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Das jüdische Echo · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten llll!l!!!l!ll!lllllllll!Illlll!lllill!lllllllllllll!l!!illlll!!lllllll!l!lll!lll!l!l!ll!lllllll!l!l!l!llllllllllll!llllllll!lllllll!!ll!lll!lllll!lllllll||||[|l!II|||||||||||||||||!|||!lili:i!ll!l!l!i!imil!l|||lli!!l|l,il llllllllllhli.,, ... Nummer 10 München / 6. Jahrgang 7. März 1919 Die Landarbeiterfrage Palästinas. Von Leo Rosenberg. Unsere palästinensische Landarbeiterfrage ist weniger eine Frage der Erhaltung eines bestehenden, in ökonomischer und gesellschaftlicher Sonderstellung befindlichen Landarbeiterstandes durch Aufbesserung seiner sozialen und wirtschaftlichen Lebensverhältnisse, als vielmehr der Notwendigkeit und Möglichkeit einer systematischen Heranbildung leistungsfähiger festwurzelnder jüdischer Lohnarbeiter in unseren palästinensischen Kolonien. Von einer jüdischen Landarbeiterfrage, wie sie gegenwärtig in fast allen europäischen Kulturländern besteht und alle sozialpolitisch in theoretischer oder praktischer Hinsicht interessierten Kreise fortwährend in ihrem Bann hält, kann bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina keine Rede sein. Denn einerseits ist die Zahl der in den Kolonien beschäftigten jüdischen Lohnarbeiter vorläufig zu gering und unbedeutend! — sie dürfte 500—600 nicht überschreiten1) — um ein Gegenstand ernster Besorgnisse und Erwägungen sein zu können. Andererseits aber sind auch diese wenigen Lohnarbeiter gegenwärtig weit davon entfernt, sich' zu einem einheitlichen, festgefügten sozialen Sonderorganismus zu kristallisieren. Die jüdische Lohnarbeitermasse in Palästina ist bis heute ein fluktuierendes Element geblieben, das eher einen Zustand als einen Stand darstellt. Daß nun die Schaffung eines jüdischen Landarbeiterstandes in unseren Kolonien eine wirtschaftliche und1 nationale Notwendigkeit sei — das braucht wohl nicht mehr erörtert zu werden. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in einem Agrarstaat lebt nicht vom Land besitz, sondern von der Land a r b e i t. Zielen nun alle unsere Bestrebungen dahin, in Palästina eine jüdische Landbevölkerung zu schaffen, so wird eine solche nicht durch das jüdische Kapital, sondern durch die jüdische Arbeit geschaffen werden. Es ist dies eine Erkenntnis, die in den letzten Jahren in unseren Reihen mehr und mehr an Raum gewinnt, und zu einer allmählichen Verschiebung des Schwerpunktes in unserer nationalen Agrarpolitik vom Gebiete rein kapitalistischer Unternehmungen nach dem bislang ganz vernachlässigten Felde jüdischer Arbeit führte. Es ist in der letzten Zeit viel zur Schaffung günstiger Verhältnisse für jüdische Landarbeiter getan worden, wenn auch das Geleistete natürlich in gar keinem Verhältnis zu dem noch Erforderlichen steht. Wie *) Das bezieht sich selbstverständlich auf die aus Europa eingewanderten jüdischen Arbeiter und zwar nach einer aus dem Jahre 5672 (1912) datierenden Statistik. Inzwischen werden sich wohl die Zahlenverhältnisse um ein geringes verschoben haben. — Das erheblich zahlreichere Element der Jemeniten ist von einem so völlig verschiedenartigen wirtschaftlichen und kulturellen Charakter, daß es durchaus ein Problem für sich darstelilt. Vgl. übrigens unten. gesagt, einen jüdischen Landarbeiterstand gibt es in unseren palästinensischen Kolonien bis jetzt nicht; die bereits im Lande lebenden jüdischen Lohnarbeiter verdienen diesen Namen weder in rein zahlenmäßiger, noch in qualitativer Hinsicht. Es gilt also, einen solchen in der nächsten Zukunft erst zu schaffen. Nun ist es gerade die Frage der Möglichkeit, die den Schwerpunkt der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina ausmacht. Die Frage ist, ob die einmal in nationalem und wirtschaftlichem Interesse als unumgängliche Notwendigkeit erkannte Forderung jüdischer Arbeit sich innerhalb der gegebenen wirtschaftlichen Verhältnisse durchzusetzen vermag. Ob nicht vielmehr diese gegebenen Verhältnisse der von außen in sie hineingetragenen Forderung gar zuwiderliaufen. Wenn man nun einmal diese vielumstrittene, besonders in Palästina im Mittelpunkt alles sozial- und nationalpolitischen Interesses stehende Frage einer endgültigen Lösung — in der Theorie mindestens — näher zu bringen entschlossen ist, — dann tut man gut, von allen frommen Wünschen gänzlich abzusehen und sich gewissenhaft an die Tatsachen zu halten. Eine feststehende Tatsache ist es, daß einerseits die Zahl der in den privatwirtschaftlichen Kolonien2) beschäftigten jüdischen Landarbeiter in steter Abnahme begriffen ist, in schroffem Gegensatz zur dauernden Vermehrungstendenz aller anderen Berufe und Stände. Anderseits aber haben es überhaupt die dreißig Jahre kolonialwirtschaftlichen Lebens nicht vermocht, den Typus eines jüdisch-landwirtschaftlichen Lohnarbeiters zu schaffen. Unter den erwähnten, gegenwärtig in unseren Kolonien beschäftigten 500—,600 jüdischen Tagelöhnern und Monatsarbeitern dürften sich kaum einige finden, die ein Jahrzehnt hindurch in ihrem Berufe ausgeharrt haben, und fast kein einziger, der die Absicht hätte, diesen Beruf zur Grundlage seiner Zukunft zu machen. Dieser Umstand tritt schon auffällig genug in der Tatsache des so gut wie alleinherrschenden Junggesellentums unter den Arbeitern zutage. Wodurch lassen sich nun 2) Der Ausdruck „privatwirtschaftlich“ bedeutet hier in Privatbesitz befindliche, bloßen Erwerbszwecken dienende Betriebe. wie sie in allen jüdischen Kolonien vorherrschend sind. Ausgeschlossen sind also einerseits die nationalen Farmen, in denen die jüdische Arbeit selbstverständlich zum unverbrüchlichen Prinzip erhoben ist, andererseits aber auch Privateigentümern gehörende Siedlungen, wie z. B. M i g d a 1! und P o r i a , deren Gründung durch vornehmlich ideale Faktoren bedingt war und die keineswegs reinen Erwerbszwecken dienen. — Überhaupt ist das Entscheidende für die Benutzung jüdischer oder arabischer Arbeit nicht Privatinitiative oder Kolonisationsgesellschaft, sondern die Erwerbsmäßigkeit oder Nichterwerbsmäßigkeit des Betriebes.

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