Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 18/19 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 218 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Das Jüdische Echo Nr. 18/19 zionistische, aber auf den Marxistischen Theorien fußende Sozialistenpartei Poale Zion ab. Der zionistische Volkssozialismus stellt das Wohl der Gesamtheit über das Wohl einer einzelnen Klasse und würde z. B. einen Klassenkampf nur befürworten, wenn er im Interesse des gesamten Volkes liegen würde. Den Mittelpunkt der Ideologie des Hapoel-Hazai'r bildet das Prinzip der produktiven Arbeit, die allein das jüdische Volk wieder in den wirklichen Besitz des jüdischen Landes setzen kann. — In den drei Schlußkapiteln behandelt der Verfasser die soziale und kulturelle Politik der Partei und den augenblicklichen Stand der Bewegung. Die zionistischen volkssozialistischen Parteien — Hapoel-Hazai'r in Palästina und Deutschland und die Zeire Zion in Rußland — werden beim sozialen Aufbau des neuen Landes einen unübersehbaren Faktor bilden. Feuilleton Unser Land. Von S. J. A n o c h i. (Fortsetzung.) Reb Nachum schaut ihn traurig an und schweigt. Mosche spricht weiter: Reb Nachum, solange es ging, habe ich es hier ausgehalten. Nun kann ich es nicht mehr. Weder ich, noch mein Weib und meine Kinder.“ Beide schweigen. Reb Nachum, solange es ging, habe ich es hier Jisroel gelebt. Als wir herkamen, war hier noch eine Wüste. Drei Jahre wohnten wir in einer arabischen Hütte. Mußten mit der Büchse in der Hand schlafen Reb Nachum ...“ Mosche fühlt, daß ihm Tränen in die Augen treten. Er schweigt. Dann streckt er die Hand aus und sagt: „Nun, wollen wir uns verabschieden.“ Reb Nachum verspricht, noch zu ihm ins Haus zu kommen, um dort Abschied zu nehmen. Mosche geht fort. Reb Nachum blickt ihm nach und spricht zu sich selbst: „Unser Land, unser Land, Erez-Jisroel.“ Im Hause Mosches hat sich das ganze Dorf versammelt. Die Weiber reden. Alle seufzen. Mosches Weib weint. Die andern Weiber trösten sie: „Wer weiß, ob nicht uns allen dasselbe bevor- , steht.“ Mosches Weib ist untröstlich. Sie weint und jammert: „Mosche hat hier seine besten Jahre gelassen.“ Mosche aber weint nicht. Das ziemt sich nicht für ein Mannsbild. Er packt die Sachen und schnürt sie zusammen. Die Männer helfen ihm. Und er denkt daran wie lustig er war, als er hier einzog. Die Büchse hing ihm am Rücken. Und er glaubte so fest an sich und an das Leben. Man erwartete damals jeden Augenblick einen Überfall der Araber, und doch war es ihm so lustig zumute, und der Tod erschreckte ihn nicht. Und jetzt ist es ihm so bitter ums Herz. Er packt die Sachen mit großem Eifer, als woille er seinen Schmerz betäuben. Alle helfen ihm bei der Arbeit. Jemand wendet sich an den Wächter Genin: „Warum steht Ihr so da? Helft doch mit.“ Genin blickt düster drein. Er antwortet: „Meine Hände wollen nicht einem Juden helfen, Erez-Jißroel zu verlassen. Nein.“ Mosches Gesicht durchzuckt ein neuer Schmerz. Und er macht sich mit noch größerem Eifer an das Packen. Inzwischen ist auch Reb Nachum gekommen. Mosche ist mit dem Einpacken fertig. Man beginnt Abschied zu nehmen. Man weint, man küßt sich heiß und lange. Mosches Weib und Kinder steigen in den Wagen. Mosche setzt sich! auf einen Esel. Man hört nur das Weinen von Mosches Weib und die langen heißen Küsse, die sie mit ihren nächsten Freundinnen wechselt. Der Wagen setzt sich in Bewegung. Mosche reitet auf seinem Esel hinter her. Mph begleitet sie aus dem Dorfe hinaus. An der Dorf grenze bleiben sie alle stehen. Die Fortziehenden entfernen sich immer mehr, nun sind sie schon ganz weit. Mosches Herz krampft sich zusammen. Er wendet den Kopf um, um noch einen Bick auf das Dorf zu1 werfen. Nun kann er sich nicht länger beherrschen und beginnt still und bitter zu weinen. Die Sonne geht eben unter. Die Berge von Judäa glühen. Still ist es ringsum. Die Dorfleute stehen traurig da, hören das Weinen, und es ist ihnen, als ob es die Stimme von einst wäre, ein Widerhall aus jener Zeit, als der Feind die Juden in die Verbannung wegführte. Traurig, bekümmert, aber stolz und selbstbewußt kehren sie ins Dorf zurück. Denn sie sind dageblieben bei ihren Häusern, bei ihrer Tenne und ihren Feldern um das Dorf herum. Man erzählt sich im Dorfe, daß ein ganzes Heer hungriger Araber aus Arabien angekommen ist und die Felder in der Gegend verwüstet. Ein jeder schaut seinen Revolver nach. Man kauft Patronen und versieht sich mit guten Gewehren. Die Weiber sind außer sich vor Angst. Man be- Sie frisier im HJeltfrieg nimmt die ftiümfynct fugend oud)6eim HJicöccouf&au %c ausgeprägte Stellung unter Öen öeutfdjen iUußrierten 5eitjtyriften ein. die ip narf> toie öor die fileölrngöleftüre eineö Jeden/ öer ernjt unÖ norurteilsto* Öen £eiU gefjl üerfolgt. ßejugspreis nferte!|ät)rfic$ Hlf. 10.— (ßudftnnöel oöer poß) Unmittelbar üom Herlag in Kotten üerpatft mit portO/ in HeutfdjlanÖ mf. 12.50 tm Stuslnnö ttlf. 13.— pro&ebänöe 4 Hummern entfjaltenö mf. t.50 Cinjetne Hummern Ulf. 1.— Ucclng öcc fugend7 nHundjctt/ * eßingßt. 1