Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 Das Jüdische Echo 165 teure dazu gehörten. Die Plünderer brachten gewöhnlich Wagen mit sich, um ihre Beute fortzutragen und waren begleitet von ihren Frauen und Kindern, die ihnen dabei halfen. Dies macht die polnische Behauptung, daß die Pogrome lediglich von Deserteuren oder Kriegsgefangenen ausgeführt wurden, hinfällig. Die polnischen Legionäre verhielten sich entweder passiv oder nahmen aktiv teil an den Plünderungen und Angriffen. Aber niemals verteidigten sie die Juden gegen ihre Angreifer. Die Truppen, die nach Südosten gegen die Ukrainer marschierten, waren besonders tätig bei den Angriffen gegen Juden, die sie mit der Verleumdung rechtfertigten, daß von Juden auf sie geschossen worden sei. In verschiedenen Städten wurden große Kontributionen von den Juden erhoben, entweder als Strafe für angebliche Illoyalität oder unter dem Vorwand, daß dies zur Stellung militärischen Schutzes notwendig sei, der dann nach Empfang des Geldes gewöhnlich verweigert wurde. Der schlimmste Pogrom war derjenige in Lemberg, der durch seine Stärke und Wildheit und auch durch seine politische Bedeutung besondere Beachtung erfordert. Von den anderen Pogromen waren die wichtigsten die in Przsemysl, Kielce, Brzesko und Brzanow. Die Ausschreitungen in Przsemysl begannen am 11. November, unmittelbar nach der Einnahme der Stadt durch die Polen. Als Entschuldigung wurde angeführt, daß die Juden mit einem Maschinengewehr auf die Polen geschossen hätten — eine Anschuldigung, für die nicht der geringste Beweis erbracht werden konnte. Die polnischen Behörden entwaffneten die jüdische Miliz und lösten sie auf, und uniformierte Legionäre nahmen tätigen Anteil! an den Angriffen auf Läden und Häuser, der Schändung von Synagogen und den Angriffen, Verhaftungen und Beraubungen von Juden. Der Höhepunkt wurde durch die Forderung einer Kontributon von drei Millionen Kronen von den Juden seitens des Kommandanten Colonel Tokarzewski erreicht, der drohte, daß, wenn das Geld nicht innerhalb von drei Tagen gezahlt würde, seine Soldaten es mit Gewalt holen würden. Der Kommandant hatte den Bogen zu straff gespannt. Seine unerhörte Forderung führte zu seiner Abberufung. In Kielce hielten die Juden am 11. September eine öffentliche Versammlung ab, um ihre Befriedigung über die Schaffung eines unabhängigen Polen auszudrücken und nationale Rechte für die Juden zu verlangen. Hierauf verbreitete sich das Gerücht, daß antipolnische Reden gehalten worden wären, was dazu führte, daß der Vizekommandant der Stadtmiliz ein Judenpogrom organisierte, bei dem viele Juden getötet, über 250 verwundet und viele Geschäfte geplündert wurden. In Brzesko wurde die jüdische Selbstwehr von der polnischen Miliz entwaffnet, die Häuser wurden geplündert und angezündet, viele Juden schwer verwundet und einige getötet. Dieselbe Methode wurde in Janow angewandt, nur daß dort keine Häuser verbrannt wurden. Ich war am 6. Januar in Janow und sah noch mit Kreide an verschiedene Hauswände geschrieben „hier wohnt ein Pole“, „hier wohnt ein Katholik“, die dazu dienen söllten, die Bewohner vor Angriffen zu schützen. Eine diabolische Spezialität in den begangenen Brutalitäten wurde an einigen Orten angewandt. In Clyrow wurden über hundert jüdische Mädchen und Frauen bis zum Alter von 70 Jahren von Soldaten aus ihren Häusen gejagt, die Schuhe und