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Das jüdische Echo · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · p. Seite 139

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
Seite 139 (sequence 5)
Language
German
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■Nr. 10 Das Jüdische Echo 125 Arbeiterklasse auf, gegen diesen Ausdruck des Antisemitismus und Chauvinismus anzukämpfen. Endlich fordert die Resolution die Regelung der Judenfrage in Rumänien auf der Grundlage: sofortige uneingeschränkte und ausnahmslose Naturalisierung aller Juden in Rumänien. Longuet (Frankreich) protestiert im Namen der jüdischen Bevölkerung in Rumänien, die an der Konferenz nicht vertreten ist, auf das energischste dagegen, daß dort eine Million Menschen aufs schlimmste geknebelt wird. In der Sitzung vom 8. Februar erklärte Mistral (Frankreich) aljs Kommissionsberichterstatter in seinem Schlußwort, daß die Kommission zu der Hauptresolution eine Anzahl von Nebenresolutionen zu den einzelnen Fragen, wie z. B. der jüdischen Frage entsprechend den vorgetragenen Wünschen redigiert habe, die nach Annahme der Gesamtresolution gesondert zur Abstimmung gelangen sollen. Kurski (Polen), Vertreter der jüdisch-polnischen Organisationen, kritisiert an der Charte die Regelung der Sonntagsruhe und beantragt, daß an Stelle der geforderten Sonntagsruhe allgemein in der Woche eine 36-stündige ununterbrochene Ruhepause verlangt werde mit Rücksicht auf die jüdische Arbeiterschaft. Die Fixierung des Tages soll den einzelnen Ländern überlassen werden. Ferner beantragt er, begliche einschränkende Bestimmung mit Bezug auf das Recht der Einwanderung fallen zu lassen, eine Forderung, die unterstützt wird von Chasanowitsch (Palästina), der im weiteren einen Zusatzantrag stellt, durch den die mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Depressionen eines Landes von einem Lande getroffenen Einschränkungen in der Einwanderung der Kontrolle durch den Völkerbund zu unterliegen haben. In der Sitzung vom 9. Februar erklärt Mistral (Frankreich) als Kommissionsberichterstatter, daß von der Konferenz nur ein Beschluß gefaßt werden soll über die allgemeinen Prizipien und daß die von den Vertretern verschiedener Nationalitäten eingebrachten besonderen Resolutionen nicht zur Abstimmung kommen sollen. Daß die Forderungen der Armenier, Litauer, Ukrainer usw. gerechtfertigt sind, darüber herrscht kein Zweifel, ebensowenig über die Forderungen der Juden. Um zu einem einstimmigen Beschluß zu gelangen, und mit Rücksicht darauf, daß eine Reihe der vorgebrachten Wünsche noch einer näheren Prüfung bedürfe, bittet die Kommission, diese Sonderresolutionen zurückzuziehen in der Meinung, daß alle diese Fragen noch besonders untersucht werden sollen von einer einzusetzenden Kommission. Präsident Branting stellt fest, daß alle Sonderresolutionen zu der Resolution der Kommission zurückgezogen sind. In der Abstimmung wird hierauf die territoriale Resolution, die die allgemeinen Grundsätze enthält, einstimmig angenommen. Der an der Konferenz in Bern ernannten Kommission, welche die Ausführungen der Beschlüsse zu überwachen und die Vorbereitungen für den nächsten Kongreß zu treffen hat, gehören provisorisch in Erwartung der offiziellen Ernennungen durch die Parteien der verschiedenen Länder u. a. an: Kossowski und Kurski (Polen) und Chasanowitsch und Locker (Palästina). Betreffs der Pogrome in Polen nahm die Kommission folgende Entschließung an: „Die Konferenz protestiert energisch gegen die Pogrome, die in letzter Zeit in Polen, Galizien, in der Ukraine, in Rumänien und anderen Ländern stattgefimden haben. Sie lenkt die Aufmerksamkeit der sozialistischen Parteien aller Länder auf die Notwendigkeit, als eine ihrer Hauptaufgaben die Stärkung der Propaganda gegen den Antisemitismus und gegen die daraus entstehenden Gewalttätigkeiten zu betrachten.“ Bericht Chasanowitsch über die Berner Sozialistenkonferenz. In der Berliner Ortsgruppe der „P o a 1 e-Z i - on“ referierte am 18. Februar Herr Leon .Chasanowitsch über „Die Berner Soziallistenkonferenz und die jüdische Frag e.“ Nachdem er in bewegenden Worten seines Freundes und Mitarbeiters Dr. Max Rosenfeld gedacht hatte, begann der Redner eingehend den gegenwärtigen Stand der Internationale und die Rolle, die die Berner Konferenz in der Herstellung der dritten Internationale zu erfüllen hatte, zu beleuchten. Er berichtete dann über die Behandlung der einzelnen Fragen auf der Konferenz und die Stellung der Konferenz zu den Friedensverhandlungen in Paris. Die territorialen Fragen, einschließlich der jüdischen mußten wegen Zeitmangels der Permanenzkommission überwiesen werden. Schwierig sei die Stellung der jüdischen Delegierten durch die Haltung der Bundisten gewesen, die auf der Konferenz merkwürdigerweise nicht als jüdische Partei, sondern als die Partei Polens auftraten und es für nötig erachteten, die polnischen Sozialdemokraten in Schutz zu nehmen und einen Protest der Konferenz gegen das Verhalten des polnischen Proletariats in der Judenfrage zu verhindern. Diese Tatsache sei um so ungeheuerlicher gewesen, wenn man sich die Haltung der polnischen Sozialisten vor Augen führe, wie z. B. der polnische Arbeiterrat am Tage der Eroberung Lembergs durch die Polen eine Proklamation erlassen habe, daß die Polen Lemberg erobert hätten und es sich nicht wieder durch die Juden streitig machen lassen würden. Einer der Führer der polnischen SoziaL demokratie, Daczynski, habe erklärt, daß die Pogrome ein Werk der „Feinde“ (deutscher und österreichischer Soldaten) seien. Am bezeichnendsten für die Haltung dieses sozialdemokratischen Führers sei aber eine Äußerung, die er in Krakau gemacht habe, in der er zum Ausdruck brachte, „daß die Juden im Gegensatz zu den Deutschen seit 500 Jahren den Fehler machten, daß sie nicht in der polnischen Nation aufgingen. Krakau sei eine ehemals deutsche Stadt gewesen, deren Deutschtum man jetzt aber verdaut habe. Nur die Juden wollten sich noch nicht assimilieren.“ Angesichts einer derartigen Haltung polnischer sozialdemokratischer Führer sei es ein starkes Stück von den Bundisten gewesen, die polnische Sozialdemokratie in Schutz zu nehmen. Bezüglich der Immigrationsgesetzgebung und der Sabbatruhe, wurden jedoch trotz der Gegenarbeit der Bundisten die Vorschläge der „Poale-Zion“- Delegation von der Konferenz angenommen. Es wurde durchgesetzt, daß die Immigration unter den Schutz des Völkerbundes gestellt Iwerden müsse. Über die allgemeine Stimmung, die die Konferenz hinsichtlich der jüdischen Forderungen batte, meinte Chasanowitsch, daß man sagen könne, sie fänden jetzt fast bei allen weitgehende Sympathien. Auf großes Verständnis seien die Vertreter der „Poale-Zion“ bei den französischen und englischen Delegierten gestoßen. Bekanntlich

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