Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 16/17 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 201 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16/17 Das Jüdische Echo 201 der Londoner Achusah und teiis einem sibirischen Juden gehört. Alle diese Gruppen haben bisher Anleihen von verschiedenen zionistischen Instituten durch das Zionistische Palästina-Amt erhalten. Jetzt erhalten sie diese Unterstützung von der Zionistischen Kommission durch die gleiche Vermittlung. Die Anleihe, die diesen Gruppen aus verschiedenen Fonds gewährt wurde, gestattete es 244 Arbeitern, nach Kriegsende an ihrem Aufenthaltsort zu bleiben oder anderwärts Landarbeit zu finden. Ohne diese Unterstützung hätten diese wichtigen Unternehr mungen unterbrochen werden müssen, vielleicht ohne Aussicht auf spätere Wiederaufnahme. Noch wichtiger ist, daß die in dieser Arbeit tätigen Männer und Frauen nicht genötigt waren, sich in einem Augenblick nach anderer Arbeit umzusehen, in dem es wichtig war, so viele junge Männer und Frauen wie möglich mit landwirtschaftlicher Erfahrung für die kommende Landwirtschafts- und Kolonisationsarbeit zur Verfügung zu haben. Neben 18 Arbeitergruppen, denen die zionistischen Kommissionen und andere Institute Vorschüsse gewährten, bestehen zehn Genossenschaften, die keine finanzielle Unterstützung seitens der zionistischen Kommissionen erhalten. Vier von diesen Gruppen (Ben Schemen, Hulda, die Männergruppe in Merchawiah und Gan Schemuel) werden vom Jüdischen Nationalfonds unterstützt, zwei Gruppen (in Kerkur) arbeiten mit den von der Anglo, Palestine Compagny gewährten Krediten und vier Gruppen (Daganiah, Kinereth. Tel Adaß und Kastinieh) mit ihren eigenen durch die Ernten der Vorjahre erzielten Mitteln. Eine neue Gruppe ist kürzlich gebildet worden, die auf Land, das kurz vor der englischen Okkupation* von den deutschen Kolonisten gekauft wurde, Waldbäume pflanzen soll. Im ganzen sind zur Zeit 406 Mitglieder von 29 Arbeitergenossenschaften dabei, ein Areal von 17.000 Dunam anzupflanzen. Diese Männer und Frauen sammeln wertvolle landwirtschaftliche Erfahrungen und1 werden bei der künftigen Schaffung neuer Kolonien in Palästina die am besten geschulten Elemente sein. Präsident Wilson und die jüdischen Forderungen. Die Zeitschrift „Palestine“ geht in ihrer Nummer vom 22. März auf die Rückkehr des Präsidenten Wilson nach Paris und deren Bedeutung für die Palästinafrage ein. Während seiner Abwesenheit hätten alle imperialistischen Gelüste sich neu geregt, und es sei nicht erstaunlich, „daß auch Palästina ein Opfer dieses Ausbruches war“. Z. B. wurde der Vorschlag gemacht, die Ostgrenze Palästinas auf den Berggipfel oberhalb des Jordantales zu beschränken. Eine solche Anordnung würde Palästina eines großen Teiles seines besten und gesündesten Landes berauben, seiner Wasser- und Kraftquellen und das ganze Land dem Eindringen der wandernden Beduinen aussetzen. Die natürliche Grenze im Osten Palästinas ist die Wüste. Aus Rücksicht auf arabische Gefühle sind die Zionisten bereit gewesen, als Grenze die Hedschas-Bahn anzusetzen, doch ist das ein großes Opfer. Es ist das Maximum, das geopfert werden kann. In einer anderen Zeitung wird, wie wir sehen, von einem Spezialregime für Palästina gesprochen. Wir möchten gern wissen, was damit gemeint ist. Was das jüdische Volk verlangt, ist, daß Großbritannien autorisiert wird. Palästina als Mandatar des Völkerbundes zu beherrschen, um ein jüdisches Palästina herzustellen. Jedes Spezialregime darf speziell nur in dem Sinne sein, daß es speziell diesem Zweck angepaßt ist. Wir alle blicken auf Präsident Wilson mit der Erwartung, daß er diese Wolke der Unwissenheit und Intrigue zerstreue. Eine seiner letzten Äußerungen, bevor er Washington verließ, war, daß er Amerika für die Sache eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina verpflichtete. Bevor Präsident Wilson nach Europa kam, bildeten sich manche Leute ein, er würde ein williges Werkzeug in den Händen der Diplomaten alter Schule sein. Sie hätten sich inzwischen eines Besseren belehren lassen sollen. Präsident Wilson glaubt wirklich an seine Prinzipien, und deshalb glaubt das jüdische Volk wirklich an Präsident Wilson. Delegiertentag der schweizerischen Misrachi« vereine. Am 2. April fand in Zürich ein Delegiertentag der Schweizerischen Misrachi-Vereine (gesetzestreue Zionisten) statt. Herr Aktuaryus erstattete den Bericht über die Tätigkeit des vergangenen Geschäftsjahres, in dem erfreuliche Fortschritte der Misrachiorganisation in der ganzen Welt zu verzeichnen waren. Der Schweizer Misrachi steht mit den Misrachivereinen der ganzen Welt in Verbindung. Die vorbereitende Arbeit für die Auswanderung nach Palästina besteht besonders in der Errichtung von Informationsbureaus. Die unregelmäßig erscheinende Misrachikorrespondenz soll zu einer Zeitschrift umgewandelt werden. Herr A. J. Rom referierte über die Aufgabe des Misrachi in der Gegenwart, als dessen Aufgabe er die Verbreitung des zionistischen Gedankens in der gesetzestreuen Judenschaft bezeichnet. Prof, de Fanc sprach über die Erziehungsfrage im misrachistischen Sinne. Der Delegiertentag nahm eine Resolution an, in der Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina auf der Grundlage der Tradition und sozialen Gerechtigkeit im Geiste der Thora gefordert, die Forderung der nationalen Autonomie der Juden in den Ländern jüdischer Massensiedlung erhoben und überhaupt die volle und tatsächliche Gleichberechtigung aller Juden in der Diaspora verlangt wird. Kongreß der Juden der Slovakef. Am 25. und 26. März fand in Pystian ein Kongreß der Juden der Slovakei statt, in welchem 48 Kultusgemeinden durch 103 Delegierte vertreten waren. Es waren auch mehrere Delegierte des jüdischen Nationalrates für die Tschechoslovakischen Länder in Prag anwesend. Es wurde ein Judenrat für die Slovakei gewählt, der unter Ausschluß religiöser Fragen sich mit der Wahrung der bedrohten politischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen der Juden in der Slovakei zu beschäftigen hat. Der Kongreß nahm eine Resolution an, in der die Beschlüsse des Zehnerrats in Paris wegen Palästina begrüßt werden. In weiteren Resolutionen wird der Ersatz aller Schäden verlangt, die den Juden der Slovakei zugefügt worden sind, ferner eine entsprechende Vertretung bei allen Behörden und öffentlichen Korporationen, endlich die tatsächliche Gleichberechtigung in religiöser, sozialer, politischer und wirtschaftlicher Beziehung. Zum Präsidenten des