Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 143 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 129 sationsprogramme nicht vom Gang der jüdischen Geschichte überholt werden? Werden unsere Pläne sich gegen die nach Palästina bevorstehende Flut aufrechterhalten können? Über dasselbe Thema schreibt „Zionist Review“: Herr Sokolow, der seit einigen Wochen in Paris weilt und dort wahrscheinlich bis zur Londoner Konferenz bleiben wird, ist damit beschäftigt die Führer der französischen öffentlichen Meinung mit dem Zionismus und den zionistischen Absichten vertraut zu machen. Keiner ist wie er für diese Aufgabe besser geeignet. Weizmann war auch eine kurze Zeit in Paris und hat Präsident Wilson die zionistischen Wünsche vorgelegt. Präsident Wilson steht unserer Sache sympathisch gegenüber, doch wünscht er genaue Informierung. Wir bemerken einen pessimistischen Grundton in der jüdischen Presse über die zionistischen Aussichten. Diese Nervosität ist begreiflich, bis die Friedenskonferenz sich im zionistischen Sinne ausgesprochen haben wird. Es gibt aber keinen wirklichen Grund zum Pessimismus. Wir glauben, daß der wahre Grund für diesen Pessimismus in der Meinungsverschiedenheit liegt über dasjenige, was die Zionisten von den Mächten zu verlangen haben. Diese Aufgabe ist sehr schwierig und gibt viel Raum zu auseinanderweichenden Auffassungen, die jeder, der sich damit näher beschäftigt hat, begreifen wird. Wir können uns nicht durch Worte aufhalten lassen. Wir müssen das praktisch Durchführbare im Auge haben. Wir müssen uns klar machen, welche ausführbare und: gesetzgebende Staatsform für den Aufbau des jüdischen Palästina wünschenswert ist und müssen unsere Forderungen demgemäß stellen. Wir glauben, daß unsere Führer sich heute mit dieser Frage befassen.“ Die Militärverwaltung in Palästina. Der „Near East“, das bekannte englische Kolonialblatt, bringt in seiner Nummer vom 31. Januar folgende Angaben über die Verwaltung im besetzten Gebiet der Türkei: Ganz Palästina und Syrien stehen unter der Kontrolle der Verwaltung von General Sir Edmund Allenby, Oberbefehlshaber der ägyptischen Expeditionsarmee. Dieses Territorium wurde in drei Zonen verteilt, die eine, durch die Franzosen verwaltet, die andere durch die arabische Regierung und die dritte (südliche) wird durch britische Verwaltung kontrolliert. Diese Zone besteht aus den türkischen Sandschaks, Jerusalem, Nablus und Akka, und wird südlich durch die ägyptische Grenze von Rafa bis zum Toten Meere begrenzt, im Westen durch das Mittelländische Meer und nördlich durch eine gebogene Linie von der Küste zirka 12 Meilen nördlich Akkas bis zum Jordan, einige Meilen höher als der Huleh, östlich folgt die Grenze einer Linie dem Jordan entlang, dann östlich des Hulehsees, ferner dem, Jordan bis zum Tiberiassee, dessen östliche Küste sie bis zu einem Punkt ostsüdöstlich von Baizan folgt und im Toten Meer endet. Diese Zone beträgt ungefähr 8700 Quadratmeilen, wovon zirka 1000 gegenwärtig bestellt werden. Die Bevölkerung wird auf 639 000 geschätzt, wovon 61 000 Christen, 66 000 Juden und der Rest Moslims sind. Seit April 1918 wird diese Zone durch eine besondere Verwaltung administriert. Generalmajor Sir A. W. Money und dessen Stellvertreter General Storrs, der Militärgouverneur von Jerusalem stehen an der Spitze dieser Verwaltung, deren Arbeitskreis sich in fünf Abteilungen gliedert: eine finanzielle unter Leitung des Colonel Gabriel (Einkommen, Ackerbau, Waldungen, Tierpflege, öffentliche Bauten), Colonel Jackson, der die politische Administration leitet (Polizeiwesen, Gefängnisse, Erziehung, Personalabteilung); eine kommerzielle Abteilung unter Leitung des Colonel Crighton (Zufuhr, Fürsorge, öffentliche Arbeiten und Archäologie); eine juridische Abteilung, die sich mit Landesregistrierung befaßt und unter Leitung von Maior Clarke steht, und ein Gesundheitsamt unter Leitung des Colonel Garner. Ferner gibt es 12 Militärgouverneure, die je einen Distrikt verwalten. Das Budget 1918/19 zeigt ein Einkommen von 661 813 ägyptische Pfund; Ausgaben: 738 649 Pfund; dies ergibt ein Defizit von 76 836 Pfund. Die Aufstellung des Budgets wurde dadurch erschwert, daß die Türken alle Geräte und Erzeugnisse, Bücher und Akten verschleppt haben, während andererseits die Rückkehr der Flüchtlinge die Arbeit nicht erleichtert. Pogrome in Czernowitz. Das „Neue Wiener Journal“ meldet: Die Rumänen veranstalten wie in Siebenbürgen und im Banat auch in Czernowitz fortgesetzt Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung. Viele indische Familien flüchteten sich nach Bukarest, wo; man von ihnen den Bürgereid verlangte. Sie erklärten aber, Nationaljuden zu sein und bei der ersten Gelegenheit nach Palästina auswandern zu wollen. Als man ihnen mit Ausweisung drohte, wandten sie sich an das englische Konsulat, das erklärte, diese Juden stünden bis zu dem Zeitpunkt ihrer Emigration nach Palästina unter englischem Schutz. Gewalttaten gegen die Juden In Rumänien. Der „Verband der einheimischen Juden“ in Rumänien veröffentlicht folgenden Bericht über die letzten rumänischen Pogrome: „Die Pogrome begannen mit Plünderungen und Verwundungen sofort nach dem Rückzug der Truppen. In Braila wurden über 60 jüdische Häuser, die Arbeitern oder kleinen Händlern gehörten, von denen viele eben erst aus dem Kriege heimgekehrt waren, ausgeplündert. Hierbei wurden auch Witwen und Waisen von im Kriege Gefallenen und die Angehörigen von Verwundeten schwer geschädigt. Die Leute wurden tatsächlich bis zum Letzten ausgeplündert, auch ihr Handwerkzeug wurde ihnen genommen. Selbst die Synagoge und der jüdische Friedhof wurden nicht verschont. In Buzen gab es ähnliche Verwüstungen, wenn auch in geringerer Anzahl. In Bukarest hat man in der Calea Victoria und Lipscani, den Hauptgeschäftsstraßen, Verwüstungen in großem Maße angerichtet. Allerdings wurden dann die Banditen in der im jüdischen Viertel gelegenen Calea Vacaresti von den jüdischen Bewohnern in die Flucht geschlagen. Nur dank dieser Selbstverteidigung sind die Juden dem Schicksal eines Massakres, das von den ßandenführern gemeinsam mit der Polizei vorbereitet war, entgangen. Die Regierung war von dem bevorstehenden Pogrom benachrichtigt worden, unternahm aber keinerlei Schritte. Während der Ausschreh