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Das jüdische Echo · 1919-05-09 · 18/19 (9.5.1919) · p. Seite 212

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
18/19 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 Das Jüdische Echo Nr. 18/19 Der „Times“ zufolge ist dieser Arbeitsplan von General Sir Arthur Money, dem obersten Verwaltungsbeamten in Palästina, und General Storrs, dem Gouverneur von Jerusalem, aufgestellt worden, denen eine Reihe von Forschern zur Seite steht. Weiter heißt es in dem Aufsatz: „Unter allen Unternehmungen zum Wiederaufbau Jerusalems ist vielleicht die interessanteste und wichtigste das Pro-Jerusalem-Komitee, das von General Storrs geschaffen wurde. Das Komitee ist eine beratende Körperschaft, die in allen Fragen der Bautechnik und der Verbesserung der städtischen Anlagen Vollmacht hat. Sie ist durchaus international; Mohammedaner, Christen und Juden sind in ihr vertreten. Der Gouverneur hat den Posten des Vorsitzenden übernommen. Die Verhandlungen werden in französischer Sprache geführt. Ihm steht der Großmufti, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, der griechische Patriarch. der armenische Bischof, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde und der bekannte französische Orientalist Pere Abel zur Seite. Auch führende Italiener und amerikanische und englische Sachverständige sind vertreten. Das Pro-Jerusalem- Komitee, das von dem Gouverneur ins Leben gerufen ist, will die heilige Stadt nach Jahrhunderten des Elends und der Mißwirtschaft leiten und einigen. Folgende Arbeiten sind in Aussicht genommen: 1. Die Freilegung der alten Stadt von Salomos bis auf Suleiman des Großen Zeiten, die Erhaltung der alten Stadtmauer und der alten Bauten; 2. die Errichtung einer neuen Stadt außerhalb dieses Terrains, für die ein besonderer Stadtplan ausgearbeitet wird; 3. die Anlage von Parks; 4. die Pflege des Kunsthandwerks, Eröffnung von Suks und Bazaren, Aufstellung von Webstühlen und Einrichtung von Handwerksstuben; 5. die Erhaltung besonders der heiligen Stätten des Islams, des Felsen-Doms, der Al Aksah-Moschee und der übrigen Gebäude auf dem früheren Tempelplatze; 6. die Einrichtung eines Systems technischer Schulen, wenn möglich eine Entwicklung der Bezalel-Schule. Beabsichtigt ist, die traditionellen Werkstätten zu fördern durch Einrichtung von städtisch unterstützten Lehrwerkstätten, mit einem eigentlichen Lehrlingssystem; 7. die Anlage eines festen Planes für künftige Ausgrabungsarbeiten.“ Ausschreitungen gegen Juden in Warschau. Warschau, 26. April. Montag, den 21. April, fanden in Warschau im Weichselbezirk Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung statt. Schon während des ganzen Tages wurden in den Gassen die jüdischen Passanten, besonders die traditionell Gekleideten, von bewaffneten Banden angehalten und mißhandelt. Am Abend überfielen bewaffnete militärische Banden gemeinsam mit zivilen Hooligans die Altstadt, schlugen alle vorbeigehenden Juden und verwundeten viele von ihnen. Die jüdischen Häuser wurden mit Steinen beworfen und die Fensterscheiben eingeschlagen. Die Ausschreitungen dauerten bis 11 Uhr nachts. In der Pretagasse wurde auch wiederholt geschossen. Den Schwerverletzten wurden seitens der Rettungsgesellschaft die erste Hilfe geleistet. Als die jüdischen Ratsmänner von den Vorfällen verständigt wurden, intervenierten sie beim Stadtpräsidenten und beim Polizeichef. Sie begaben sich auch an den Tatort, wo sie gemeinsam mit dem Polizeichef die geplünderten jüdischen Geschäfte besichtigten. Täglich werden Juden ohne Grund aus Warschau ausgewiesen. Die polnischen Behörden bezeichnen sämtliche Juden, die nicht in Warschau geboren sind, auch solche, die bereits seit zwanzig Jahren dort wohnen, als Ausländer. Diese „Ausländer“ erhalten die Weisung, meist innerhalb 48 Stunden das Land zu verlassen. Fälle sind vorgekommen, daß Juden gleichzeitig Ausweisungsbefehle und1 Einberufungen für die militärische Musterung bekamen. Es hat sich sogar ereignet, daß Studenten, die schon für den Militärdienst gemustert waren, den Befehl zum Verlassen des Landes erhalten haben. Die jüdische Schulfrage in der Westukraine. Der Jüdische Nationalrat für Ostgalizien in Stanislau hat an das Staatssekretariat für Kultus und Unterricht die Forderung gerichtet, daß die hebräische Sprache in allen Schulen, in denen sie noch nicht als Vortragssprache eingeführt wurde, einstweilen als obligater Gegenstand für die jüdischen Schüler im Ausmaße von 6 Stunden wöchentlich (inklusive Religionsunterricht und jüdische Geschichte), unterrichtet, werden. Der Jüdische Nationalrat protestierte auch, daß in denjenigen Volksschulen, die mit öffentlichem Anschlag seitens der Regierung als „jüdisch“ bezeichnet wurden, der jüdische Charakter derselben in keiner Weise zum Ausdruck gelangt ist. In diesen Schulen wurde bis nun das Hebräische weder als Vortragssprache noch als Lehrgegenstand eingeführt, ebensowenig den Kindern der Samstag freigegeben. Die Leitung dieser Schulen ruht derzeit in nichtjüdischen Händen. Der Jüdische Nationalrat verlangte vom Staatssekretariat die sofortige Erfüllung der Schulforderungen des jüdischen Volkes im Einverständnis mit dem Jüdischen Nationalrat, ebenso die Bestellung von Referenten in jüdischen Schulangelegenheiten in den Bezirksschulräten, deren Nominierung vom Nationalrat vorzuschlagen wäre. Der Jüdische Nationalrat hat schon dem Staatssekretariat die entsprechenden Vorschläge zur Nominierung von jüdischen Volksschulinspektoren gemacht. Gustav Landauer. Gustav Landauer ist tot. Über seine Wirksamkeit in der bayerischen Politik, die ihn zeitweise in den Vordergrund der Ereignisse geschoben hat, haben wir an dieser Stelle nicht zu sprechen. Auch eine Bewertung seiner sozialistischen Tätigkeit als Schriftsteller und Redner im Allgemeinen ist nicht unsere Aufgabe. Das traurige Ende, das dieser idealgesinnte, hochbegabte Mann gefunden hat, muß jeden menschlich Fühlenden aufs Tiefste erschüttern. Gustav Landauer ist, seitdem er hier tätig war, in keine Beziehung zu den hiesigen jüdischen Kreisen und zur jüdischen Politik getreten. Der Strom der allgemeinen Politik hat ihn, wie so viele andere, mit sich fortgerissen und in seinen Bann gezogen. Doch liegen aus den Arbeiten Landauers aus früheren Jahren Beweise dafür vor, mit wie ernsthaftem menschlichem Gefühl und Verständnis und mit welch innerer Anteilnahme er auch an die Probleme des Judentums

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