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Das jüdische Echo · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · p. Seite 145

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
Seite 145 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 131 Hilfe privaten Kapitals Lehrstellen für Arbeiter geschaffen werden, die hier eine allseitige Ausbildung finden können und damit nach einigen Jahren den Anspruch erwerben können, von den nationalen Kolonialinstituten angesiedelt zu werden. Das Komitee „Schear Jaschuw“ hat für seine eigene Kolonie bereits solche Arbeiterheimstätten vorgesehen. Seitdem der Aufruf des Komitees ergangen ist, haben sich eine ganze Anzahl von Fragestellern an das Komitee gewandt, und heute kann die Gründung der Kolonie bereits als gesichert gelten. Die vorbereitenden Arbeiten sind abgeschlossen. Diejenigen, welche den Wunsch hegen, sich an der Gründung zu beteiligen, werden ersucht, sich an Vorsitzenden des Komitees, Herrn Dr. Wilhelm Brünn, zur Zeit Berlin, per Adresse Herrn Moses Marx, Helmstädterstraße 11, zu wenden. Ein hebräisches Gymnasium in Mariampol. In Mariampol (Kreis Suwalki) wurde auf Initiative der dortigen jüdischen Gemeinde, der zionistischen Lokalorganisation und der „Zeire-Zion“ ein hebräisches Gymnasium mit vorläufig fünf Klassen eröffnet. Sämtliche Unterrichtsgegenstände, auch die allgemeinen Lehrfaches, werden in hebräischer Sprache gelehrt. Es sind folgende Sprachen vorgesehen: Lateinisch, Russisch, Französisch, Deutsch, Litauisch. Das Gymnasium, das unter Leitung von Dr. Max Mayer steht, zählt zurzeit 300 Schüler. In den unteren Stufen sind Parallelklassen eingerichtet. Es findet Koedukation statt. Palästina-Delegiertentag. Der Palästina-Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet vom 20. bis 24. März 1919 in Berlin, im Kaisersaal des „Rheingold“, Bellevuestr., statt. Aus der Jüdischen Welt Bahnverbindungen in Palästina. Die „Weltwirtschaftszeitung“ berichtet, daß das System der während des Krieges gebauten Bahnlinien zwischen Ägypten und der Bahn Jerusalem-Jaffa jetzt durch die Vollendung der Drehbrücke über den Suezkanal bei Kantara einen Abschluß erhalten haben. Hiermit ist endgültig die Bahnverbindung zwischen Afrika und Asien hergestellt. Zwar ist die Spurweite noch etwas größer als in Syrien, doch wird dies voraussichtlich auf den Hauptstrecken bald geändert werden. literarisches Echo Nach dem Pogrom. Von Chaim Nachmann B i - a 1 i k. Aus dem Hebräischen von Abraham Schwadron. Bialik, der größte neuhebräische Dichter, hat in dieser Dichtung der ganzen Tragik der Pogrome in einer Weise Ausdruck verliehen, die einzig zu nennen, wahrlich keine Phrase ist. Nirgends ein Jammern, nirgends eine Spur von Sentimentalität oder von Mitleidsuchen. Nur ein heroisches Sichauflehnen, ein großer Schrei, der zwischen Zähnen erstickt wird, eine mächtige Träne in der Einsamkeit: „als gärte dort zitternd ein trüber Schmerz, ein Schmerz von Ewigkeiten“. Und mehr als gegen die Mörder selbst erhebt Bialik in dieser Pogromdichtung die wuchtige Anklage gegen die Passivität der Opfer und die Selbstverständlichkeit ihrer Leiden, gegen die Welt und die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit auf Erden und im Himmel — gegen Gottes Thron. In der Übersetzung bemüht sich Schwadron, wie es in der Einleitung heißt, nicht so sehr um die poetische Attitüde, als vielmehr darum, dem „Original nach Sinn und Wort bis an die Grenze der Möglichkeit gerecht zu sein“. Und dies ist der Ausklang: — „Fleuch in die Wüste! ... — Zerreiß deine Seele in Stücke zehn, — wirf hin dein Herz ohnmächtigem Grimme — zum Fraß. — Und dort auf dem Scheitel der Felsen die — große Träne vergießend, — laß los den bitteren Aufschrei — daß er — im Sturm vergehe! ...“ Mitteilungsblätter des Jüdischen Volksrates Posen. Der Jüdische Volksrat in Posen hat das 1. Heft seiner Mitteilungsblätter herausgegeben, die in zwangloser FoDe erscheinen sollen. Das 1. Heft enthält einen programmatischen Aufsatz von Dr. Max Kollenscher, einen Tätigkeitsbericht, ferner einen Aufsatz von Dr. Karl Kassel über die „Jüdischen Volksräte“ und informative Aufsätze von Dr. Paul Chone und R.-A. Mannerheim. Dem Blatt sind ferner eine Reihe wichtiger Urkunden des Volksrates beigegeben. Feuilleton Unser Land. Von S. J. A n o c h i. (Fortsetzung.) Das Dorf ist nun voller Leben. Die vom Felde Heimgekehrten spannen vor ihren Häusern ihre Ochsen und Pferde aus. Andere kommen erst eben von der Tenne. Man ruft sich über die Straße kurze Bemerkungen zu: vom heurigen Ertrag, von der Ernte und von der fürchterlichen Hitze. In der Schule wird geläutet. Die Schüler dürfen heim zum Mittagessen. Auf der Straße erscheinen die Kinder des Dorfes, sommerlich leicht gekleidet, mit sonnengebräunten Gesichtern und schelmischen, gutmütigen Kinderaugen. Der junge Lehrer steht vor der Schule, begleitet mit zufriedenen Blicken seine Schüler und schaut zu, wie die Pferde und Ochsen ausgespannt werden. Eine große Freude zieht ihm ins Herz: „Und es war um die Zeit, daß die Ernte anging . . .“ Und er beschließt, morgen mit seinen Kindern ins Feld hinauszuziehen: „Und es war um die Zeit, daß die Ernte anging . . .“ Die Leute haben ihre Zugtiere ausgespannt und sind in die Häuser gegangen. Alle suchen Schutz vor der glühenden Sonne. Sie essen zu Mittag und ruhen von der Arbeit aus. Still ist es nun auf der Straße. Mirjam zeigt sich ab und zu auf der Schwelle ihres Hauses und blickt auf die Straße hinaus. Sie sucht den neuen Burschen. „Wo ist er? Schon fort! Wo kann er sein?“ Sie hat sich die Schuhe angezogen und das Haar aufgesteckt, er aber ist schon fort. Die Augen traurig gesenkt, verschwindet sie im Hause. Und wie die Sonne etwas tiefer steht, und der Wind vom Meere stärker und frischer weht, fahren die Männer wieder ins Feld. Diesmal fährt auch Reb Nachum mit. Auf dem Felde hilft er den Weizen auf den Wagen laden. Wenn ein Wagen voll ist, setzen sich seine Söhne hinauf und fahren zur Tenne. Reb Nachum folgt dem Wagen zu Fuß. Die Sonne ist jetzt mild und

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