Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 1× ep/1000834
- Ostroh 1× ep/1047766
- Ukraine 1× ep/1001131
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166 Das Jüdische Echo Nr. 13 gezogen, in dem sich die anderen Opfer befanden, und erhielt dort dreißig Schläge auf den nackten Körper. Im späteren Verlauf des Tages vergewaltigten sechs Soldaten, einer nach dem anderen das Mädchen in Gegenwart der Juden. Am 3. Dezember befahl der Offizier weitere zehn Schläge für jeden Juden, der nach jedem Streich „danke schön, Herr“ sagen mußte. Hierauf erlaubte er vier seiner Gefangenen, nach der Stadt zu gehen und eine Kontribution von zehntausend Mark zu erheben, auf die sie alle freigelassen werden sollten. Das Geld wurde gebracht, aber bevor der Offizier seine Opfer freiließ, ließ er ihnen die Hälfte ihrer Bärte abschneiden und zehn weitere Schläge verabreichen. Sie wurden am 4. Dezember entlassen und das Mädchen am 6. Dezember. Für die Wahrheit dieser barbarischen Episode verbürgen sich die Opfer, deren Namen sämtlich bekannt sind. Ein Memorandum, in dem das Verbrechen detailliert dargestellt wird, ist der polnischen Regierung übergeben worden. Der Kommentar der „Times“. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ berichtet: Der Wortlaut des in Nr. 96 der Kopenhagener Bulletins angeführten Artikels der „Times“ vom 8. Februar über die Ausschreitungen der Polen ist folgendermaßen: „Wir veröffentlichen heute einen schrecklichen Bericht über die antisemitischen Pogrome in Polen, von einem Korrespondenten, die die allerbeste Gelegenheit hatte, die Wahrheit zu erfahren und der, um nicht zu sagen, über den Verdacht der Parteilichkeit erhaben, doch jedenfalls durchaus geneigt ist, seine Sache nicht durch Übertreibungen zu schädigen. Es ist schwer, die ganze Wahrheit festzustellen, umsomehr, als die polnische Regierung es nicht für zweckmäßig gehalten hat, auf die Anklagen zu antworten, die gegen ihre Vertreter erhoben wurden. Aber obwohl der Bericht unseres Korrespondenten über die Geschehnisse der eingehendste und detaillierteste ist, bestätigt er nur die Berichte, die aus anderen Quellen zu uns gedrungen sind. Wir glauben, daß der Bericht unseres Korrespondenten leider nur zu wahr ist. Den Polen für diese Ausschreitungen Vorwürfe zu machen, könnte wohl Erleichterung bringen, wäre aber nicht nützlich. Eingedenk sein muß man der Tatsache, daß diese Exzesse einen Vorwurf gegen uns selbst darstellen und besonders gegen den werdenden Völkerbund, der verantwortlich für das Verhalten seiner Schutzbefohlenen gemacht werden muß. Bis eine zuverlässigere Regierungsmacht in Betrieb gesetzt wird, ist es die Pflicht dbr jetzt in Paris versammelten Mächte, die Polen in Disziplin zu halten und sie daran zu hindern, daß das neue Banner der Freiheit, das wir ihnen rein überliefert haben, beschmutzt werde.“ Appell Grusenbergs an die englischen Regierung wegen der ukrainischen Pogrome. Wie das „Stockholmer Preßbüro“ meldet, hat der bekannte jüdische Führer Grusenberg durch Vermittlung des britischen Attachees in Odessa «inen Appell an die britische Regierung gerichtet, daß sie für die sofortige Einstellung der Judenpogrome in der Ukraine Sorge tragen möge. Grusenberg berichtete, daß die Pogrome in der Ukraine einen ungeheueren Charakter angenommen hätten, daß in Berditschew, Owruz, Ostrog* Elisabethgrad, Balta, Prokurow und Dutzenden anderer Städte viele Juden ermordet, Frauen vergewaltigt und Kinder verschleppt worden seien,, Die Pogromwelile habe sich auch über die Kolonien ergossen und viele jüdische Bauern seien ermordet worden. Sofortige Hilfe sei notwendig. General Allenby über die jüdische Arbeit in Palästina. Anläßlich eines Banketts, das die Jaffaer jüdische Bevölkerung zu Ehren des Generals Allenby veranstaltet hat, hielt General Allenby nach einer feierlichen Begrüßungsansprache des Bürgermeisters, Herrn Diszengoff, eine Ansprache, in der er, wie das „Jüdische Preßbüro“ in Stockholm berichtet, folgendes äusführte: „Ich bin voller Bewunderung für die Leistungen und Arbeiten der Juden in Palästina. Ich habe fast alle Kolonien inspiziert und habe die Städte Palästinas gut kennen gelernt; überall konnte ich die fleißige jüdische Arbeit bewundern. Ich sagte mir dabei: wenn die Juden dies alles unter dem erdrückenden Regime der Türken vollbringen konnten, eine wie hohe Stufe von Fortschritt und Kultur werden sie erst erreichen, wenn sie sich in ihrer nationalen Heimstätte frei entwickeln und betätigen können! In diesem Sinne begrüße ich die jüdische Zukunft in diesem Lande.“* Diese Äußerung hat um so größere Bedeutung* als General Allenby nach englischen Nachrichten zum Gouverneur von Palästina ausersehen ist. Neue Erklärung Wilsons für den Zionismus. Wie das Jüdische Preßbüro Stockholm meldet* empfing Wilson dieser Tage eine Delegation des amerikanisch-jüdischen Kongresses. Bei dieser Gelegenheit sagte er folgendes: Ich habe bereits früher meine persönliche Billigung der britischen Erklärung bezüglich der Bestrebungen und der historischen Ansprüche der Juden auf Palästina ausgedrückt Ich bin mehr als je überzeugt, daß die alliierten Nationen mit vollster Unterstützung unserer Regierung und unseres Volkes darin übereinstimmen, daß in Palästina die Grundlagen eines jüdischen Gemeinwesens gelegt werden. Aus der jüdischen Welt Polen. Gemeindewahlen in Polen. Der Pressedienst der Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien meldet: Die vor kurzem stattgefundenen Gemeinderatswahlen in Polen haben für die Zionisten ein günstiges Resultat gezeitigt. In Warschau erhielten die zionistischen Kandidaten 7600 Stimmen, die der jüdischen Volkspartei nur 6000 Stimmen. Auf die in Warschau den Juden zugefallenen 27 Mandate kommen 5 Zionisten (darunter Grünbaum, Kerner, Schwalbe)* 5 Mitglieder der jüdischen Volkspartei (Prylucki wurde nicht wiedergewählt), 5 Bundisten, 2 Poale-Zionisten, 8 von der vereinigten Liste der Orthodoxen und Kaufleute und nur 1 Assimilant (Eiger). — In Lodz erzielten die Zionisten ein noch viel günstigeres Wahlresultat.