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Das jüdische Echo · 1919-03-14 · 11 (14.3.1919) · p. Seite 140

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 Das Jüdische Echo Nr. 11 das historische und moralische Anrecht des jüdischen Volkes auf Palästina nach. Während Soko- Iow redete, war es, als ob das zweitausendjährige Leid des jüdischen Volkes aus ihm spräche. Dann sprach ich englisch, schildert die ökonomische Lage der Juden, die vom Kriege mehr betroffen worden seien, als andere Völker und sagte, die Regierungen müßten das jüdische Volk in seinem Bestreben unterstützen, Palästina zu seiner nationalen Heimstätte zu machen. Darauf sprach Ussischkin hebräisch. Seine Ansprache hinterließ einen tiefen Eindruck. Andre Spire unterstützte dann unsere Forderungen namens der französischen Zionisten und appellierte an die französischen Delegierten, die so viel Verständnis für die hohen Ideale der jüdischen Forderungen hätten. Sodann sprach namens der nichtzionistischen französischen Juden Silvain Levi. Im ersten Teil seiner Rede beschrieb er die Wichtigkeit der jüdischen Kolonisation in Palästina und den Anteil der Chowewe Zion, Rothschilds und der „Alliance“. Dann erklärte er, daß der Zionismus einen großen Wert für die Wiederbelebung der jüdischen Massen habe, versuchte ihn aber zu bekämpfen, da Palästina zu klein sei, und die Araber unter der Kolonisation leiden würden. Er behauptete ferner, daß die russischen Juden einen explosiven Charakter hätten, und daß die Zionisten offensichtlich zweifache Bürgerrechte forderten, in Palästina und in ihrem Heimatland. Wir beschlossen, auf Levis Rede, die wir als einen Chiliul Haschern empfanden, nicht zu antworten. Da erhob sich Lansing und gab durch seine Frage, was man unter einem nationalen Heim zu verstehen habe. Gelegenheit zu einer ausführlichen Antwort meinerseits. Ich erklärte, wir forderten Bedingungen, die es zunächst jährlich etwa 60 000 Juden ermöglichten, in Palästina einzuwandern, sowie eine Weiterentwicklung der Kolonisation, Sprache, Schule und Verwaltung, die dazu führen, daß Palästina jüdisch werde. Wir fordern: Palästina den Juden, wie England den Engländern, Amerika den Amerikanern. Lansing drückte seine Zufriedenheit mit der Antwort aus. Ich wies dann die Einwände Levis zurück, indem ich sagte, die Kolonisation sei schwierig, aber durchaus möglich, wobei ich auf die erfolgreiche französische Kolonisation in Tunis hindeutete. Es sei unwahr, daß wir die Forderung doppelter Bürgerrechte erheben. diese Behauptung sei nur ein Angstprodukt gewisser jüdischer Kreise, werde aber nicht von den 95 Prozent des jüdischen Volkes geteilt, die die zionistischen Forderungen vertreten. Die Angst vor den russischen Juden sei unbegründet, gerade die russischen Juden hätten die Kolonien gegründet, die Levi so gelobt habe. Die Stimmung auf der Konferenz war durchaus für uns. Sonnino drückte uns die Hand, Balfour beauftragte seinen Sekretär uns zu beglückwünschen und uns zu sagen, daß meine Rede wie Schwertgeklirr über dem Hauot des Gegners geklungen habe. Als wir die Konferenz verließen, wollte mir Levi die Hand reichen, aber ich, ebenso wie Sokolow wandten uns instinktiv ab. Weizmann schloß seinen Bericht vor der Londoner Zionisten-Konferenz mit dem Segensspruch „Schehechejonu“ unter stürmischem Beifall der Versammlung.“ Der Inhalt der Forderungen. Die von der zionistischen Delegation gestellten Forderungen werden in dem nachstehenden Telegramm angeführt: Das von den Zionisten der Friedenskonferenz überreichte Memorandum umfaßt 14 Seiten, hat eine blauweiße Titelseite und ist vom 3. Februar 1919 datiert. Es ist unterzeichnet von Lord Rothschild, Sokolow und Weizmann namens der zionistischen Organisation, von Rosow namens der zionistischen Organisation Rußlands, von Mack, Wise, Friedenwald, Miß Szold, Robinson,, de Haas für die zionistische Organisation Amerikas, ferner noch einmal von Sokolow und Weizmann namens der Juden Palästinas. Das Dokument beginnt mit einer historischen Einleitung, enthält dann die Regierungserklärungen über die Errichtung der jüdischen Heimstätte, die Resolutionen der zionistischen Kongresse und des amerikanisch-jüdischen Kongresses. Es folgen dann die Forderungen. § 1 lautet: Die hohen vertragschießenden Parteien anerkennen das historische Recht des jüdischen Volkes auf Palästina und das Recht der Juden, Palästina als nationales Heim wieder aufzubauen. § 2 behandelt die Grenzen Palästinas, § 3 verlangt, daß die Souveränität über Palästina dem Völkerbund übertragen werde und Großbritannien vom Völkerbund als Mandatar bestellt werden soll. § 5 verlangt, in Palästina müssen derartige politische, administrative und ökonomische Bedingungen getroffen werden, die die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk durch die Schaffung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens (commonwealth) ermöglichen, wobei klar verstanden wird, daß nichts: getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der vorhandenen nichtjüdischen Bevölkerung oder die Rechte und1 die politische Stellung der Juden anderer Länder beeinträchtigen könnte. Der Mandatar soll die jüdische Immigration und die Bildung einer geschlossenen jüdischen Siedlung fördern. Ein jüdischer Rat soll den Mandatar bei der Entwicklung des Planes der jüdischen Heimstätte unterstützen. Konzessionen sollen gewährt werden für öffentliche Arbeiten unter Erschließung der Hilfsquellen des Landes. Der Mandatar soll die Bildung einer jüdischen Selbstregierung durch weitestgehende Maßnahmen in die Wege leiten. Die Depesche der zionistischen Delegation an die Londoner Konferenz. Das Ergebnis der Verhandlungen auf der Friedenskonferenz war der Londoner Zionistenkonferenz bereits vorher durch eine Depesche mitgeteilt worden, die von Weizmann, Sokolow und Ussischkin unterschrieben war und folgenden Wortlaut hatte: „Unter allgemeiner Zustimmung unterbreiteten wir unsere Forderungen der Friedenskonferenz. Der siebenundzwanzigste Februar 1919 wird als der größte Tag in der Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstreuung betrachtet werden. Neuer Mut, frische Begeisterung und Hoffnung muß jedes jüdische Herz erfüllen. Wir haben gestern den Triumph unserer zionistischen Ideale erblickt, aber es bleibt noch viel zu tun übrig. In dieser feierlichen Stunde sind wir im Geiste mit Euch und sind sicher, daß Eure Verhandlungen ergebnisreich sein werden.“' London, 3. März. Heute wurde wieder eine Plenarsitzung der Zionistischen Konferenz in London abgehalten. Dr. Jacobson und Leo Herrmanri berichteten über Fragen der Organisation. Es wurde beschlösset!r

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