Strümpfe wutden ihnen abgenommen, und man zwang sie, in der Kältte unter militärischem Geleit nach einer benachbarten Stadt zu laufen. Auf dem Wege nahm der kommandierende Offizier ab und zu die Flinte irgend eines Soldaten, warf sie in den Fluß und zwang ein Mädchen oder eine Frau, sie herauszuholen, wobei sie bis zum Halse in dem eiskalten Wasser stehen mußte. In Rzeszow wurden alle Juden, die um Reisepässe nachsuchten, ausgezogen, beraubt und auf Bänke gebunden, wonach man sie durchprügelte. Nach der Einnahme von Sandowa Wischnia durch die Polen, plünderten die Legionäre unter dem Vorwand, daß sie die Juden mit kochendem Wasser begossen hätten, schnitten allen Juden die Bärte ab und legten einigen reichen Juden Seile um den Nacken und drohten sie zu erwürgen, wenn sie ihnen nicht ihre Töchter auslieferten. Die Juden der kleinen Stadt Ustrzyki dolne wurden gezwungen, den polnischen Legionären über 150 000 Kronen auszuhändigen, unter der Drohung, daß ihre Häuser in die Luft gesprengt werden würden. In Wischnia wurden alle männlichen Juden zwischen 12 und 72 Jahren auf den Hauptplatz getrieben, und nachdem der Kommandeur gedroht hatte, jeden zehnten zu erschießen und zwar den Rabbiner zuerst, beschloß er, sie alle einer körperlichen Züchtigung zu unterziehen, sodaß in den nächsten drei Stunden 132 Juden an einem öffentlichen Platze geprügelt wurden, wobei jeder 25—35 Streiche erhielt. Alle Juden, die durch Lapy,' einer Station an der polnisch-litauischen Grenze kamen, erhielten Schläge auf den nackten Körper und wurden beraubt und eingesperrt. Die, welche nach Polen kamen, wurden beschuldigt, Bolschewiki zu sein, und die von dort herkamen, wurden beschuldigt, Spione zu sein. Fast kein Jude, Mann oder Frau, der durch diese Grenzstation kam, konnte den Verfolgungen durch die Soldaten entfliehen, die aus einem ungesunden und schmutzigen Schlachthause ein Gefängnis gemacht hatten, in dem zu einer Zeit vierhundert Personen eingesperrt waren und in dem noch jetzt viele gemartert werden. Ähnliche Gewalttaten wurden von den Soldaten bei Komarowka bei Biala begangen, wo die Judenverfolgungen Mitte November begannen. Zwei Juden, die aus Komarowka nach dem benachbarten Dorfe Przegaliny gingen, um Kartoffeln zu kaufen, wurden dort angehalten, erhielten 25 Streiche mit einer Rute und hatten einen Rubel für jeden Streich zu bezahlen. Auch eine Kette, die unter ihnen zerbrach, mußten sie bezahlen. Zwei andere Juden und ein jüdisches Mädchen wurden arretiert und nach Przegaliny gebracht, wo sie neun Tage in einem Gefängnis gehalten und dreimal täglich mit einem Stock geschlagen wurden, wobei jedermann 30 Schläge und das Mädchen 15 Schläge erhielt. Am 30. November plünderten die Soldaten alle jüdischen Läden, während die Bewohner in der Synagoge waren. Dann verhafteten sie auf Befehl ihres Kommandeurs 32 Juden und brachten sie nach Przegaliny, wo sie täglich Schläge auf den bloßen Körper erhielten. Am ersten Tage erhielten sie 100 Schläge durch vier Soldaten, von denen je zwei mit Ruten auf jeder Seite standen, während ein fünfter Soldat auf dem Kopf des Opfers und ein sechster auf seinen Füßen saß. Am nächsten Tage, dem 1. Dezember, erhielt jeder Jude zehn weitere Schläge. Am darauffolgenden Tagg kam ein jüdisches Mädchen aus Komarowka nach Przegaliny um Kartoffeln zu kaufen. Sie wurde von den Soldaten ergriffen, in denselben Raum