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Das jüdische Echo · 1919-05-23 · 21 (23.5.1919) · p. Seite 244

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
21 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 244 (sequence 8)
Language
German
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244 Das Jüdische Echo Nr. 2! der Bezirkshauptmannschaft über die Lebensmittelverhältnisse. Die Beamten erwiderten. Lebensmittel seien bei den Juden reichlich vorhanden. Darauf plünderten Patrouillen systematisch die jüdischen Geschäfte und Wohnungen. Kein Geschäft zwischen Bahnhof und Grunewaldgasse blieb ungeplündert. Die Juden, die den Plündernden in die Hände fielen, wurden blutig geschlagen und beraubt. Bisher sind 60 Verwundete, darunter viele Schwerverwundete, gezählt. Die Türen der Bethäuser wurden mit Äxten eingeschlagen und Eisenstangen erbrochen, die anwesenden Juden fürchterlich mißhandelt, die Synagoge zum Teil zerstört, die Thorarollen wurden in Fetzen gerissen. Die einschreitende Militärpolizei war zu schwach, als daß sie von der Menge überhaupt beachtet worden wäre. Eine Kompagnie des 18. Infanterie-Regiments beteiligte sich an den Plünderungen. Erst nach 24stündiger Dauer hielten es die Behörden für notwendig, den Ausnahmezustand zu verhängen. Am 24. April brach in Niebylec, Bezirk Stryzow. während des Jahrmarktes ein Pogrom aus. der von den zum Jahrmarkt in die Stadt gekommenen Bauern veranstaltet wurde. Es wurden vier Juden. Schaffer, Rat, Pinkas, Strahl getötet und 16 Juden schwer verwundet. In Mielec plünderten am 1. Mai die Bauern die jüdischen Kaufläden und Wohnungen. Sie brachten zu diesem Zweck gleich Fuhrwerke mit, um die geraubten Waren davontragen zu können. Die Garnison blieb während der Unruhen untätig. Auch in Sutycze fanden Ausschreitungen gegen die Juden statt, bei welchen die Brüder Moses und Menachem Schwalbe und Isaak Felber getötet und Selig Felber schwer verwundet wurden. Die jüdische Bevölkerung ist geflohen und hat ihr Hab und Gut zurücklassen müssen. Bei Ausschreitungen, die in Wysoka stattfanden, wurden Simon Neumann und Frau schwer verwundet, bei Exzessen in Lenka wurde David Schiff und sein Sohn schwer verwundet. Ein besonders schrecklicher Pogrom hat sich ferner in Kolbuszowa abgespielt, wo 8 Juden getötet wurden und alle Geschäfte und Wohnungen geplündert wurden. Die Stadt steht angeblich in Flammen. In Strzyzow wurde ein Ritualmordmärchen verbreitet, dem drei Personen zum Opfer gefallen sind. Weitere schwere Ausschreitungen haben in Zuczan. Wywka und Leki stattgefunden. Die Ukrainer veranstalten weiter Tudenmorde. Die ukrainischen Truppen haben, wie Kiewer Blätter berichten, vor dem Verlassen von Wolocysk ein furchtbares Judenmassakre veranstaltet. An diesem Pogrom nahmen auch Genossen aus Ostgalizien teil. 1500 Juden sind ums Leben gekommen. Ihre Häuser sind geplündert worden. Um die Spuren des Pogroms zu verwischen, steckten die aufgepeitschten ukrainischen Horden eine Reihe von Häusern in Brand. Nach Informationen aus Rowno sind ukrainische Truppen aufständisch. In Kreminiecz haben ukrainische Soldaten ihre Offiziere gefangen genommen, die Munitionsmagazine in die Luft gesprengt und die Kasernen in Brand gesteckt. Später wurden Judenpogrome veranstaltet. Die ukrainischen Gewalttätigkeiten forderten 600 Opfer. Erst die eiligst aus Brody herbeigerufenen Truppen vermochten mit Waffengewalt die Ruhe wiederherzustellen. Beschluß polnischer Hrbeiter über Entrechtung der Juden Polens. Posen. 9. Mai. Der „Kurier Poznanski“ (Nr. 106 vom 8. 5.) meldet, daß am 4. Mai in Wllha ein Versammlung von polnischen Arbeitern abgehalten wurde, in der die Hoffnung ausgesprochen wurde, daß Wilna und das Wilnaer Gebiet für immer mit dem polnischen Staate vereinigt und niemand abgetreten werde. Die Versammlungsteilnehmer stellten weiterhin fest, daß die Wilnaer Juden auf polnische Soldaten und polnische Schüler geschossen hätten (!!). Sie verlangen daher, daß die Juden von sämtlichen, militärischen, sozialen und wirtschaftlichen Arbeiten sowie von sämtlichen Ämtern ausgeschlossen werden. Der Zionismus in Amerika. Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Die in New York erscheinende Zeitung „Daily News“ berichtet in einem Leitartikel daß unter 3,500,000 Juden in den Vereinigten Staaten 150,000 organisierte Zionisten sind, während die Zahl derjenigen, welche die Petition für eine jüdische Heimstätte in Palästina Unterzeichneten, eine Million erreichen dürfte. Auch durch andere Anzeichen verrät sich die Stärke des Zionismus in Amerika, z. B. durch die jüdische Presse. Von den vier jüdischen Tageszeitungen in New York sind drei ausgesprochen zionistisch. Keine einzige antizionistische Zeitung hat eine nennenswerte Verbreitung. Die Zahl der zionistisch gesinnten Zeitschriften ist außerordentlich groß. Wahlen zur israelitischen Kultusgemeinde Mönchen. Am kommenden Sontag, den 25. Mai, findet die Neuwahl des gesamten Verwaltungsausschusses der Münchener Kultusgemeinde statt. Am darauffolgenden Sonntag werden die Ersatzmänner und Revisionsausschußmitglieder gewählt. Wir haben uns bereits im November v. J. dahin ausgesprochen, daß eine vollständige Erneuerung des Vertretungskörpers der jüdischen Gemeinde notwendig sei, nachdem die letzten Wahlen im Dezember 1912 stattgefunden haben. Die Verwaltung hat sich nach anfänglichem Sträuben diesem Standpunkt auch angeschlossen. Es ist zwischen den verschiedenen Parteien (Liberalen. Orthodoxen, Zionisten) nach längeren Verhandlungen ein Wahlkompromiß zustande gekommen, bei dem sämtliche Parteien von dem Streben geleitet waren, in der gegenwärtig politisch bewegten Zeit einen Wahlkampf zu vermeiden. Den gemeinsamen Wahlzettel der verschiedenen Parteien (sowie die ' vereinbarte Liste der Ersatzmänner und Revisionsausschußmitglieder) geben wir im Anschluß an diesen Artikel wieder. Die Minoritätsparteien haben dem Wahlkompromiß mit Rücksicht darauf zugestimmt, daß die Mehrheitspartei sich mit der sofortigen. Inangriffnahme der Statutenrevision unter Einführung des Verhältniswahlrechts einverstanden erklärt hat. Auf diese Weise werden die nächsten Gemeindewahlen bereits nach dem neuen Wahlsystem erfolgen und den Parteien die Möglichkeit geben, nach ihrer tatsächlichen Stärke in der Verwaltung ihre Vertretung zu finden. Liste der Kandidaten: I. für dieGemeindeverwaltung: Auerbach Louis. Bankier: Beer

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