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Das jüdische Echo · 1919-02-21 · 8 (21.2.1919) · p. Seite 97

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
8 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
Seite 97 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 97 Die jüdischen Forderungen auf der Friedenskonferenz. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily ChronicTe“ meldet, daß die Friedenskonferenz vermut* lieh beschließen werde, die Herrschaft über Palästina Großbritannien zu übertragen. Die Juden hätten sehr mäßige Ansprüche wegen der Grenzen des neuen Staates gestellt. Sie sind durchaus nicht von dem Verlangen erfüllt, die wohlerworbenen Rechte der Nachbarn anzugreifen. Das Gebiet Palästinas dehne sich unter britischer Flagge an den beiden Ufern des Jordans aus, schließt aber kein Wüstengebiet in sich. Es grenzt an den Lauf der Hedschasbahn. Die Anerkennung der jüdischen Rechte schließt auch nicht Damaskus ein, das al!s Hauptstadt Arabiens anerkannt wird. Es ist also das alte historische Palästina mit bestimmten Änderungen wirtschaftlicher Art, sowie der vollständige Besitz der wichtigsten Wasserwege, was die Juden fordern. Man kann daher annehmen, daß nördlich von Damaskus das französische Protektorat von Syrien in Übereinstimmung mit den geschichtlichen Forderungen der Franzosen beginnen soll, die diese Schutzherrschaft auf die Kreuzzüge zurückführen, was in moderner Anwendung den Schutz der Christen bedeutet. Der Direktor der jüdischen „Zeit“ in London, Morris Myer, der gegenwärtig in Paris weilt, telegraphiert seinem Blatt, daß die zionistischen Forderungen dieser Tage der Friedenskonferenz vorgelegt werden sollen. Die amerikanischen und englischen Zionisten sind zum vollen Einverständnis gekommen. Wie er erfährt, werden die zionistischen Forderungen die weitgehendste Unterstützung der politischen Kreise finden. Laut einer Pariser Meldung des Holl'andsch Nieuwsbureau, ist der zionistische Plan in Bezug auf Palästina am Montag, den 10. Febr. der Friedenskonferenz vorgelegt worden. Das Dokument ist von Vertretern der zionistischen Weltorganisation (namens der amerikanischen Zionistenorganisation von Jakob de Haas und Bernhard Flexner) von Vertretern der russischen Zionistenföderation und der palästinensischen Juden unterzeichnet worden. Gemeindewahlen in Stuttgart. Aus Stuttgart wird geschrieben: Die von der hiesigen Gemeinde ausgeschriebenen Neuwahlen haben in sehr weiten Kreisen scharfen Widerspruch gefunden. Sowohl durch die Ausschaltung des Proporzes, der Frauenstimmen und der Stimmen der Jugend von 20—25 Jahren scheint man sich dem Geiste der Demokratie entgegenstemmen zu wollen. Den schärfsten Widerspruch aber muß die Bestimmung erfahren, wonach nur die ausländischen Gemeindemitglieder aktives und passives Wahlrecht haben, die 5 Jahre Mitglieder einer württembergischen Gemeinde sind. Nicht nur weil dadurch der größte Teil der Auslandsjuden von den Wahlen ausgeschaltet wird, worauf die Verordnung übrigens abzuzielen scheint, sondern weil dies die schärfste moralische Verletzung des Sinnes einer israelitischen Religionsgemeinschaft ist. Bei einer israelitischen Religionsgemeinschaft ist nur das Bekenntnis zur jüdischen Religion ausschlaggebend. Staatsangehörigkeit und Dauer des Aufenthaltes spielen überhaupt keine Rolle. Auf einer Versammlung der Ostjuden Stuttgarts wurde das Verhalten der Gemeinde scharf gegeiselt und auch in der Gemeindeversammlung vom 28. Januar kam der Widerspruch zum Ausdruck. Es mußte Befremden erregen, wenn ein Mitglied des Kirehenvorsteheramtes betont, daß er ein demokratisches Wahlrecht erstrebt habe, aber auf zu großen Widerstand innerhalb der Gemeindevorsteher gestoßen sei, und wenn ganz kurze Zeit darauf ebenfalls ein Gemeindevorsteher ausspricht, daß die Schuld am Wahlrecht an der Regierung, also an äußeren Faktoren liege. Jedenfalls zeigt dies, daß man nicht mit offenem Visier kämpft, und daß man kein ganz reines Gewissen hat. Aus der jüdischen Welt Palästina. Der Misrachi in Palästina. Das Zentralkomitee des Misrachi in Jaffa entwickelte in letzter Zeit eine ungewöhnlich energische Tätigkeit. Der Misrachi begründete ein besonderes Bureau in Tel Awiw und wählte den bekannten Schriftsteller R. Benjamin (Jehoschua Feldmann) zum besoldeten Sekretär. Fast täglich finden Sitzungen statt. Versammlungen werden des öfteren organisiert, in denen zu allen Fragen des palästinensischen Lebens Stellung genommen wird. Als ein besonderes Verdienst des Misrachi darf die Organisierung der jungen palästinensischen Juden, die im Geiste des alten Jischuw erzogen sind, hervorgehoben werden. Der Verein Hazair Haerez Israeli (der junge Palästinenser) existiert bereits seit einigen Jahren, war aber fast völlig eingegangen. Der Misrachi nahm sich des Vereins an, und in kurzer Zeit gelang es ihm, eine lebensfähige und straffe Organisation zu schaffen. Der Verein arbeitet zwar selbständig, steht aber in engem Kontakt mit dem Misrachi, der auf diese Weise die abseits stehenden Elemente dem zionistischen Gedanken zugeführt hat. Letztens hat der Misrachi mehrere Delegierte als Propagandisten nach Samaria und Galiläa geschickt. Die Delegierten haben fast sämtliche Städte und Kolonien besucht und eine lebhafte Propaganda entwickelt. England. Die englische Presse über die Pogrome. Aus London wird unter dem 10. Februar gemeldet: In einer Besprechung des ersten offiziellen Berichts von Israel Cohen, der von der englischen Zionistenförderation zur Untersuchung der Pogrome nach Galizien und Polen entsendet wurde, schreiben die „Times“ von heute, daß dieser ausführliche und detaillierte Bericht, alle bis jetzt von anderer Seite herrührenden Berichte an Ausführlichkeit und Genauigkeit übertrifft. Die Polen sind daran schuld, den Pogromen kein Ende bereitet zu haben. England und der Völkerbund müssen hier eingreifen. Wenn die Großmächte Polen gegen auswärtige Feinde helfen, so haben sie das Recht zu verlangen, daß im Inlande Gerechtigkeit walte. Es ist die Pflicht der Mächte, Polen zur Ordnung zu rufen und zu verhindern, daß das neue Freiheitsbanner, das ihnen unbefleckt übergeben worden ist, durch sie nunmehr beschmutzt wird. Auch der „Manchester Guardian“ bespricht den Bericht Israel Cohens und protestiert energisch gegen die Pogrome, für die die polnische Regierung die volle Verantwortlichkeit trage. Der Bericht Israel Cohens hat in der gesamten öffentlichen Meinung Englands großes Aufsehen

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