Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 20 (16.5.1919)
- Date
- 1919-05-16
- Page
- Seite 240 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Das JSdtecbe Ed» Nr 20 darf... Die chimärische Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt des Geldmenschen“. Der wirkliche Jude sein Mann des ..Schachers“, dieses „höchsten praktischen Ausdrucks der menschlichen Selbstentfremdung“. Daher sei „die Emanzipation des Juden die Emanzipation der Menschheit vom Judentum“! Um der wahren Emanzipation teilhaftig: zu werden, müsse sich der Jude von seiner ihn innerlich herabdrückenden und absondernden Eigenart, seiner als „beschränktes Wesen“ gekennzeichneten Nationalität. lossagen. „Wir sagen den Juden, weil ihr politisch emanzipiert sein wollt, ohne euch vollständig und widerspruchslos vom Judentum loszusagen, darum ist eure politische Emanzipation selbst nicht die menschliche Emanzipation. Wenn ihr Juden politisch emanzipiert werden wollt, ohne euch selbst menschlich zu emanzipieren, so liegt die Halbheit und der Widerspruch nicht nur in euch, sie liegt in dem Wesen und der Kategorie der politischen Emanzipation. — „Aber wenn der Mensch, obgleich Jude, politisch emanzipiert werden, Staatsbürgerrechte empfangen kann, kann er die sogenannten Menschenrechte in Anspruch nehmen und empfangen?“ Bauer leugnet es: „Die Frage ist. ob der Jude als solcher, das heißt der Jude, der selbst eingesteht, daß er durch sein eigenes Wesen gezwungen ist. in ewiger Absonderung von den anderen zu leben, fähig sei. die allgemeinen Menschenrechte zu empfangen und anderen zuzugestehen?“ „Der Gedanke der Menschenrechte ist für die christliche Welt erst im vorigen Jahrhundert entdeckt worden, er ist dem Menschen nicht angeboren, er wird vielmehr nur erobert im Kampfe gegen die geschichtlichen Traditionen, in denen der Mensch bisher erzogen wurde... Kann sie nun der Jude wirklich in Besitz nehmen? Solange er Jude ist, muß über das menschliche Wesen, welches ihn als Menschen mit Menschen verbinden sollte, das beschränkte Wesen, das ihn zum Juden macht, den Sieg davontragen und ihn vom Nichtjuden absondern.“ „Beschränktes Wesen“. „Nationalität des Kaufmanns“ — man wird bei allen mildernden Umständen diese beispiellose Seichtheit der Auffassung — die ja übrigens Kautsky. dessen Vorrecht es zu sein scheint, Marxens Irrtümer zu potenzieren und zu multiplizieren, zu seiner in seinen Schriften „Nationalität und Internationalität“ und' „Judentum und Rasse“ entwickelten „Kasten theorie“ ausbaut — bei einem Manne unbegreiflich finden, der trotz seiner Jugend immerhin bereits bedeutsame Denkleistungen hinter sich hatte. Den Blick auf das Judentum seiner Zeit und Umgebung gerichtet, mußte sich ihm dieses Urteil als unmittelbar durch die Tatsache gerechtfertigt ergeben. Die „Nationalität“ dieser längst allen positiv-jüdidischen Wesenheit baren Juden war wirklich chimärer Art, dem forschenden Geist nur durch zwei Attribute erkennbar: das negative einer eben nur als „beschränktes Wesen“ denkbaren Abgesondertheit und das positive des „Geldmenschentums“, einer für das jüdische „Wesen“ bestimmend scheinenden Heterometrie des Erwerbstriebes. Im zeitlichen Zerrbild eines entarteten Volkstypus glaubte er das Ebenbild des nationalen Genius Israels zu erblicken. Die Brandmarkung trifft daher nicht die echte Gestalt, wohl aber das Zerrbild. Was aber der zeitlichen und räumlichen Befangenheit des Meisters als Entschuldigung gilt, muß seinem Dreivierteljahrhundert später in einer Zeitläufte, in der das Bild des wirklichen Volkes in vollem Lichte erstrahlt ist und auch seine westlichen Splitter nicht mehr durchgängig jene gezeichneten Charakterzüge des Freigelassenengeschlechts bieten, in die gleiche Kerbe schlagenden Jünger zum verstärkten Vorwurf gereichen. * * * Er war kein Jude und nichts Jüdisches war ihm bewußt eigen. Ach. unsere Gefühle sind älter als unsere Gedanken, und klüger als beide der Instinkt. Tief unter der Schicht der Bewußtheit, da lagern der Seele Schätze. Im faustischen Erkenntnisdrang ward er sich um sein Letztes und Tiefstes nicht bewußt. Sein Letztes und Tiefstes war das Jüdische. Aus dem Felsen altjüdischer Glaubenskraft geschlagen war die Flamme seines göttlichen Pathos, und als er den Feuerstrom seines Ethos in die Welt hinausspie und den Brand eines Jahrhunderts entfachte, da war es das heilige Feuer, das dem Heros Israel „im Gebein“ schwelte. Den Saiten einer Levitenharfe entströmte die Sturmmusik seiner Seele, er. dessen Vorfahren sich mit Stolz zum Stamme der Eiferer und Priester zählten. Daß das alte Vätererbe schon in frühen Tagen seinen jungen Schultern entsank — was verschlägt es? Gut mit ihm, mit uns. mit der Menschheit hat es am Ende das Schicksal gemeint. "Rbuilhallmcüer München Theajtinecfar.tö. (rmQasQr Ü%x&ollane.