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Das jüdische Echo · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · p. Seite 138

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
Seite 138 (sequence 4)
Language
German
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124 Das Jüdische Echo Nr. 10 diese Tatsachen erklären? Es sind meines Erachtens zwei Umstände oder Tendenzen hier im Spiel, von denen eine allgemeiner Natur ist, während die andere auf spezielle Zustände hinweist. Es sind einerseits in unserer kolonialen Landwirtschaft die elementar-wirtschaftlichen Voraussetzungen für das Aufkommmen und die gesicherte Fortentwicklung eines jüdischen Landa rb eiter s tandes tatsächlich nicht vorhanden. Der Bedarf an Arbeitskräften ist von vornherein durch die zahlreiche arabische Bevölkerung in einer Weise gedeckt, die für unsere nationalen Zwecke nicht gerade wünschenswert, vom rein wirtschaftlichunternehmerischen Standpunkte aber als ideal zu bezeichnen ist. Auf der niedrigsten Stufe menschlichen Bedürfnisses sich wohlfühlend, ist der arabische Landarbeiter jeder denkbaren Konkurrenz überlegen, mit Ausnahme vielleicht der seines chinesischen Kollegen. Daß der jüdischeuropäische Arbeiter, der Mann mit dem Plus an Kultur und dem Minus an Muskeln, jemals imstande sein würde, dem eingeborenen Araber auf rein ökonomischem Boden den Rang abzulaufen oder sich ihm auch nur ebenbürtig an die Seite zu stellen, — das ist ganz ausgeschlossen. Infolge dauernder Gewöhnung und wohl auch durchschnittlich stärkerer Körperkonstitution3) ist der arabische Arbeiter in der eigentlichen Landarbeit, ganz besonders aber in der überaus schweren Spatenarbeit, bei weitem leistungsfähiger als der ungeübte, schwerer Arbeit ungewohnte jüdische; ein Vorzug, der schon allein dem Araber die Beherrschung des Arbeitsmarktes sichert. Wozu sich aber ein zweiter, nicht minder entscheidender Faktor gesellt: daß der Araber infolge einer für den Europäer kaum faßbaren Bedürfnislosigkeit, imstande ist, für einen weit niedrigeren Lohn zu arbeiten, als der Arbeitslohn, der für den jüdischen Arbeiter das Existenzminimum bedeutet4). So stehen in unseren Kolonien den 5—600 bei der mehr qualifizierten Arbeit beschäftigten Juden — etwa 6—7000 die 3) Eben wegen dieser Vorzüge des Arabers besteht eine sehr geringe Aussicht, daß derselbe jemals oder sagen wir in naher Zukunft durch den ihm sonst an Bedürfnislosigkeit wohl gleichkommenden Jemeniten verdrängt und ersetzt werden könnte. Das wird übrigens neuerdings auch von objektiven palästinensischen Sachkundigen zugegeben. In Pethach-Tikwah, das selbst wohl die Hälfte der gesamten arabischen Arbeit konsumiert, ist es bis heute dem Jemeniten wie dem jüdisch-europäischen Arbeiter tatsächlich nicht gelungen, in der eigentlichen durchweg in arabischen Händen liegenden Feldarbeit Fuß zu fassen. 4) Es wären noch viele andere Gründe sowohl wirtschaftlicher wie moralischer Natur für die Bevorzugung der jüdischen Arbeit zu nennen, so u. a. die bei der Ernte usw. sehr wichtigen Hilfskräfte, die der arabische Arbeiter wohl stellen kann, der jüdische aber nicht; ferner die Unterwürfigkeit und Gefügigkeit des ersteren gegenüber der Hyperempfindlichkeit des letzteren. — Es ist übrigens merkwürdig genug, daß der jüdische Arbeiter, sobald er zu kleinbäuerlicher Selbständigkeit gelangt und selber fremde Arbeit benötigt, gewöhnlich dem Araber vor seinem Kollegen von gestern den Vorzug gibt! In der Landarbeitersiedlung Bir-Jacob soll diese Praxis sehr üblich sein. eigentliche Feld- und Spatenarbeit verrichtende Araber gegenüber, wozu noch die ganz bedeutende Zahl der in der Land- und Hauswirtschaft der Kolonisten beschäftigten arabischen Frauen und Kinder hinzuzurechnen ist. Und dieses arabische Element in unseren Kolonien ist in fortwährender Zunahme begriffen; es gewinnt mit jedem neuen jüdischen Unternehmen dermaßen an Zahl und Macht, daß jede neugegründete jüdische Existenz vier arabische Existenzen zur Folge hat. (Schluß folgt.) Von der internationalen Sozialistenkonferenz in Bern. Bei der Diskussion über den Völkerbund: in der Vormittagssitzung vom 6. Februar wendet sich Kossowski (Polen), Vertreter des polnischen allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes, im Namen der Leiden der in dieser Organisation vertretenen jüdischen Arbeiter, gegen die Antisemiten aller Länder, fordert durch den Völkerbund die Sicherstellung der Lebensrechte des an vielen Orten mißhandelten jüdischen Volkes und protestiert besonders auch gegen die judenfeindlliche Haltung der polnischen Sozialdemokratie. Cohn (Palästina) stellt im Sinne der gestrigen Ausführungen seines Kollegen Locker zur Völkerbundsresolution folgenden Zusatzantrag: Der Völkerbund darf nicht bloß ein Bund der Staaten sein, sondern ein wahrer Bund der Völker, in dem auch die schwachen Nationen und in fremden Staaten lebenden Nationsteile einen Schutz und1 wirksame Stütze finden sollen. Zu diesem Zweck wird beim Völkerbund ein Gerichtshof für nationale Angelegenheiten errichtet. In die Kompetenz dieses Gerichtshofes fallen alle Fälle der Unterdrückung des nationalen Bekenntnisses, der nationalen Kultur, Sprache, Schule usw.; aber auch alle Fälle der Schmälerung der staatsbürgerlichen Rechte, wirtschaftliche Bedrückung und Verfolgung aus nationalen Motiven. Huysmans (Belgien) befürwortet einen Zusatzantrag zu der gestern eingebrachten Völkerbundsresolution durch den ausdrücklich festgestellt werden soll, daß durch den Völkerbund nicht allein die Rechte der Staaten, sondern aller Nationalitäten geschützt werden sollen. Präsident Branting teilt mit, daß, da der Zusatzantrag Cohn über den Schutz der Nationalitäten sich mit dem Zusatz Huysmans deckt, der erstere seinen Antrag zurückgezogen habe. In der Sitzung vom 7. Februar unterbreitet Locker (Palästina) der Konferenz einen Antrag zur jüdischen Frage der im wesentlichen besagt: Die Konferenz anerkennt den internationalen Charakter der Judenfrage und fordert in Anwendung der allgemeinen Grundgesetze des Selbstbestimmungsrechtes ihre Regelung auf folgender Grundlage: 1. Völlige bürgerliche Gleichberechtigung in Ländern. Internationalen Schutz gegen Verfolgungen und wirtschaftliche Bedrückung. 2. Freiheit der Einwanderung und Ansiedelung in allen Ländern. 3. Nationale Selbstverwaltung und nationale Gleichberechtigung. 4. Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina unter dem Schutze des Völkerbundes. Die Konferenz gibt ihrer tiefsten Empörung Ausdruck gegen die in den letzten Monaten stattgefundenen entsetzlichen Pogrome. Sie fordert die

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