Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 113 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdisch« Echo 113 Rosenfeld hat alle Schrecken des Krieges miterlebt, zuerst in Lemberg unter der russischen Invasion, dann in Przemysl, wo er dem Militärgericht zugeteilt war und zuletzt in der Periode der polnischen Judenpogrome. Als der Jüdische Nationalst in Przemysl gebildet wurde (Anfang Okober), wurde er an die Spitze dieser Körperschaft gestellt. Er war auch gleichzeitig Vorsitzender der reorganisierten jüdischen Gemeinde in Przemysl. Er leitete in dieser sturmbewegten Zeit die Angelegenheiten des Zentrums der galizischen Judenheit mit außerordentlicher Tatkraft, Umsicht und Selbstlosigkeit. Er hatte großen Gefahren die Stirn zu bieten, er hatte die von den tollgewordenen Kommandos angedrohten Judengemetzel für den Fall, daß die Juden nicht die geforderten 3 Millionen Kontribution erlegen sollten, abzuwenden. Das gelang ihm schließlich auch mit Hilfe seiner Mitarbeiter. Dieser neue Zwischenfall dürfte die Gesundheit des sonst rüstigen Mannes untergraben haben. Inmitten der Schrecknisse und Gefahren des Krieges und der Judenverfolgungen setzte Rosenfeld seine Forschungen mit eisernem Fleiße fort, mit einem Fleiß, der nur auserlesenen Geistern eigen ist. Die Nächte gehörten dem Studium. Wir verdanken seiner Feder mehrere Schriften von bleibendem Wert. Namentlich ist sein vor einigen Monaten erschienenes Buch „Die polnische Judenfrage“ eine bedeutende wissenschaftliche und zugleich politische Leistung. Wie Borochow wurde Rosenfeld in seiner Lebensblüte und in seiner Schaffensfreude entrissen. Sein Verlust ist für die Poale-Zion-Bewegung, für das jüdische Proletariat und für das neuerwachte Judentum unersetzlich. Aus der Jüdischen Welt Palästina. Die MIsrachi-Bewegung ist in Palästina zu neuem Leben erwacht. Der Misrachi-Vereinigung in Jerusalem haben sich bereits 600 Mitglieder angeschlossen. — In Jaffa und Umgebung zählt er mehr als 1000 Mitglieder. — In Hebron ist fast jeder jüdische Jüngling Misrachist. — Misrachi-Vereinigungen bestehen ferner in Tiberias, Safed, Haifa und in den Kolonien der Umgebung, sodaß die misrachistische Bewegung zu einer Macht geworden ist, auf die auch in Palästina Rücksicht genommen werden muß. Die iüdische Gemeinde In Jerusalem. Das Jüdische Korrespondenzbüro im Haag meldet: In einem Interview mit einem Redakteur des „Jewish Expreß“ richtet Dr. Chaim Weizmann einen Aufruf an die Rabbiner der Diaspora, ihren Einfluß anzuwenden, um den Zwistigkeiten und der Eifersucht, die noch immer unter manchen Gruppen des alten Jischub in Jerusalem herrschen, ein Ende zu bereiten. „Wir brauchen“, erklärt Weizmann, „Solidarität unter unseren Geistlichen und Einstimmigkeit und Harmonie unter unseren geistigen Führern. Die finanziellen Bedürfnisse der Jerusalemer jüdischen Gemeinde werden von der zionistischen Kommission in ausreichender Weise gedeckt. Die Gemeinde erhält heute mehr als je zuvor. Die zionistische Kommission verausgabt mehr als 20 000 Pfund monatl. für die Notleidenden in Jerusalem und hilft einerseits den Strebenden und andererseits jungen Leuten, sich selbständig zu machen. Es ist aber notwendig, daß die Zionisten durch all diejenigen, denen es am Herzen liegt, eine würdige jüdische Gemeirfde in Jerusalem zu sehen, unterstützt werden. Wie das Jüdische Körrespondenzbürö aus Jaffa erfährt, ist es dem Jerusalemer Komitee trotz der Schwierigkeiten endlich gelungen, ein für die ganze Kongregation ausschlaggebendes Rabbineramt zu gründen. Die aschkenasischen Rabbiner und sephardischen Chachamim beraten bereits zusammen über verschiedene religiöse Einrichtungen. Engländer und Juden In Palästina. Das „Jüdische Korrespondenzbureau“ im Haag meldet, daß demnächst Änderungen in der Verwaltungsmethode in Palästina vorgenommen werden, wodurch die Beziehungen zwischen Juden und Engländern bedeutend besser werden sollen. Der Chef des englischen Generalstabes, General Wilson, hat Dr. Weizmann versprochen, das biliäre System, das noch in Palästina herrscht, allmählich abzubauen. Die zionistische Palästinakommission. Dr. Eder (Ito), der nach der Abreise Dr. Weizmanns aus Palästina als Vorsitzender der zionist. Kommission fungierte, ist nach London übersiedelt. Vor seiner Abreise wurde Dr. Eder durch die verschiedenen repräsentativen Körperschaften gehuldigt. Er hat sich besonders mit der Aufbringung der Mittel und der Organisierung der Waisenhäuser, eine der wichtigsten Fragen im befreiten Palästina, beschäftigt und sich in dieser Angelegenheit sehr gut bewährt. An Stelle des Dr. Eder ist Herr Lewin-Epstein zum Präsidenten der Palastinakommission ernannt. Dr. de Sola Pool ist in die zionistische Kommission ernannt und bereits von London nach Palästina abgereist. Das Londoner zionistische Zentralbüro hat auch kürzlich einige Damen und Herren nach Palästina geschickt, um der Palästinakommission in Fragen der Wohltätigkeit, besonders der Waisenfürsorge, beizustehen. Es sind u. a. Frau Norman Bentwich (die Frau des Oberrichters). Frl. Bentwich (die Tochter Herbert Bentwichs), Frl. Millstein, Herr Benjamin Grad, der das Sekretariat der Palästinakommission übernimmt, Herr Antebi, der eine technische Anstellung auf dem Gebiete der Landwirtschaft antritt. Herr Dr. Mordechai Eliash war früher für das Sekretariat abgereist. Demnächst werden noch weitere administrative Kräfte nach Palästina übersiedeln. Das Londoner Büro teilt mit, daß es ungefähr 200 Anfragen für administrative Stellen in. Palästina erhalten hat. Die Anfragen, die von Ärzten, Ingenieuren, Agronomen, Lehrern usw. gestellt werden, kommen aus allen Teilen der Welt, worunter auch eine große Anzahl von jüdischen Legionären in Palästina. Dr. Harry Friedenwald und Robert Szold sind in London auf der Durchreise nach Palästina angekommen. Die zionistische Kommission in Palästina steht jetzt unter Leitung des Herrn Lewin-Epstein. Dr. I. M. Rubinow wurde zum Leiter der medizinischen Kommission ernannt, und zwar an Stelle des Herrn Lewin-Epstein., Rabbiner Meier-Berlin, Gole. Silver, Aschinsky sind in London eingetroffen. > Österreich. Ein Jüdischer Schriftsteller- und Künstler verein ln Wien. Anfang Januar hat sich in Wien eine „Vereinigung Jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler, Haruach (Der Geist)“, gebildet. Auf