Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 18/19 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9072829-9102975-9139997--02780-9075600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
216 Das Jüdische Echo Nr 18/19 Die Symbole und Erhaltungsgebote sollen eben als Symbole und JErhaltungsgebote auch beim Unterricht bleiben* nicht wie die allzu Frommen es leider tun, zum Selbstzweck erhoben werden. Dann ist der Gefahr einer diametral entgegengesetzten Abkehr von unserer Religion vorgebeugt, indem an Steife des Fetisches Tradition zu uns die Sprache geschichtlicher Romantik spricht — vor dieser aber wird die Pietät aufrichtig sein, weil verständlich, aber selbst eine Ablehnung ungefährlich, weil eine Verwechslung mit den wirklichen Grundsätzen des jüdischen Glaubens, dem eigentlichen Inhalt unserer Volksseele dabei ausgeschlossen bleibt. Diese Methode verlangt allerdings größte Vorsicht und Takt seitens des Erziehers und muß sich natürlich auch dem Alter und Auffassungsvermögen der Kinder anpassen. Jedentalis sollen die Anfänge bereits früh gemacht werden. Daß die obigen Ausführungen Tichtig sind, zeigt wiederum ihre praktische Anwendung in unserer Talmud-Tor a-Schule. Die Kinder, die — von der Straße beeinflußt — sich anfangs mit Fragen voll Spott an den Lehrer über religiöse Gebräuche wandten (so fragte z. B. eines über Zizis: „Was soll denn dieser Schwindel überhaupt?“), diese Kinder werden jetzt kaum in dieser Form ihre Fragen wiederholen. In einer ernsthaft interessierten tun sie es allerdings sehr oft. Es gibt für diese Kleinen kein interessanteres Thema als gerade das religiöse. Das Gottessuchen ist eben der tiefste menschliche Trieb und bei den Juden der alferjüdischste. Umso sorgfältiger soll eben auch dessen Behandlung sein und es wäre zu wünschen, daß die Stuttgarten Talimud-Tor a-Schule hierin ein gutes Beispiel für viele sein sollte. Zum Schluß möchte ich noch auf einen kleinen Umstand hinweisen, der aber charakteristisch ist für jüdische Verhältnisse. Die Schule, die sich als so notwendig ' herausstellte, verdankt ihre Entstehung und ihr Dasein nur einer ganz kleinen Gruppe von Männern, hauptsächlich den Herren Nowytarger und Friedrich, denen ich hier ein J“D ns^ sagen möchte. IDistriktsrabbiner Natban Bamberger Durch den Abschluß Münchens von der Außenwelt trifft erst jetzt die Kunde vom jähen Hinscheiden eines Mannes hier ein. weches mit der bayerischen Judenheit auch das Gesamtiudentum auf das Tiefste beklagt. Distriktsrabbiner Nathan Bamberger in Würzburg, welcher in der Nacht zum 28. April nach kurzer Krankheit entschlief, erreichte ein Alter von 76 Jahren: seines Amtes als Distriktsrabbiner in Würzburg waltete er über 40 Jahre. Neben seiner rabbinischen Tätigkeit war er auch Vorsteher und Leiter des von seinem Vater begründeten israelitischen Lehrerseminars in Würzburg, welchem Hunderte von jüdischen Lehrern Deutschlands ihre Ausbildung verdanken. Ganz besonders verdient machte sich der Verlebte um die Unterstützung der Armen in Palästina. Gleich seinem Vater und Vorgänger im Amte entfaltete er eine äußerst lebhafte Propaganda für diesen Zweck; er konnte im Laufe der Jahre über Hunderttausende von Mark in seinen von Zeit zu Zeit erschienenen Mitteilungen Rechnung abfegen. Die große Beteiligung von Nah und Fern bei der Beerdigung gab Zeugnis von der großen Hochachtung. deren sich der Verblichene in allen Kreisen erfreute. J. F. Aus der Jüdischen Welt Ein jüdischer Nationalrat in Konstantinopel. In Konstantinopel hat sich ein jüdischer Nationalrat als oberste Behörde der Juden in den türkischen Gebieten konstituiert. Der konstituierenden Sitzung wohnte der russische Zionistenführer Ussischkin bei. Der neue Nationalrat hat einen Vertreter zur Pariser Konferenz der jüdischen Nationalräte entsendet. Die Wahlen zur Jüdischen Konstituante in Palästina. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Wahlen für die jüdische Konstituante wurden bis zur Entscheidung der Friedenskonferenz über Palästina hinausgeschoben. Die Jüdische Armee in Palästina. Eine große jüdische Armee aus England nimmt Palästina in Besitz. Nach amerikanischen jüdischen Zeitungen wird darüber berichtet, daß die englische Heeresleitung etwa 50—60 000 jüdische Soldaten aus ihren überall befindlichen Truppen herausgezogen und sie langsam über ganz Palästina verteilt hat unter Ersetzung der nichtjüdischen Truppen. Der Umstand, daß eine große jüdische Armee sich an der Ostfront befindet, hat den jüdischen Staat in Palästina zu einer militärischen Tatsache gemacht und wird auf gewisse gegnerische Steifen einen Einfluß ausüben. Der Aufstand in Ägypten und die Palästinafrage. Im „Daily News“ werden die in der englischen Presse aufgetauchten Gerüchte, die den Aufstand der Araber in Ägypten mit der Palästinafrage in Zusammenhang bringen, in Abrede gestellt. Hierbei wird versichert, daß die Beziehungen der Ju- Jftündjner Jleueffe Jladjri'cfjfen ©röfite,fägl.2mal erfdjeinenbe 3ßKung ©üb* unb Jflittelbeutj’djlanbä.ftauffrdfttgerXeferfrete unb überjDeuffdjtanbtfGlrensen hinauf* gefjenbe Verbreitung. <s>ro§ertauf* männ.u.getDerbl.©tellenmdrft Slnerfannt fefyr erfolgreich für Slnseigen aller Slrt. Slnjeigenpreil unb Jlacblafj nach Xartf. 25e$ug$prete monatf. 2ftf. 2.50 bei allen beutfdjcn poflanflalten W £ägtid)e2(ufJage 2mal löooooGgetnptare/Ober lh Million£efer"»i