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Das jüdische Echo · 1919-05-23 · 21 (23.5.1919) · p. Seite 242

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
21 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 242 (sequence 6)
Language
German
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242 Das Jüdische Echo Nr. 2f Lage sind, ihre Eigenkultur wieder zu entwickeln, ein Ziel sieht das den deutschen Interessen in keiner Hinsicht zuwiderläuft. Ich halte es für selbstverständlich, daß es in dem jüdischen Palästina keine Einwanderungsbeschränkungen für deutsche Juden geben wird, denn den jüdischen Interessen wird nur dann wirklich gedient sein, wenn die in Palästina erstrebte geistige und nationale Zentrale auch in der Tat von der gesamten Judenheit in ungestörtem Zusammenwirken aufgebaut werden darf und so keine innere Spaltung in sie hineingetragen wird. Für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden und des Judentums in allen Ländern der Welt wird sich die deutsche Republik uneingeschränkt einsetzen können. Es erscheint mir auch Zweckmäßig, die von jüdischer Seite erhobene Forderung zu verfechten, daß der Völkerbund, der ja wahrscheinlich in die Verfassungsgesetze der einzelnen Staaten, die hier in Betracht kommen, zweckentsprechende Bestimmungen zur Sicherung der jüdischen Minoritätsrechte einfügen wird, auch eine internationale Kommission einsetzt, die darüber wachen wird daß diese Bestimmungen nicht wie vordem in Rumänien auf dem Papier stehen blleiben. Mit der Internationalisierung der Judenfrage durch den Völkerbund und der generellen Festlegung der jüdischen Rechte in den Ländern jüdischer Massensiedlung und überall dort, wo sie von der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung verlangt werden, wird auch der Einwand gegen die Tätigkeit dieser Kommission entfallen, den früher Rußland und Rumänien erhoben, wenn bei ihnen von anderen Mächten interveniert wurde. Denn dann kann es sich der Natur der Sache nach um ein nicht autorisiertes Eingreifen einer fremden Macht in die inneren Verhältnisse eines anderen Landes nicht mehr handeln. Auf die Frage, was im einzelnen unter den nationalen Rechten der Juden in den einzelnen Ländern zu verstehen sei, erwiderte Herr Struck, daß es sich in den Ländern jüdischer Massensiedlung um eine nationale Autonomie handeln müsse, wie sie nationale Minoritäten als Anwendung des Grundsatzes der Selbstbestimmung auf Basis der von dem deutschösterreichischen Staatskanzler Renner aufgestellten Leitsätze beanspruchen. Dieses Prinzip würde für Länder wie Litauen und die Ukraine (in denen es zum Teil schon verwirklicht ist), Ostgalizien und Großrußland, entsprechend den Forderungen der dortigen Judenschaft durchzuführen sein. Für andere Länder, wie Polen, Tschecho-Slowakien und Jugo-Slawien würde voraussichtlich die kulturelle Autonomie in Betracht kommen, die unter allgemeiner Staatsaufsicht u. a. die Freiheit für das Erziehungswesen, eigene Volksschulen, Mittelschulen, Fachschulen usw. vorsieht, die entweder durch direkte Unterstützung der Staatsregierung unterhalten werden oder denen ein entsprechender Abzug bei Zahlung der allgemeinen Staatssteuern der Juden von diesen zugewendet werden dürfte. Ferner gehörten hierzu Garantien für die Freiheit in der Heilighaltung des Sabbats und der Feiertage und für die Ausübung der Arbeit an allen anderen Tagen. In den Ländern dünnerer jüdischer Siedlung, also in Deutschland, Westeuropa usw. ist die kulturelle Autonomie (Freiheit der Erziehung in jüdischen Schulen und die Ermöglichung des religiösen Lebens) bereits gewährleistet. Diese gesamten Forderungen der Juden der verschiedenen Kulturkreise können, so schloß Herr Struck, von dem modernen Deutschland durchaus unterstützt werden. Die Judenheit aller Länder wird mit Dank und Sympathie davon Kenntnis nehmen, wenn Deutschland seinen moralischen Einfluß dafür einsetzt, das Programm der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Rahmen des Völkerbundes seiner Verwirklichung entgegenzuführen. Eine Erklärung Dr. Osias Thons über die Jüdischen Forderungen in Polen. Der „Temps“ bringt in seiner Ausgabe vom 21. April eine Erklärung des jüdischen Abgeordneten im polnischen Landtag und bekannten Krakauer Rabbiners Dr. Osias Thon, der gegenwärtig in Paris weilt, über die Forderung der jüdischen Bevölkerung in Polen. In dieser Erklärung heißt es: „Ich bin erstaunt, in Frankreich auf derartige verkehrte Ansichten über unsere Bestrebungen zu stoßen. Man sagt, wir wollen einen Staat im Staate schaffen. Das ist völlig falsch. In keinem Falle wollen wir gleichsam einen Keil in die polnischen Staatsrechte treiben. In Polen leben heute 3 Millionen Juden. Ausschlaggebend ist vor allem der Umstand, daß wir kompakt gesiedelt in den Städten leben, wo wir Massensiedlungen bilden. Wir sind im Besitz nationaler Eigentümlichkeiten und niemandem steht das Recht und die Kraft zu, uns zu der Preisgabe zu zwingen. Wir sind im Besitze unserer eigenen Religion, unserer eigenen Sprache, unseres eigenen Schrifttums, unserer Institutionen. Bräuche, Feiertage. Kann uns die MCTfe bisher Im JDcltfcicg nimmt die ttluncfjnct fugend audj beim HJtetiecauffmu tfed Jcicöcnd ttyre ausgeprägte Stellung unter den Öeutfifjen iüujhierten ^eftfrfjrfften ein. die iß narfj toic not die Eicfclmgäleftüte eines! 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