Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 111 Rechte, Überlassung geeigneter Stunden und Räume für den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen, Ausschluß, eines staatlichen Moralunterrichts älis Pflichtfach, Freiheit zur Begründung von Schulen und Befreiung von doppelten Schiulabgaben, Ermöglichung der Ausbildung und Anstellung von jüdischen Lehrern und Kultusbeamten, Wahrung der Gewissensfreiheit für jüdische Lehrer und Schüler an den öffentlichen Schulen, Korporations- und Besteuerungsrecht der Kultusgemeinden sowie Unantastbarkeit des Kultus- und Stiftungsvermögens. Von unseren Glaubensgenossen aber erwarten und fordern wir, daß sie auch unter den veränderten Verhältnissen dem angestammten Glauben die alte Treue wahren und eifrigst sich in den Kultusgemeinden betätigen, daß sie ihre Kinder zu religiösem Leben, in Gottesfurcht und Sittlichkeit, in Vaterlands- und Nächstenliebe erziehen und ihnen zu diesem Behufe während1 der gesamten Schulzeit ausreichenden religiösen Uaterricht zukommen lassen; endlich, daß sie allesamt, alt und jung, Männer und Frauen, die hohen Ideale des Judentums, zugleich seine messianischen Ziele für die gesamte Menschheit, „Gotteserkenntnis, Menschenliebe und Frieden“, durch Bekenntnis und Leben zu verwirklichen suchen: dem Vaterlande zum Heile, der Menschheit zum Segen, Israel zur Ehre. Nürnberg, 6. Januar 1919. Die freie Konferenz der bayerischen Rabbiner. Dr. Cohn, Ichenhausen, Ehrenvorsitzender; Dr. Meyer, Regensburg, 1. Vorsitzender; Dr. Freudenthal, Nürnberg, 2. Vorsitzender; Bamberger, Würzburg; Dr. Bamberger, Bad Kissingen; Dr. Baerwald, München; Dr. Brader, Ansbach; Dr. Eckstein, Bamberg; Dr. Ehrentreu, München; Dr. Einstein, Landau; Dr. Finkelscherer, München; Dr. Grünfeld, Augsburg; Dr. Heilbronn, Nürnberg; Dr. Meyer, Pirmasens; Dr. Neubürger, Fürth; Dr. Salomon, Bayreuth; Dr. Steckelmacher, Dürkkeim; Dr. Stein, Schweinfurt; Dr. Weinberg, Neumarkt; Dr. Wohlgemuth, Kitzingen. Lebensmittel für die polnischen Juden. Eine spezielle Kommission ist soeben auf ihrer Durchreise nach Warschau in London eingetroffen, wo sie zusammen mit der Hoverkommission die Lebensmittelversorgung der polnischen und jüdischen Bevölkerung in die Wege leiten wird. Die jüdischen Mitglieder der Kommission sind: der bekannte Poale-Zionist Baruch Zuckermann, Isidor Hirschfield und B. Horowitz. Diese gemeinsame Kommission, die aus 3 Polen und 3 Juden besteht, wird von dem jüdischen „Joint Distribution Commitee“ und vom polnischen Nationalkomitee, die beide ein Schiff mit Lebensmitteln nach Polen unterwegs haben, geschickt. Herr Zuckermann wird einige Monate in Warschau verbleiben. Katastervermessung für Palästina. Wir werden um die Veröffentlichung folgender Mitteilung gebeten: Geodäten, Mathematiker, Vermessungsingenieure, Topographen, Markscheider, Vermessungstechniker, Planzeichner und Katasterbeamte, die sich für die Katastervermessung Palästinas interessieren, werden gebeten, ihre Adressen bei Herrn Treidel, Berlin-Willmersdorf, Mainzerstr.;16, anzugeben. Die Freie jüdische Volkshochschule. Aus Berlin wird uns geschrieben: Am 23. Februar wurde hier die Freie jüdische Volkshochschule eröffnet. Damit wird eine langjährige Arbeit zum Abschluß geführt, die unsere Freunde seit mehr als 10 Jahren beschäftigt hat. Im vorigen Jahre wurde hier anläßlich der Bildung der gemischten Kommission zur Gründung der Volkshochschule in ihrer jetzigen Gestalt daran erinnert, daß Martin Buber, Heinrich Löwe und andere schon damals die Gründung einer jüdischen Volks-Universität unter dem Namen „Grätz- Akademie“ in die Wege zu leiten versuchten. Die zionistischen Kräfte waren aber noch zu schwach, um ein solches Werk zu Ende zu führen. Inzwischen haben die national-jüdischen Kulturbestrebungen in Deutschland einen großen Aufschwung genommen. Die Entfaltung des jüdischen Bücherwesens, die entschlossene Inangriffnahme der Hebraisierung, dazu die ganze inner- und weltpolitische Neuorientierung der Judenheit haben es mit sich gebracht, daß sich heute in Deutschland für alle solche Bestrebungen ein ganz anderes Betätigungsfeld bietet als vor einem Jahrzehnt. Aus diesen Erwägungen heraus hat der vom Delegiertentag der deutschen Zionisten im Dezember 1916 eingesetzte „Ausschuß für jüdische Kulturarbeit“ beschlossen, das alte Projekt wieder aufzubauen. Die Ausführung wurde wiederum Herrn Prof. Dr. Heinrich Löwe übertragen, dem Dr. Max Strauß und Dr. Ahron Eliasberg zur Seite standen. Da gleichzeitig auch von nichtzionistischer Seite, namentlich seitens des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und des Synagogenverbandes, sich ähnliche Bestrebungen geltend machten, haben sich die interessierten Organisationen vereinigt, um die Gründung gemeinsam vorzunehmen. Die Anstalt ist rein paritätisch und zwar in positivem Sinne gedacht: Wir meinen nicht jene Parität, wie sie in manchen neutralen Jugendvereinen geübt wird und die darin besteht, daß aus bloßer Furcht, die Unparteilichkeit zu verletzen, man ängstlich jede Erörterung der Fragen vermeidet, die die Mitglieder wahrhaft bewegen — und im Grunde genommen allein interessieren. Die Volkshochschule soll im Gegenteil eine Stätte sein, von der aus jede wissenschaftlich begründete Ansicht zu Worte kommen kann. Der Lehrplan des 1. Trimesters umfaßt neben den zionistischen Vorlesungen der Herren Strauß und Trietsch auch einen Kursus des Vertreters des Zentralvereins Dr. Hirschfeld über die „Trennung von Kirche und Staat“, der natürlich zu ganz anderen Forderungen kommen wird, als sie unser im Zeichen des Kampfes um die „Jüdische Volksgemeinde“ geschaffenes Minimalprogramm enthält. Unbedingte Lehr- und Lernfreiheit! Träger der Anstalt ist ein aus so ziemlich allen jüdischen großen und kleinen Organisationen gebildetes Kuratorium. Die eigentliche Leitung liegt in den Händen des geschäftsführenden Ausschusses, unter dessen sieben Mitgliedern der Kulturausschuß statutarisch durch zwei Mitglieder vertreten ist. Für das erste Geschäftsjahr sind es Prof. Löwe und Dr. Eliasberg. Die den Lehrplan und die Anstellung der Dozenten berührenden Beschlüsse können nur mit einer Dreiviertel-Majorität gefaßt werden.