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Das jüdische Echo · 1919-04-25 · 16/17 (25.4.1919) · p. Seite 203

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
16/17 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16/17 Das Jüdische Echo 203 der letzte Passus in dem betreffenden Erlaß verstanden werden, in dem es heißt: „Die jüdische Demokratie hat die Pflicht, die bolschewistischen Elemente zu bekämpfen und auszurotten.“ Die einzige Stelle in der Ukraine, wo man über diese Qreueltaten sprechen und gegen sie Protest erheben konnte, war die „Jüdische kleine Nationalversammlung“, gegen die die ukrain. Regierung nicht aufzutreten wagte. Dorthin kamen sogar die Vertreter der jüdischen Sozialistischen Parteien, die aus der Nationalversammlung ausgeschieden sind, um von dieser Tribüne aus Bericht zu erstatten und vor der Öffentlichkeit zu protestieren. Dort erschienen auch die Delegierten der jüdischen Gemeinden aus Berditschew, Schitomir und anderen Pogrom-Städten. Unter Leitung des Präsidenten der Nationalversammlung Alexander Goldstein fand eine gewaltige Protestversammlung statt, bei der M. Großmann namens der Zionisten, Rabbiner Aronsohn namens der Achduth. Mereminsky namens der Zeire Zion und Latzki namens der Volkspartei sprachen. In dieser Versammlung wurde einstimmig eine Protestresolution gegen das verbrecherische Verhalten der Regierung und gegen ihren heuchlerischen Erlaß angenommen. Diese Resolution konnte aber in den Zeitungen nur zum Teil veröffentlicht werden. Auf Befehl der Zensurbehörde mußte der Passus, der sich auf den Erlaß der Regierung bezog, fortfallen. 29 polnische Juden. waren nach Nr. 155 der „Mchn. N. N.“ Gegenstand eines Berichts des Rechtsrat Helmreich im Magistrat, der sich mit dem Massenzuzug nach München befaßte. Versteht sich, daß nichts gegen diese polnischen Juden gesagt ist; nicht ausdrücklich wenigstens. Aber die Tatsache, daß von allen nach München Zuziehenden gerade diese 29 polnischen Juden Erwähnung finden, konnte auf den Leser nicht ohne eine — sicher nicht unbeabsichtigte — Wirkung bleiben. Bedeuten diese 29 wirklich eine so unerhörte Belästigung für das an Wohnungs- und Nahrungsmangel leidende München mit seiner Einwohnerzahl von 6—700 000 Menschen. Gerade diese 29! Wo in deutschen Landen Menschlichkeitsgefühl vorhanden ist, müßten polnische Juden, die vor vertierten Pogrombanden flüchten, denen eine, von den Skrupel- und gewissenlosen polnischen Machthabern verhetzte Bevölkerung mit raffiniertester Bedrückung und Verfolgung das Leben verbittert, mit größter Bereitwilligkeit ein Asyl geboten werden. Aber nicht nur aus allgemeinen Menschlichkeitsgründen. Deutschland hat stärkere Pflichten gegen die polnischen Juden — auch von der Selbstverständlichkeit abgesehen, daß man Menschen, die nicht im polnischen Heer gegen Deutschland kämpfen wollen, .ohne Erschwerungen aufnehmen sollte: Die deutsche und die österreichische Armeeleitung haben beim Einzug in Polen Manifeste an die Juden erlassen, in denen sie diesen Befreiung und eine neue glücklichere Zeit versprachen. Die deutsche Presse aller Schattierungen war ungemein geschäftig, die Ostjuden als Deutsche zu reklamieren, als man sie brauchte. Mit allen erdenklichen Argumenten wurden ihre Beziehungen zum Deutschtum nachgewiesen. Die Judenfeindschaft der Polen hat aus diesen Dingen ungeheuer Nahrung gezogen und, wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß die Hetze in Polen allzuoft Juden und Deutsche in einem Atem nennt. Herr He lm re ich kennt die Verhältnisse nicht, er weiß nur daß er die polnischen Juden nicht liebt und daß deren Zuzug eine Unbequemlichkeit bedeutet. Er möge deutsche Soldaten über die Haltung polnischer Juden im Kriege fragen. Da könnte er Dinge erfahren, für die seine und die vielfach gehegte Feindseligkeit ein schlechter Dank ist. Da könnte er hören, wieviele deutsche Soldaten in den jüdischen Ghetti ihre Rettung fanden, wieviele Juden infolge polnischer Denunziationen wegen wirklicher oder angeblicher Deutschfreundlichkeit unter Kosakenhänden ihr Leben lassen mußten und wieviele sich nur durch die Flucht retten konnten. Solche Dinge verpflichten! Deutschland verlangt mit Recht politischen Anstand von seinen Feinden. Umsomehr sollte man ihn selbst üben — sogar polnischen Juden gegenüber. Auch den deutschen Juden, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und kräftig mitschimpfen, gilt dies. Wenn sie schon keine jüdische Brüderlichkeit für die polnischen Juden aufbringen, wenn ihr Judentum schon so verwässert ist, daß sie aus ihm keine Gemeinschaft mit den „Pollacken“ herleiten, dann sollten sie sich wenigstens der deutschen Verpflichtung und der menschlichen gegen die polnischen Juden erinnern. Umso beschämender ist es. wenn sich in diesen Tagen deutsche Juden finden, die mit Argumenten aus der antisemitischen Rüstkammer gegen die polnischen Juden losziehen und diese für Politiker verantwortlich machen wollen, mit denen die polnischen Juden ebensowenig zu tun haben, wie die deutschen Juden mit den paar radikalen Führern, die dem deutschen Judentum entstammen. Reich. Literarisches Echo Jüdische Jugendblätter. Seit 1. März erscheint in Wien, herausgegeben von dem Zentralverbande der Jüdischen Jugendgruppe und redigiert von Heinrich Margulies, eine neue Jugendzeitschrift: „Jüdische Jugendblätter“. Die vorliegenden beiden ersten Nummern machen einen gediegenen und reichhaltigen Eindruck. Sie enthalten Beiträge vom Oberrabbiner Dr. Chajes, Professor Freud, H. Heinrich Margulies, H. Adolf Boehm. H. Robert Weiß u. a. — Die Jugend soll konkret und faßlich mit den Inhalten des Judentums vertraut gemacht werden. Zu den geistigen Fragen nimmt die Zeitschrift kritisch Stellung, ohne sich auf eine bestimmte Richtung festzulegen. Es wäre zu wünschen, daß diese Zeitschrift weiteste Verbreitung in der Jugend findet. Aus der Jüdischen Welt Zionistische Arbeiterpartei in Rumänien. Dem „Jüdischen Korrespondenzbureau Zürich“ wird aus Bukarest gemeldet, daß sich dort eine circa tausendköpfige Ortsgruppe der sozialistischen Poale Zion gebildet hat. Vom Misrachi. Die Interalliierten-Konferenz der Zionisten hat beschlossen, in Anbetracht des großen Werkes, welches in der nahen Zukunft bevorsteht. und an dem der Misrachi seinen vollen Anteil zu haben wünscht, ein „interalliiertes Misrachibüro“ zu begründen, dessen Hauptsitz in London ist. Das Komitee besteht aus 9 Herren, je drei Vertreter von Amerika, England und Erez Jisroel. Das Londoner Büro steht unter der Lei-

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