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Das jüdische Echo · 1919-05-30 · 22 (30.5.1919) · p. Seite 254

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
22 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 Das Jüdische Ech« Nr 22 stinas wird ein jüdischer Weltkongreß, der in der ersten Hälfte des Jahres 1920 stattfinden und von allen Juden der Welt beschickt sein wird, entscheiden. Enthusiastischer, minutenlanger Beifall folgte diesen Ausführungen. Herr Adolf Stand warf einen historischen Rückblick auf die Entwicklung des Zionismus, verglich die Haltung der Orthodoxie von einst und jetzt, wies auf den Unterschied von „Jischuw Erez Israel“ und „Agudas Israel“, deren verderbliche unjüdische Trutz- und Trennungspolitik sie selbst unmöglich mache, die es nicht wagen würde, eine solche Versammlung einzuberufen und forderte die Anwesenden auf, dem Jischuw Erez Israel beizutreten, um so in gesonderter Formation doch auf gemeinsamem Weg nach Zion zu marschieren. Die Versammlung nahm mit begeisterter Zustimmung eine Resolution an, die die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk als Lebensfrage bezeichnet und der Leitung der zionistischen Weltorganisation das uneigeschränkte Vertrauen ausspricht und dieselbe als ausschließlich autorisiert erklärt, im Namen der gesamten Judenheit zu sprechen und zu handeln. Erklärung der jüdischnationalen Partei im Wiener Gemeinderat. In der konstituierenden Sitzung des Wiener Gemeinderates gab GR. Dr. Ehrlich folgende Erklärung der jüdischnationalen Partei ab: (GR. Dr. Schwarz-Hiller verläßt den Saali und betritt ihn erst, nachdem Dr. Ehrlich geschlossen.) „Namens der jüdischnationalen Gemeinderäte gestatte ich mir folgende Erklärung abzugeben: Wir sind als Angehörige des jüdischen Volkes in den Gemeinderat gewählt worden. Wir legen Wert darauf, zu betonen, daß unserem Nationalismus jeder aggressive und chauvinistische Charakter fehlt, und daß er nicht beabsichtige und auch nicht geeignet ist, ^en deutschen Charakter dieser Stadt zu beeinträchtigen (Beifall), ebensowenig wie er in anderen Nationalstaaten eine Änderung an deren Charakter herbeizuführen anstrebt. Wir wollen lediglich als treue Söhne des jüdischen Volkes in unseren Bemühungen um die Erhaltung und Pflege unseres Volkstums und dessen kultureller Güter nicht behindert werden. Wir wollen die uneingeschränkte und tatsächliche Gleichberechtigung genießen und als Juden ohne jede Zurücksetzung vollgültige Bürger der ' deutsch-österreichischen Republik und der Stadt Wien sein. Wir verweisen auf die Beschlüsse der sozialistischen Internationale in Stockholm, Bern und Amsterdam, wo unsere nationalen Forderungen namens des Proletariats der ganzen Welt anerkannt wurden. Als Mitglieder dieses Gemeinderates wollen wir dahin wirken, daß Wien groß und angesehen, eine Stätte fruchtbarer Arbeit, des Gewerbefleißes und Handels, ein Sammelpunkt künstlerischen und wissenschaftlichen Schaffens bleibe, sich: durch gute städtische Einrichtungen auszeichne und den Ruf der Gastfreundschaft wieder erwerbe. Als Angehörige eines Volkes, das seine nationale Gemeinschaft auszugestalten erst im Begriffe ist und deshalb alle sozialen Schichten in seinem Lager sammeln muß. werden wir im Geiste der v i e 11 a u s e n d j ä h r i g e n sozialen Tradition unseres Volkes für jeden sozialen Fortschritt eintreten. die Ungerechtigkeit der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung bekämpfen und unsere Kräfte für eine wahrhaft soziale Verwaltung dieser Stadt einsetzen.“ (Lebhafter Beifall.) Beratung der Kultusgemeinden Mittelgaliziens über die Pogrome. Krakau. 24. Mai. Am 21. d. M. tagte in Krakau unter dem Vorsitze des Dr. Rafael Landau eine Konferenz der Vertreter der Kultusgemeinden in den von den letzten Pogromen betroffenen Orten. Es beteiligten sich an dieser Konferenz 15 Delegierte der Kultusgemeinden in Rzeszow, Mielec, Czudec, Frysztak, Rozwadow, Rymanow, Grybow. Strzyow, Niebyk. Brzozow und Krosno. Als den Zweck der Tagung bezeichnete der Vorsitzende die Erörterung der Frage einer raschen Rettungsaktion für die so hart betroffene jüdische Bevölkerung Mittelgaliziens. Die Delegierten erstatteten ausführliche Berichte über den Umfang der Pogrome und die geradezu ungeheueren Schäden» die den Juden zugefügt wurden. Sie betonen zugleich den schädlichen Einfluß eines Teiles der polnischen Presse, die die christliche Bevölkerung gegen die Juden aufhetzt und Pogrome hervorruft. Eine traurige Tatsache ist ebenfalls der von der christlichen Bevölkerung den Juden gegenüber geübte Boykott, indem diese sich weigert, den Juden Lebensmittel zu verkaufen und sie dadurch in große Not versetzt. Namentlich ist die Lage der Juden in den Dörfern kritisch. Die Dorfgemeinden schicken; den jüdischen Einwohnern Aufforderungen zum Verlassen der Dörfer bis zu einem bestimmten Termine zu. In der hierauf beschlossenen Resolution wird die Regierung aufgefordert: 1. Die antijüdischen Exzesse aufs energischste zu bekämpfen und die pogromschürende polnische Presse zur Einstellung ihrer Kampagne zu veranlassen; 2. den Pogromflüchtlingen eine Entschädigung zu zahlen und 3. den Pogromflüchtlingen eine Unterstützung von K 3.— täglich zuzuerkennen. Diese Forderungen wurden der Regierung in Warschau durch eine an den Generalbevollmächtigten für Galizien Dr. Galecki entsandte Abordnung übermittelt. Standrecht in Ostgalizien. Der Ukrainische Pressedienst meldet: Die Polen haben über Ostgalizien das Standrecht verhängt. Ein Terror sondergleichen wütet gegen Ukrainer und Juden. Das Leben Tausender liegt in der brutalen Gewalt der mörderischen Soldateska Hallers. Nach neueren Berichten wurde in ganz Galizien das Standrecht erklärt. Das Aktionskomitee zur Frage der Einwanderung nach Palästina. An alle Zionistischen Landesverbände! In Übereinstimmung mit einem durch die Londoner Zionisten-Konferenz gefaßten Beschluß ist in London unter der Aufsicht des Aktionskomitees ein Zentral-Palästina-Amt geschaffen worden. Diesem Palästina-Amt wird die Arbeit obliegen, zu bestimmen, welche ökonomischen, administrativen

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