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Das jüdische Echo · 1919-05-09 · 18/19 (9.5.1919) · p. Seite 217

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
18/19 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18/19 Das Jüdische Echo 217 den zu den Arabern gute seien und daß die letzteren gegen die Zuerkennung Palästinas an die Juden nichts einzuwenden haben. Gründung einer Bulgaro - Palästinabank. In Sofia wurde jüngst die Bulgaro-Palästinabank mit 5 Millionen Leva Aktienkapital, eingeteilt in 125 Stück Anteile zu 40 000 Leva, gegründet. Präsident des Verwaltungsrates ist der Direktor der Rustschuker Eskomptenbank Benun in Sofia, Vizepräsident der Sofioter Großkaufmann Sigmund Rintl. Das Unternehmen bezweckt neben der Förderung der zukünftigen Handelsbeziehungen Bulgariens zu Palästina die finanzielle Abwicklung der Angelegenheiten jener Juden, welche nach Palästina auswandern wollen. Es wird mit Rücksicht auf die mißliche wirtschaftliche und politische Lage mit einer weitgehenden Auswanderung gerechnet. Der „Osservatore Romano“, die römische Zeitung, die päpstliche Interessen vertritt, veröffentlicht einen an alle Bischöfe der Welt gerichteten Brief des Papstes, worin er sie auffordert, Missionen nach Palästina zu schicken, um die Interessen der katholischen Welt zu retten. Militärpflicht der Juden in Litauen und Weiß- Rußland. Oberst Wirostek erklärte den Vertretern der jüdischen Presse, daß die Juden der Gebiete von Litauen und Weiß-Rußland vom Militärdienst befreit sind. Dank der Polen für jüdische Treue. Nach einem Bericht des „Echo de Paris“ aus Warschau wurde eine bolschewistische Verschwörung, die beabsichtigte, die Truppen des Generals Litowski im Rücken anzugreifen, und die polnische Garnison in Pinsk zu vernichten, durch die Treue einiger jüdischer Soldaten aufgedeckt. Und der Dank für diese Treue? In eben diesem Pinsk wurden friedliche Juden von polnischen Soldaten aus dem jüdischen Volkshaus geschleppt und erschossen. Jonescu und die iiddische Sprache. Der rumänische Staatsmann Jonescu drückte in einer Unterhaltung mit Zeitungskorrespondenten seine Sympatie für den Zionismus aus, erklärte sich jedoch gleichzeitig gegen die Gewährung nationaler Rechte für die Juden Rumäniens, da diesen die bürgerliche Gleichberechtigung vollständig genügen müsse. Auch gegen die jiddische Sprache erklärte er sich mit der Begründung, daß diese der deutschen Sprache ähnlich sei. Es wäre notwendig, daß die Juden ihre besondere Sprache aufgeben. Diese Äußerungen beweisen aufs neue, daß die rumänischen Staatsmänner in der Behandlung der Judenfrage noch keineswegs die Forderungen wirklicher Demokratie verstanden haben. Genau so wie alle übrigen nationalen Gruppen in einem Nationalitätenstaat dürfen auch die Juden das Recht der nationalen Selbstbestimmung beanspruchen. Im übrigen müssen die Juden selbst darüber entscheiden können, ob für sie die bürgerliche Gleichberechtigung ausreicht oder nicht. Ebenso müssen sie selbstverständlich das Recht haben, sich ihre eigene Sprache zu wählen, und wenn diese Sprache zufällig Elemente hat. die sie der deutschen Sprache verwandt machen, so wird niemand dies als eine ausreichende Begründung für die Forderung ansehen, eine Nation wie die Juden müsse ihre eigene Sprache aufgeben. Die Mischehe. Die „Zeitschrift für Statistik und Demographie der Juden“, Berlin, bringt folgende bedeutsame Daten über die Entwicklung der Mischehen, welche zwischen Juden und1 Nichtjuden im Deutschen Reiche während der ersten 13 Jahre des 20. Jahrhunderts abgeschlossen wurden. Während noch 1901 auf 100 Eheschließungen zwischen Juden nur 16,97 Mischehen entfielen, stieg ihr Hundertsatz von Jahr zu Jahr, bis er 1913 nicht weniger als 30,98 erreichte, das heißt, daß 1913 in Deutschland von 100 heiratenden Juden oder Jüdinnen mehr als 15 eine Mischehe abschlossen. Diese Ziffern sollten den Gemeindevorstehern und Führern im deutschen Judentum doch zu denken gebe* Sie sprechen eine deutliche Sprache und zeigen, daß ihre Wege falsch sind. literarisches Echo „Volk und Land“. Die mit Beginn dieses Jahres Jahres erstmalig erschienene Zeitschrift gibt soeben ihr 6. Heft heraus. Der Inhalt der bisher erschienenen Hefte läßt bereits erkennen, ein wie fruchtbarer Gedanke es war, die Erörterung des Judenproblems auf die Fragen der Juden heit zu beschränken, das Politische, Wirtschaftliche und Soziale aus dem verwirrenden Chaos der religiösen, parteipolitischen und literarischen Kämpfe herauszuheben und so jenen Fragenkomplex in das helle Licht der Diskussion zu rücken, an dessen Lösung alle Kreise des jüdischen Volkes gleichmäßig interessiert sind. Mittelpunkt fast aller Abhandlungen und Äußerungen ist Palästina, jene Tatsache im Leben des jüdischen Volkes, deren endgültige, allen sichtbare Einstellung durch das Votum der im künftigen Völkerbund vereinigten Kulturnationen nunmehr zu erwarten ist. Nicht als Geschenk, sondern als Ausdruck dessen, was den Juden vermöge ihrer Weltgeltung gebührt, und was sie durch ernste unaufhörliche Arbeit zu verdienen trachten. Unter diesem Zeichen stehen insbesondere die Aufsätze von Davis Trietsch: „Grundlagen jüdischer Weltgeltung“ und „Massenwanderung und Massensiedlung“; Dipl.-Ing. M. Hecker: „Die technischen Aufgaben Palästinas“; I. Syrkin-Wilna: „Das Kunstgewerbe Palästinas“; Prof. O. Warburg: „Die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas“; Felix A. Theilhaber: „Jüdische Weltpolitik“; Dr. A. Ruppin: „Der Libanon“; Dr. F. Sternberg: „Die Auslese des Menschenmaterialls“. Im übrigen enthalten die vorliegenden Hefte reichhaltiges Material aus Politik, Wirtschaft und Palästinaarbeit, Besprechungen interessierender Neuerscheinungen und ein Palästina-Archiv, das vielerlei Anregungen für die künftige praktische Arbeit in Palästina zu geben vermag. („Volk und Land“ erscheint im Weltverlag G. m. b. H., Berlin W. 35, Kurfürstenstraße 150. Bezugspreis: vierteljährlich Mk. 6.—.1 Victor Ch. Arlosoroff: Der jüdische Volkssozialismus (72 S., Preis Mk. 2.—, Verlag Hapoel- Hazai'r, Berlin N., Rosenthalerstraße 15/7). Nachdem in Deutschland eine Schwester-Organisation der palästinensischen Arbeiterpartei Hapoel- HazaTr entstanden ist und festen Fuß gefaßt hat, bringt die deutsche Landmannschaft aus der Feder eines ihrer Anhänger eine erste programmmatische Schrift zur Orientierung für die deutsche Judenheit. Der Verfasser grenzt in dieser Broschüre in den ersten beiden Kapiteln zunächst die neue Partei gegen die internationale jüdisch-sozialdemokratische Partei, den Bund, und die zwar

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