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Das jüdische Echo · 1919-02-28 · 9 (28.2.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
9 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten iniiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuinittiiiniiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiimiiiiiiimiiiiiiiniiuiiiiiiiiiiii.iiiiiiiiiiii Nummer 9 München / 6. Jahrgang 28. Februar 1919 Die Zeit des Bauens. Unsäglichen Schmerz empfindet der Jude, der sein Volk mit allen Fasern seines Herzens liebt, über die Tragik, die sich jetzt innerhalb des jüdischen Volkes abspielt. Was hat unser Volk im Kriege nicht alles erleiden müssen! Entsetzliches Leid und qualvolle Pein kommen heute noch über unsere Brüder. Undurchdringlich finster ist unsere La^e. Und in diese Situation strahlt plötzlich ein Hoffnungsschimmer: Die Großmächte erkennen uns als Volk, gleich den andern Völkern an; Erez- Israel, unser Land, wird uns verheißen; die Hoffnung, ein menschenwürdiges, freiheitliches Dasein in den Ländern des Golus, in welchem die großen Massen unseres Volkes noch Zurückbleiben müssen, zu fristen, naht der Verwirklichung! Was wäre in diesem Moment natürlicher, als daß die verschiedenen Parteien im Judentum, die in Uneinigkeit leben, sich enge zusammenschließen, um als geeintes, einheitliches Volk, dazustehen und1 gemeinschaftlich große Ziele zu verwirklichen? Denn nur in der Einheit werden wir stark, in der Gesondertheit aber immer ohnmächtig sein. Der Misrachi, dessen Ziele im traditionellen Judentum verankert sind, und der den Geist der Einheit des jüdischen Gesamtvolkes zum Ausdruck bringt, wie er im jüdischen Schrifttum niedergelegt ist, wäre einzig und allein der geeignete Sammelpunkt für alle Juden, die das heilige Gebot des Jischub-Erez- Israel erfüllen wollen. Großes könnte man für die Verpflanzung des religiösen Geistes im ganzen Volke vollbringen, gerade weil man im Rahmen des Volksganzen bleibt. Leider aber muß ausgesprochen werden, daß die Agudaführer, ganz im Gegensatz zum Agudagedanken, den Geist der Zerspaltung in diesem historischen Moment in die Judenheit hineingetragen haben, indem sie im Volke eine Scheidewand zu errichten suchen: hie Nationalismus ohne Thora, hie Nationalismus mit Thora. Die Taktik der Agudaführer, den Zionismus als ein Judentum ohne Thora, und sich als die einzigen Träger der Thora hinzustelllen, ist eine anmaßende Anschuldigung des Misrachi und des Zionsgedankens. Die letzte Kundgebung des deutschen Gruppenverbandes der Aguda zeigt klar, wo ihre Tätigkeit hinauszielt. Ich zitiere wörtlich: „Der Zionismus erklärt unsere Thora als Privatsache. Tatsächlich wissen die Großmächte, daß es in der Judenheit drei Gruppen gibt: Orthodoxie, Zionismus und Reform. Tatsächlich hat Agudäs-Jisroel zur Feststellung der Forderung der thoratreuen Juden bei den Friedensverhandlungen für Mitte Februar einen Weltkongreß aller religiösen Organisationen in der Schweiz einberufen.“ Also will man auch der nichtjüdischen Welt die Spaltung des Judentums ad oculos führen!*) Diese *) Man will die bis jetzt so erfolgreiche Außenpolitik der zionistischen Organisation gerade in dem Momente durch eine Sonderaktion stören und gefährden, da nach außenhin unter allen Umständen ein einheitlicher jüdischer Volkswille und einheitliche politische Leitung auftreten müßten! geradezu gefährliche Politik ist auch aus allen Reden und Schriften der Agudaskreise ersichtlich. Es ist unerhört, wie man mit der Thoratreue, mit Gottesvolkschaft usw. prunkt, wie man sich leichten Herzens herausnimmt, das jüdische Volk in Juden und Nichtjuden zu spalten! Man frage einen wahren Frommen des Ostens, der für sein Judentum die größten Opfer gebracht und noch bringt, ob er die Thoratreue als ein besonderes Privileg betrachtet, das ihn berechtigt oder gar verpflichtet, sich politisch vom übrigen Volke abzusondern und abzuschließen, so wird er mit einem kräftigen „Nein“ antworten. Und hier im Westen erleben wir, daß sogar halbwüchsige Jünglinge mit dem Schlagwort „Thoratreue“ nur so um sich herumwerfen, sich als die Auserwählten Gottes und die alleinigen Pächter der Thora betrachten und damit nur beitragen, Trennungen herbeizuführen. Das ist eine Schändung unserer Thora, die Gemeingut der ganzen Gemeinde Jakobs ist, und gegen diese Gefahr müssen alle, die sich für die Erhaltung unserer heiligen erhabenen Thora aufopfern, Front machen. Es ist an der Zeit, die Worte des Thoragroßen Rabbi Kuck in Erinnerung zu bringen. Er sagte: „Wir haben leider in der Geschichte gesehen, daß sich Teile vom jüdischen Stamme abgesondert haben, wie die Saduzäer, Karaäer und zuletzt die Anhänger von Sabbati-Zwi und Frank, aber niemals ist es in der jüdischen Geschichte vorgekommen, daß das traditionelle Judentum im Volke Trennungen vorgenommen oder sich von seinen anderen Brüdern getrennt hat.“ Erst kürzlich hat der Talmudgelehrte Jakob S. Posen in einer Versammlung in Frankfurt sehr richtig ausgesprochen: „Es hat nie eine Zeit gegeben, in der ein Teil in Israel sprach: wir sind die Zadikim und die andern die Reschoim. Rangstufen festzustellen ist nur Gott allein anheimgestelit.“ Schuld an diesem Streit innerhalb der Orthodoxie ist nur die kleine Gruppe um den „Israelit“ in Frankfurt a. M., die sich anmaßt, Führerin der Gesamtorthodoxie der Welt zu sein. Welchen Rechtstitel besitzt sie dafür? Etwa die Thorakenntnis oder die unausgesetzte Beschäftigung mit der Thora, die doch einzig und allein für eine jüdische Führerrolle befähigt? Doch gewiß nicht! Denn diese sind hauptsächlich nur bei den frommen Juden des Ostens zu finden. Nur ihre bessere soziale Stellung und die größere^ profanen Kenntnisse scheinen für die Frankfurter Orthodoxie zur Anmaßung einer Führerrolle im frommen Judentum ausschlaggebend zu sein, und dazu die Überhebung, daß alles, was s i e tut, einzig und allein das Richtige vom Standpunkt der Thora sei. Die Herren mögen sich1 aber gesagt sein lassen, daß die Thora nicht in Frankfurt gegeben wurde! Wir, die wir fest im Sinaigesetz wurzeln, werden uns niemals diese Bevormundung gefallen lassen, die für das lebendige Judentum gefährlich ist und gefährlich sein wird, wenn dieser Geist auch nach Erez-Israel verpflanzt werden sollte. In Erez- Israel muß der Geist der Einheit herrschen, der Geist der Zusammenraffung aller Volkskräfte.

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