Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 14 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- Seite 180 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Das jüdische Echo Nr. 14 Aus der jüdischen Welt Adresse der römischen Juden an Präsident Wilson. Als Präsident Wilson kürzlich Rom besuchte, wurde ihm von einer Deputation der italienischen Zionisten eine Dankadresse überreicht. Die Adresse ist in künstlerischer Art ausgeführt, auf durchsichtigem Pergament geschrieben, das der Form der Gesetzestafeln nachgebildet ist. Die eine Se^e ist in englischer, die andere in hebräischer Sprache abgefaßt. literarisches Echo Zionistische Propaganda-Literatur. Die vom Kopenhagener Zionistischen Bureau herausgegebene Schrift „Der Zionismus, sein Wesen und seine Organisation“ von Dr. Bernstein ist soeben in zweiter Auflage erschienen. Diese für die Propaganda sehr geeignete Schrift findet starke Verbreitung. Demnächst soll sie in englischer und französischer Sprache herausgegeben werden. In Prag und Budapest wird von zionistischer Seite eine Übersetzung der Schrift ins Tschechische und Ungarische vorbereitet. Feuilleton Unser Land. Von S. J. Anochi. (Fortsetzung.) Glühend heiße Tage ziehen dahin. Jeder Stein, jeder Baum, jede Blüte, jeder Grashalm glüht. Gottes Welt ist von der Sonne, von der Hitze und vom Feuer berauscht. Die Nächte sind aber still und kühl, voller Nachtträume und Nachtgedanken. Das Morgenland vertieft sich in seine Wunder. Werden unter dem hohen, tiefen Nachthimmel neue Religionen geboren? Sehnen sich die alten grauen Steine in den Tälern und auf den Bergen nach den alten Propheten und dem kommenden Messias? In der Tenne hat sich schon recht viel Getreide angesammelt und jeden Abend kommen dort die Dorfleute zusammen. Alle kommen Mn, Alt und Jung, mit Frauen und Kindern. Man führt ernste Gespräche: vom heurigen Ertrag, von der Zukunft des Dorfes; wie dürftig und schwer hier das Leben sei. Man spricht vom Fieber und will sich einreden, daß hier im Dorfe weniger Erkrankungen vorkämen als anderswo. Man spricht auch von Mosche, der fortgehen will. Mosche klägt über sein Leben. Er will gar nicht fort, nein, er will nicht. Er war ja einer der ersten, die sich hier in Nachion niedergelassen haben. Damals mußte man noch Tag und Nacht seine Büchse bei sich haben. Die Araber machten jeden Augenblick Überfälle. Es gab ewigen Krieg mit ihnen. Man arbeitete bei Tag mit der Büchse hinter dem Rücken im Felde, und behielt sie auch nachts in den Händen. Man wohnte in kleinen arabischen Hütten. Mosche erzählt mit großem Eifer von den damaligen Zuständen. So lustig war es damals. Man war auf alles gefaßt und mit allem zufrieden. Und jetzt mußte er Erez-Jisroel verlassen. Das muß er schon seiner Familie wegen. Die andern trösten ihn. Reb Nachium allein schweigt. Man tröste Mosche damit, daß er unschuldig sei, daß auch die anderen mit Mühe und Not ihr Leben fristen. Der Wächter der Tenne» Genin, mischt sich ins Gespräch ein: „Nein, wie schwer hier auch das Leben ist, ich werde niemals von hier fortgehen. Hier will ich leben und hier sterben. Ich will nicht von meinem Posten weichen, ich will nicht das Land verlassen. Hier müssen wir unser Leben finden oder unsern Tod.“ Auch der Lehrer ist begeistert: „Wir alle müssen ebenso denken wie Genin. Es ist gar nicht so schwer. Hier ist unser Heim und unser Glück.“ Die Leute schweigen und denken daran, daß es in Judäa und Galiläa schon eine Menge jüdischer Dörfer mit Baumpflanzungen gibt. Ein jeder fühlt» wie schön die Nacht ist und daß das Getreide, auf dem er sitzt, ihm gehört und von seinem eigenen Lande geerntet ist. Freude durchströmt die traurigen Herzen. Und die Nacht senkt sich über die Tenne und die Häuser und über das kleine Häuflein Menschen, die hergekommen sind, zu den Wilden und Fremden, um in ihrem eigenen Lande, in ihrem alten Heim zu wohnen. Die Jüngeren werden mutwillig. Sie bewerfen einander mit dem Korn. Sie stoßen hinter dem Rücken der Älteren die Mädchen. Ein junges Paar will sich durchaus anständig benehmen und bei den Älteren sitzen bleiben. Die andern sind ja so ausgelassen. Also haben die beiden Grund, sich eng aneinander T^au^hallmcrier München ThßjatmßvkrAQ.