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Das jüdische Echo · 1919-04-11 · 15 (11.4.1919) · p. Seite 190

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 190 (sequence 6)
Language
German
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190 Das Jüdische Echo Nr. 15 Konkurrenzneid? und Angst vor dem Misrachil Solange der neue Jischub die rückständigen Elemente im Lande in Kühe ließ, nahmen Reb L e i - b e 1 e und seine Anhänger ihrerseits dürchaus nicht Veranlassung in den Kampf einzutreten. Die letzten außerordentlichen Erfolge des Misrachi jedoch, dem es gelungen ist, in den Städten und Kolonien, namentlich aber in Jerusalem, zahlreiche Anhänger zu gewinnen, haben die stoische Ruhe dieser Fanatiker gestört. So entschloß sich Reb Leibele, gewiß schweren Herzens, ebenfalls eine „politische Partei“ zu gründen, um nicht ganz unbemerkt zu bleiben. Die Tätigkeit dieser Partei dürfte sich aber kaum weiter als auf Pamphlete und ähnliche schriftliche Angriffe gegen die Vertreter des Misrachi und des neuen Jischub erstrecken. Sie ist innerhalb der Orthodoxie völlig erfolglos geblieben. Auf einer öffentlichen Wahlversammlung, die der Misrachi veranstaltet hatte, erschienen die größten Rabbiner Jerusalems sowie sämtliche Dajanim und erklärten dem Misrachi, wie dies auch durch einen Aufruf an die orthodoxen Juden veröffentlicht wurde, ihre Zustimmung. Im Kampfe der Parteien erlebten wir in diesen Tagen noch .etwas Merkwürdiges: Die Poale Zion- Partei in Palästina hat ihren Namen und ihre Organisationsform geändert. Sie hat sich in eine neue selbständige Organisation unter dem Namen „Einigung und Arbeit“ umgebildet. Die neue Organisation tritt in corpore in den Weltverband der Poale Zion ein. Diese Veränderung hat unter den Mitgliedern des Hapoel-Hazair scharfe Kritik hervorgerufen. Die Hapoel-Hazair-Organisation erblickt in dieser Namensänderung die Absicht der Poale Zion, zahlreiche Elemente, insbesondere die Anhänger der Hapoel-Hazair in Palästina und im Auslande, auf Umwegen für die Poale Zion zu gewinnen. Die Leitung des Hapoel-Hazair in Palästina hat daher dessen Anhänger in Palästina sowie die Zeire Zion in Rußland darüber informiert, daß sie dieser neuen Gründung völlig fern steht und daß sie alle ihre Kräfte nach wie vor in den Dienst des Hapoel Hazai'r zu stellen haben. Zum ersten Male werden bei den Wahlen in Palästina auch die Frauen eine wichtige Rolle zu spielen haben. Es ist dies eine wunde Stelle der gegenwärtigen Wahlkampagne. Die progressiven Elemente hatten die Wahlberechtigung der Frau erst nach schwerem Kampfe durchgesetzt. Es dauerte aber nicht lange, bis gerade im radikalen Lager schwere Bedenken gegen diesen „Sieg“ laut wurden. Denn die wiederholt veranstalteten Wahlen zeigten die Tatsache, daß die Frau fast durchwegs „schwarz“ wählte. Man hatte große Hoffnungen auf die Agudath Hanaschim gesetzt, ein Frauenverein, der die Aufklärungstätigkeit unter den Frauen sehr rührig betrieben hat. Der Erfolg war aber nur ein sehr geringer. Die Orthodoxen konnten mit Genugtuung konstatieren, daß in mehreren Gesellschaften und öffentlichen Institutionen der Einfluß der progressiven Elemente infolge der lebhaften Wahlbeteiligung der Frauen auf ein Minimum herabsank. Das wichtigste Problem, das uns gegenwärtig beherrscht, ist die Frage der Arbeitsbeschaffung. Alle jüdischen Gesellschaften, an deren Spitze der Provisorische Waad für Palästina, widmen dieser brennenden Frage die größte Aufmerksamkeit. Letztens hat dieser palästinensische Rat eine große Konferenz abgehalten. Folgende Beschlüsse wurden öffentlich bekannt gegeben: 1. Es wird eine neun-gliedrige Kommission gebildet zwecks Regulierung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. In dieser Kommission sitzen je drei Delegierte der vereinigten Kolonien in Judäa, der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisationen in Judäa und der Zionistischen Palästina-Kommission. 2. Alle finanziellen öffentlichen Institutionen sind verpflichtet, allen denjenigen, die jüdische Ar-' beiter überhaupt nicht beschäftigen, jede Hilfe zu verweigern. 3. Der „Provisorische Rat der Juden Palästinas“ ist nach Kenntnisnahme aller Berichte über die Lage des Arbeitsmarktes im Lande zu der Ansicht gelangt, daß sich die jüdische Öffentlichkeit eines nationalen Vergehens schuldig macht, wenn sie die Arbeitsfähigen ohne Arbeit läßt. Es soll eine spezielle Kommission gebildet werden, der es obliegt, den jüdischen Arbeitslosen Beschäftigung zu verschaffen. Diese Kommission muß auf der zweiten Sitzung bereits ihre Vorschläge unterbreiten. 4. Der „Provisorische Rat“ verpflichtet die Zionistische Palästina-Kommission, sofort eine Aktion zu unternehmen, um den jüdischen Arbeitern Arbeitsmöglichkeiten zu geben. Auch die jemenitischen Juden schreien nach Arbeit. Anfang März veranstalteten die Jemeniten eine Straßendemonstration. Etwa hundert Jemeniten aus Jaffa und den angrenzenden Kolonien marschierten durch die Straßen von Tel Awiw, blau-weiße Fahnen mit Inschriften vorantragend, und machten vor dem Amtshaus der Zionistischen Palästina-Kommission halt. Die Herren Lewin- Epstein und der Kommandant Bianchini erschienen auf dem Balkon. Ein junger Jemenit trat an sie heran und erklärte im Namen seiner Kollegen: „Wir wollen Arbeit! Wir verlangen kein Gnadenbrot! Wir wollen keine Unterstützungen! Gebt uns Arbeit!“ Herr Lewin-Epstein antwortete, man müsse noch einige Tage ab warten. Hierauf riefen die Jemeniten laut: „Wir verlangen sofort Arbeit! Wir wollen nicht warten!“ Im Namen der jemenitischen Juden sprach ferner Herr Blumenfeld: Die Jemeniten können nicht warten. Sie müssen sofort Arbeitsmöglichkeiten erhalten. Hunderte von Menschen liegen auf den Straßen, um die sich niemand kümmert. Er verlangt, daß unverzüglich eine Beratung einberufen wird' unter Beteiligung der Vertreter der Jemeniten und der Arbeiter. Die Jemeniten seien besonders erbittert über eine Reihe von jüdischen Kolonisten und die Vertreter Baron Rothschilds, die nichtjüdische Hände beschäftigen, während Vom 23. April bis 1. Mai d. J. ist die Palästina-Woche des Jüdischen Nationalfonds, die dem Aufbau des jüdischen Palästina gilt.

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