische „Lernen“. Durch Zusammenlegung von Klassen in den verschiedenen Anstalten wird der Unterrichtsbetrieb vereinfacht und die Stiftungskasse wohltätig beeinflußt. Die Kriegsnotwendigkeit hat ein nachahmungswertes Beispiel gegeben. Es ist uns nicht bekannt, ob alle Anstalten wegen dieses Vorschlages in Verhandlung eingetreten sind oder eintreten wollen. Es wäre jedoch zu wünschen. Eine geeignete Organisation könnte den Limud planvoll von unten bis zur Höhe bringen. Nach 9 oder 10jährigen Studien auf der Vorbereitungsschule, also im Alter von 16 oder 17 Jahren, findet der Übertritt zur Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg statt. Wer nicht Lehrer werden will findet auf den Vorbereitungsschulen eine gute jüdische und profane Vorbildung für einen bürgerlichen Beruf. Wer aber den Lehrer-Beruf ergreifen will, ist soweit vorgebildet, daß das Lehrer-Seminar eine Fach- Hochschule sein kann. Pädagogische und gründliche jüdische Wissenschaft ist zu pflegen. Es hat sich in der Vergangenheit als schwere Versündigung am Judentum erwiesen, wenn Religionslehrer mit einem ganz geringen jüdischen Wissen in die Praxis entlassen werden konnten. In der Zukunft verlangt man vom jüdischen Religionslehrer eine tiefe und1 überzeugungstreue jüdische Bildung. Wer nicht viel weiß, kann noch weniger lehren. Da muß das jüdische Seminar die Zeichen der Zeit verstehen. Es muß eine pädagogisch-jüdische Hochschule werden. Der demokratische Zug der Zeit läßt von der Universität Würzburg eine Änderung in der Berufung von Dozenten er-

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