Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 14 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- Seite 179 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 177 der Tagesordnung: der Konferenz stehen u. a. folgende Fragen: Der Verband, seine Aufgaben und sein Statut; die jüdische konstituierende Versammlung; die zionistische Bewegung; die jüdische Arbeiterbewegung; Schaffung von Institutionen und Wahlen. Die Initiative zur Gründung des Verbandes geht von den Paole-Zion aus, die eine energische Propaganda-Arbeit für die Sache entfalten. Sie werden namentlich von der Landarbeiterorganisation unterstützt. Auch der Hapoel-Hazair wird das Zustandekommen der geplanten Organisation nicht verhindern. Wie die „Chadaschoth me Haarez“ mitteilen, wurde in Jerusalem die erste Lokalorganisation dieses Arbeiterverbandes — Achduth haawoda — bereits gebildet. Ihm schloß sich die Ortsgruppe der Poale-Zion, die Unparteiischen, die auf dem Boden des Sozialismus stehen, und einige Mitglieder des „Hapoel-Hazair“ an. Die Rumänische Judenirage auf der Friedenskonierenz. Das Kopenhagener Zionistische Bureau1 berichtet: Joint Foreign Committee, Board of Deputies und Anglo Jewish Association überreichten der Friedenskonferenz ein besonderes Memorandum über Rumänien. In diesem Memorandum wird festgestellt, die rumänische Regierung habe immer ihre Verträge bezüglich der Juden gebrochen und das Dekret vom 13. Januar 1919 sei ohne praktischen Wert. Am Schluß des Memorandums wird gesagt, die ganze Welt sei einig mit dem rumänischen Judentum im Protest gegen dieses Dekret und fordere den Friedenskongreß zur Annahme des folgenden Vorschlages auf: Alle in Rumänien geborenen und wohnhaften Juden werden als Bürger des Landes anerkannt, mit Ausnahme derjenigen, die bei auswärtigen Konsulaten registriert sind und auswärtige Staatsangehörigkeit besitzen. Bei der Verweigerung der Bürgerrechte muß die rumänische Regierung den Beweis für die fremde Staatsangehörigkeit der Gesuchsteller liefern. Große Judenpogrome in Südamerika. In Buenos Aires haben, wie das Stockholmer „Jüdische Pressebüro“ meldet, Soldaten und Indianer, unterstützt von der Polizei, mit der Begründung, den drohenden Bolschewismus bekämpfen zu wollen, einen Pogrom veranstaltet. Sie überfielen das Judenviertel und ermordeten viele Juden. Wir erfahren dazu folgende nähere Einzelheiten: Es haben in mehreren Provinzen Argentinens Judenpogrome stattgefunden. Auch in Montevideo (Chile) fand eine Judenhetze statt, indem man die Juden des Bolschewismus beschuldigte und sie für den Generalstreik in Buenos Aires verantwortlich1 machte. Der Pogrom dauerte drei Tage. Nähere Ziffern sind noch nicht bekannt. Eine jüdische Delegation suchte den Präsidenten der Republik auf und der Obe.rra:bbiner hielt eine Ansprache, in der er sagt: Während der jüngsten Unruhen waren Juden das Opfer ungerechter Grausamkeiten u. unverzeihlicher Verfolgungen. Unter dem Verdacht, daß sich einige Russen unter den Agitatoren befänden, wurde die ganze jüdische Bevölkerung ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes mißhandelt. Die jüdische Bevölkerung ist jeden Augenblick unter beliebigen Vorwänden neuen Angriffen und Repressalien ausgesetzt. Die Delegation verlangte die Bestrafung der Schuldigen, sowie Spezialmaßnahmen für den Schutz der Juden in denjenigen Provinzen, wo Judenverfolgungen stattgefunden haben. Der Präsident sagte die Erfüllung dieser Forderungen zu. Die Juden richteten auch eine ausführliche Denkschrift an das Parlament, wo der Sozialist Bravo aufs Schärfste gegen die Exzesse Protest einlegte. Daniel-Bund, Gesellschaft für ethische Erneuerung des Judentums (E. V.) Unter dem Vorsitz von Hofrat Dr. A. Theilhaber wurde in München ein „Daniel-Bund“ gegründet. Der Name des großen Sehers und Lebenskünstlers kennzeichnet genugsam die Tendenz dieses Bundes. Man ist zwar geneigt anzunehmen, daß die gegenwärtige Zeit der Zwangsrationierung der Lebensmittel für die Verbreitung von ethisch-vegetarischen Ideen unter den Juden in Deutschland nichts weniger als günstig gewählt wurde. Allein beim Durchlesen der gediegenen wie auch geschmackvoll ausgestatteten Schriftstücke erkennt man bald, daß die Gründer des Daniel-Bundes ihre Hauptaufgabe in einer neuen Gestaltung der Zukunft der jüdischen Ansiedelung in Palästina, vornehmlich in der Förderung der Obstzucht und der reinen Fruchtnahrung bei den Juden erblicken. Dieser ihrer Ziele wegen ist die „Chewrath Daniel“ durchaus zu begrüßen, zumal schon verschiedentlich darüber Klage vernommen wurde, daß die jüdischen Ansiedler aus Europa von ihrer mitgebrachten Gewöhnung an übermäßige Fleischkost sich nicht gerne lossagen wollen und dadurch die Ernährungslage in Palästina ungemein erschweren. Ähnliche Gedanken entwickelte der jüdische Schriftsteller Leopold Schwarz in einem ausführlichen Aufsatz „Neuessäertum und Zionismus“ im zionistischen Jahrbuch „Stimme der Wahrheit“ 1905, ohne jedoch praktische Vorschläge für die Verwirklichung seiner Ideen zu machen. Dieses holte ein überzeugter Anhänger des Vegetarismus, Herr Nathan Chavkin nach, indem er in drei Aufsätzen „Zionismus und Vegetarismus“ in der „Veget. Warte“ 1918 auf die Bedeutung des Obstbaues und der reinen Pflanzenkost für die palästinensische Siedelung hinwies und den Vorschlag zur Gründung einer Jüdisch-vegetarischen Kolonie in Palästina machte. Zugleich gab er in einer Broschüre eine Sammlung seiner in Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze über Tierschutz und Vegetarismus heraus. Diesmal ist „Die Stimme der Wahrheit“ glücklicherweise nicht in der Wüste verklungen. Es folgten Zuschriften an den Verfasser und es entwickelte sich ein lebhafter Briefwechsel, dessen Ergebnis die Gründung des „Daniel-Bundes“ war. Dem Bunde, dessen Kassenverwalter Dr. Sigbert Feuchtwanger in München ist, ist bester Erfolg zu wünschen. (Siehe u. a. „Vegetarische Gemeinschaften in Palästina“, Jüd. Echo Nr. 38, 1918.) Prospekte und Flugblätter des „Daniel-Bundes“ versendet gratis und franko der Schriftführer des Bundes, Nathan Chavkin, München, Bergmannstraße 7 und Leopold Schwarz, Brünn, Mähren, Augustinergasse 17.