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Das jüdische Echo · 1919-02-28 · 9 (28.2.1919) · p. Seite 108

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
9 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 Dm Jüdfecke Echo Nr. 9 Schaffen wir das jüdische Volk nach Erez-Israel, das Volk, die Massen, nicht nur einzelne Pioniere. Dann wird die Thora in ihrer Urheimat ihre Stätte wiederfinden, denn in den Massen lebt si£ heute ihr kümmerliches Leben im Qolus und in den Massen in Erez-Israel wird sie ihr natürliches Leben weiterleben. Nicht auf den mageren Schultern der Frankfurter Orthodoxie und ihrer Mitläufer an anderen Orten, sondern auf den breiten Schultern der armen schlichten und frommen Massen des Ostens wird die Thora ihren Einzug in Erez-Israel halten. Und wenn von den Agudisten immer wieder der Einwand gegen den Zionismus ins Feld geführt wird, daß die Führer und die Leiter der zionistischen Bewegung keine thoratreuen Juden seien und mithin auch keine Sicherheit vorhanden sei, daß die öffentlichen Einrichtungen und das öffentliche Leben in Erez-Israel auf der Basis der Thora begründet sein würden, so ist darauf folgendes zu antworten: 1. Es lastet eine ungeheuere, vor Gott niemals zu verantwortende Schuld auf den Agudaführern, daß nicht s i e den Zionsgedanken, der im jüdischen Volke seit seiner Zerstreuung lebt, zur Aktivität gebracht und zum Angelpunkt aller jüdischen Politik gemacht haben; daß sie nicht das Volk zum Zionismus hingewiesen und geführt haben; daß s i e in Passivität, Indolenz und sogar in Feindseligkeit gegen den Zionismus verharrten, als die Flammen der Begeisterung für das Zionsideal bereits die breiten leidenden Massen ergriffen. 2. Die demokratische Verfassung der zionistischen Organisation ermöglicht den thoratreuen Juden die Besitzergreifung der Führerschaft und die Einflußnahme auf ihre ganze Politik sehr leicht. Die thoratreuen Juden brauchen sich nur in Massen dem Zionismus anzuschließen. Dann wird der Wiederaufbau von Erez-Israel nicht anders als nur auf der Basis der Thora erfolgen müssen. Somit ist der stärkste Einwand der Agudisten, mit dem sie hausieren gehen und den sie als Popanz benützen, in Stücke geschlagen. Es war deshalb unaufrichtig, von der zionistischen Organisation die bekannten Garantien zu verlangen. Die Agudaführer wissen es ganz genau, daß diese Garantien gar nicht gegeben, sondern selbst genommen werden könnten, indem man die thoratreuen Massen in die zionistische Organisation bringt. Aber das will ja gerade die Aguda gar nicht! Denn sie, die noch bis vor kurzem dem politischen Zionismus feindlich gegenüberstand, — sie fürchtet ja eben, daß die thoratreuen Massen der zionistischen Organisation und nicht ihr Zuströmen werden, daß sie dadurch ihre ganze Existenzberechtigung verlieren würde. Sie verlangt die Erklärungen und Garantien, die von der zionistischen Organisation abgelehnt werden mußten, nur um sich vor die thoratreuen Massen hinzustellen und zu sagen: „Seht, die Zionisten wollen oder können uns keine strikten Garantien für den Aufbau Palästinas auf der Grundlage der Thora geben! Darum kommt zu uns, ihr thoratreuen Juden!“ Also ein Manöver zur Diskreditierung des Zionismus in den Augen der thoratreuen Juden! Die Misrachi-Organisation will und wollte, noch bevor die Aguda gegründet wurde, dasselbe, was die Aguda jetzt zu wollen vorschützt; Den Wiederaufbau von Erez-Jisroel auf der Grundlage der Thora. Das war ja der Zweck der Misrachi-Gründüng und das ist ihr eigentliches politisches Ziel. Aber der Misrachi steht nicht auf dem Standpunkt der Spaltung des jüdischen Volkes. Der Misrachi will vielmehr, daß alle Kräfte des jüdischen Volkes für das riesige Werk der Regeneration zusammengefaßt werden, und sein Ziel ist. alle thoratreuen Juden in die zionistische Organisation zu bringen, um innerhalb dieser Organisation die politische Macht zu gewinnen. Der Misrachi will mittelst der Eroberung der politischen Macht innerhalb der zionistischen Organisationen alle diese Garantien, die die Aguda nur auf dem Papier verlangt, in realer Weise schaffen. Welcher thoratreue Jude kann da noch im Unklaren darüber sein, was der Misrachi und was die Aguda will? Thoratreue Juden! Es ist jetzt die Zeit des Bauens! Sammelt zu heiligem Werke! Hinweg mit aller Zersplitterung, mit der Verzettelung der Kräfte! Jetzt ist die Zeit des Bauens, des gemeinsamen, von einem einheitlichen Volkswililen geleiteten Bauens. Und dies kann nur unter der Fahne der Misrachi bewerkstelligt werden. Nur einen Ort gibt es, wo der thoratreue Jude dem heiligen Zionsideal dienen kann: die Misrachi-Organisation! Ubacharta bachajim! A. J. Rom. Zürich. Weltkonlerenz der Orthodoxie. Am 21. Februar wurde einer uns zugehenden Drahtmeldung zufolge die Weltkonferenz der jüdischen orthodoxen Verbände im Hotel Bellevue in Zürich feierlich eröffnet. Etwa 100 Delegierte aus 14 Ländern waren anwesend. Darunter befinden sich die Oberrabbiner S c h a p i r o (Kowno), Dr. Winkler (Kopenhagen), Prof. Dr. M argul i e s (Florenz), Dr. Sacerdoti (Rom), Weil (Bouxvililer), Dr. H i 1 d e s h e i m e r (Berlin), H o - rowitz (Jerusalem), Fuchs (Großwardein); ferner der Präsident der ungarischen Landeskanzlei Frankl (Budapest) und Dr. Nathan Birnbaum (Wien). Die Konferenz hat den Zweck, zu den die gesetzestreue Judenheit bewegenden Gegenwartsfragen Stellung zu nehmen und insbesondere über die Formulierung entsprechender Forderungen für die Friedenskonferenz zu beraten. Weitere Berichte folgen in der nächsten Nummer. Protest. Auf den 18. Februar ist von dem Hauptbureau der „Agudas Jisroel“ nach Zürich eine internationale Konferenz von orthodoxen Organisationen einberufen worden, deren Zweck sein soll, die Gesamtinteressen des Judentums im Geiste der Thauroh zu behandeln und im Namen des orthodoxen Judentums zu formulieren und zu verteidigen. Die Unterzeichneten sprechen ihre scharfe Mißbilligung darüber aus, daß die erwähnte Organisation es für passend gehalten hat, ein solches Thema zur öffentlichen Besprechung auf die Tagesordnung zu stellen und dabei absichtlich unter Ausschluß von breiten Gruppen, nur bestimmte Gliederungen des orthodoxen Judentums einzuladen. Die Unterzeichneten betonen, daß eine solche Handlungsweise gegen die Forderungen der jüdischen Tradition verstößt, dort wo über Probleme beratschlagt wird, welche das ganze jüdische Volk angehen und konstatieren im voraus, daß — wenn dieses Unrecht nicht noch rechtzeitig wieder gutgemacht wird — diese Konferenz nicht das Recht haben wird, namens des orthodoxen Judentums zu sprechen, zu beschließen oder zu handeln, oder auf irgendwelche Anerkennung Anspruch zu erheben.

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