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Das jüdische Echo · 1919-03-14 · 11 (14.3.1919) · p. Seite 141

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 141 1. Der Ausbau der Zionistischen Organisation ist ein wichtiger Bestandteil der zionistischen Arbeit. 2. Eine Konferenz sämtlicher Mitglieder des Großen Aktions-Komitees soll schnellmöglichst stattfinden. 3. Die Konferenz bestätigt die Kooptierung Dr. Weizmanns in das Engere Aktions-Comitee (Anmerkung der Redaktion: Diese Kooptation ist mit Zustimmung sämtlicher Mitglieder des EAC erfolgt. Die Zustimmung der nicht in London befindlichen Mitglieder des Großen Aktions-Komitees wurde eingeholt). 4. Das Zentralbüro der Zionistischen Organisation erhält seinen Sitz in London. Ihm wird ein Zweigbüro in Kopenhagen subordiniert. Ausdrücklich wurde die Notwendigkeit betont, die Einheit der Organisation aufrecht zu erhalten. London, den 4. März. In der Dienstag-Sitzung berichtete Leo Motzkin namens der Kommission für die nationalen Rechte. Es wurden Resolutionen angenommen, die für die Juden die nationalen Rechte in allen neu gebildeten oder neu organisierten Staaten fordern, sowie eine Entschädigung für die durch den Krieg oder die Pogrome erlittenen Verluste. Die Pogromentschädivungen sollen von den betreffenden Staaten getragen werden. Über den Verlauf der historischen Mittwoch- Sitzung, in welcher Weizmann über die Pariser Verhandlungen berichtete und das Schreiben des Emir Faisul verlas, haben wir bereits obenstehend berichtet. Auf der Mittwoch-Sitzung der Londoner Konferenz gab ferner Herr Leo Motzkin seinem Bedauern Ausdruck, daß nicht alle zionistischen Föderationen vertreten seien. Die Konferenz stimmte diesen Worten unter Applaus zu. Vorsitzender Dr. Schmarja Levin entbot namens der Leitung und namens der Konferenz den fehlenden Föderationen die wärmsten Grüße und dankte ihnen für die außerordentliche Arbeit, die sie, vom nationalen Geiste getragen, für den Zionismus geleistet hätten. Die Landarbeiterfrage Palästinas. Von Leo Rosenberg. (Schluß.) Wenn ich nun dieser speziellen, in den besonderen Verhältnissen begründeten Ursache noch eine andere allgemeiner Natur hinzufügen will, so fühle ich mich fast in der Situation jenes bekannten Festungskommandanten, der auf die Frage seines Königs, warum er die ihm anvertraute Festung kampflos dem Feinde übergab, meinte: Erstens war kein Pulver da, zweitens.... nun folgten diesem höchst zureichendem Grunde eine ganze Reihe anderer Erklärungen. In der Tat, aus .der Tatsache einer unbesiegbaren Konkurrenz seitens der eingeborenen arabischen Bevölkerung ergibt sich von selbst die absolute Unmöglichkeit für das europäische, allzueuropäische jüdische Arbeiterelement, unter solchen Umständen sich auf die Dauer zu behauptten. Wenn ich trotzdem noch eine andere, mehr allgemeine Tendenz in den Kreis dieser Betrachtungen ziehen will, so geschieht es nicht nur deshalb, weil diese Tendenz nun einmal vorhanden ist, und darum Erwähnung findet, sondern weil durch die Erörterung gerade dieses allgemeingültigen Faktors eine wichtige Begleiterscheinung der palästinensischen Landarbeiter-Kalamität ins richtige Licht gerückt und auf ihre wirkliche Triebfeder zurückgeführt werden soll. Es ist dies die allgemeine Erscheinung der Landflucht der landwirtschaftlichen Lohnarbeiter. Wir leben in einer Zeit, in der der landwirtschaftliche Lohnarbeiterstand in den alten europäischen Kulturländern, wo er seit Jahrhunderten eng mit der Scholle verwachsen ist, unfehlbar seiner Auflösung entgegengeht. Und dieser, in Form einer massenhaften Landflucht in die Erscheinung tretende Auflösungsprozeß ist nicht etwa auf sekundäre, außerhalb der landwirtschaftlichen LebensverhäEtnisse liegenden Faktoren, wie etwa die Anziehungskraft der Großstädte und die höheren Industrielöhne, zurückzuführen, sondern ist, wie vornehmlich Vander v elde bewiesen hat,* * * * 5 *) in der Natur ö) Emile Vandervelde, L’Exode rural et le retour aux champs. Paris, Felix Alcan. der ländlichen Sozial- und Wirtschaftsverhältnisse begründet. Es ist nachgewiesen, daß Lohnverhältnisse hier nicht entscheidend sind.8) Es ist vielmehr das in allen Ländern höherer Kultur hervortretende Bestreben der besitzlosen Lohnarbeiter, sich von der Lohnsklaverei, in der Landwirtschaft doppelt so drückend und entwürdigend wie in der Industrie, endgültig zu emanzipieren. Der Landarbeiterstand, infolge wirtschaftlicher und kultureller Inferiorität auf der gesellschaftlichen Stufenleiter am niedrigsten stehend, kann sich aut einer höheren Stufe allgemeiner Kulturentwicklung nicht mehr behaupten. Die Folge dieses durch den allgemeinen Kulturfortschritt hervorgerufenen Aufstieges des niedrigsten Standes ist in Deutschland, vorzüglich in Ostelbien, bekanntlich die, daß die einheimischen Lohnarbeiter mehr und mehr durch ausländische, aus Gebieten niedrigerer Kultur stammende ersetzt werden. Diese allgemeine Erscheinung der Landflücht ist nun auch in Palästina — im jüdischen, kulturell hochstehenden Palästina — seit Jahr und Tag zu beobachten, worauf auch hauptsächlich die erwähnte stete Abnahme der bereits in den Kolonien lebenden jüdischen Lohnarbeiter zurückzuführen ist. Daß aber auch hier diese Erscheinung nicht lediglich auf ungünstige Lohnverhältnisse usw. zurückzuführen ist, wird von Kennern der Verhältnisse bezeugt und wurde u. a. auch in einer im Jahre 1910 gefaßten Resolution der palästinensischen Arbeiterorganisation der „Haopel-Hazair“ hervorgehoben.7) Ebenso klar und einleuchtend ist es, daß die elementaren, im Wesen der Lohnarbeit überhaupt begründeten Ursachen der Landflucht in unserer palästinensisch-jüdischen Kolonisation in viel stärkerem Maße wirken, als in den europäischen Ländern. Handelt es sich doch hier nicht um ein autochthones, mit der Scholle verwachsenes Lande) Vgl. Bonn, Der Rückgang der englischen Landbevölkerung (in: „Nation“, 1901, S. 101). Weitere Belege finden sich in meiner hebräisch geschriebenen Abhandlung über die ländliche Masse (nEO |1DH) im „Haschiloah“, Bd. XXVII, 55, 412, 513, 7) "YVJn vom 11. Nov. 1910. Der Wortlaut ist in meiner erwähnten Arbeit wiedergegeben.

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