Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102975-9139940--02648-9075468- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 8 Das Jüdische Echo 95 daß sie gegen die Ausschaltung des Misrachi auf der Konferenz selbst Protest erheben werden. Wie das Jüdische Korrespondenz-Bureau im Haag mitteilt, wird die holländische Delegation, die an der Züricher Konferenz der Agudath-Israel teilnehmen wird (Oberrabbiner Vredenburg, Amsterdam; Oberrabbiner Justus Tal, Utrecht), den Standpunkt vertreten, daß eine Zusammenarbeit mit anderen orthodoxen Organisationen, und mit Organisationen, die auf nationaler Basis stehen, nicht abgelehnt werden darf. Sollte die Züricher Konferenz der Meinung sein, daß eine Zusammenarbeit mit Organisationen wie der „Misrachi“ nicht möglich ist, so wird die Delegation der holländischen Oberrabbiner an den weiteren Beratungen der Konferenz nicht teilnehmen. Ferner meldet das Bureau, daß noch folgendes Telegramm aus Holland an die Zionistische Organisation in London und an die Leitung der Agudas-Jisroel in Zürich abgesandt worden ist: „Untergefertigte erachten es als dringende Notwendigkeit für das jüdische Volk, daß alle Gruppen an dem Aufbau der jüdischen Gemeinschaft in Palästina mitwirken können. Sie bieten Ihrer Organisation ihre Vermittlung an zum Zusammentritt einer Konferenz von Bevollmächtigten Ihrer Organisation und der Agudo (resp. Zionisten), die den Modus formulieren können, wonach die organisierte Orthodoxie an der zionistischen Palästina-Arb eit mitarbeiten kann. Die Basis erblicken sie in der Erklärung des ersten Zionistenkongresses über das Verhältnis zur jüdischen Tradition. Alle Mißverständnisse bezügl. dieser Erklärung können beseitigt werden. gez.: Oberrabbiner Justus Tal, Utrecht; Rabbiner A. Ascher, Amsterdam; Prof. D. L. S. Ornstein“. Oberrabbiner Tal ist eine führende Persönlichkeit in der holländischen Orthodoxie, Rabbiner Asscher ist ein bekannter Misrachiführer und Prof. Ornstein ist Vorsitzender des Niederländischen Zionistenbundes. Satzungen für die Gründung von Ächusa-Gesellschaften. Das Kopenhagener Zionistische Bureau veröffentlicht die folgenden von der palästinensischen Abteilung des Zentralkomitees der zionistischen Organisation in Rußland, aufgestellten Satzungen: Personen, die nach Palästina gehen wollen, um dort einen landwirtschaftlichen Betrieb, der hauptsächlich aus Pflanzungskulturen besteht, zu errichten, bilden gemäß den Gesetzen des Landes „Achusa“-Gesellschaften. In Großrußland ist die für die „Achusa“ passendste juridische Form die kooperative Genossenschaft. Die Zahl der Mitglieder der „Achusa“ muß so berechnet sein, daß die Verwaltung der Pflanzungen nicht zu schwerfällig und kompliziert wird. Es ist daher eine Gruppenbildung von 40 bis 75 Mann zu empfehlen. Die Erwerbung sowie die Amelioration des Bodens sowie seine Bearbeitung bis zur ersten Fruchttragung, geschieht in gemeinsamer Wirtschaft. Die „Ac;husa“-Genossenschaften bestehen auf der Grundlage der Entrichtung pp-^discher Mitgliederbeiträge, die die Kosten des Bodens, der Amelioration desselben und der Pflanzungskulturen decken müssen. Die Beteiligung jedes Mitgliedes mit 15 000 Rubel ist zu empfehlen. Ein Mitglied kann sich höchstens mit drei Anteilen an der Genossenschaft beteiligen. Die Zeitpunkte, an denen die Einzahlungen zu erfolgen haben, sowie die Höhe der Beträge werden derart festgesetzt, daß die nötigen Arbeiten rechtzeitig ausgeführt werden können. Es wird empfohlen, den ganzen Mitgliedsbeitrag (also etwa 15 000 Rubel) im Laufe von höchstens sechs Jahren einzubezahlen. Ein Teil des Bodens (etwa ein Drittel bis ein Viertel davon) muß unbepflanzt bleiben und wird den Mitgliedern der „Achusa“ nach ihrer Einwanderung ins Land für Anbringung von Gemüsegärten und andere ähnliche Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Erwerbung des Bodens geschieht in Form von Kauf oder langjähriger Pachtung, je nach der künftigen Form des Bodenbesitzes im Lande. Die Erwerbung ,wird vom Palästina-Amt vermittelt. Die erste Gründungsversammlung bestimmt die Größe der Anteile, die die Zeitpunkte der einzelnen Einzahlungen (jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich), die Zusammensetzung der Verwaltung und des Aufsichtsrates, der Revisionskommission, die Kompetenz dieser Organe, sowie Ort und Stelle der Aufbewahrung der Gelder. Für die Erledigung der folgenden Fragen ist die Berufung der allgemeinen Versammlung obligatorisch: 1. Erwerbung des Bodens (Ort, Bedingungen usw.), 2. Größe der Bodenfläche. 3. Sanktionierung des allgemeinen Wirtschaftsplanes für die gemeinsame Wirtschaft, 4. für die Errichtung der palästienensischen Verwaltung der „Achusa“ (Auswahl der Personen, Anstellungsbedingungen usw.), 5. Modus der Verteilung der Pflanzungen in einzelne Grundstücke und deren Überlassung an einzelne Mitglieder, nachdem die Bäume aas volle Fruchtälter erreicht haben, 6. Bestimmung der Bedingungen, unter denen eine frühzeitige Aussonderung einzelner Mitglieder gestattet werden kann. Jüdische Arbeit während der Periode der gemeinsamen Wirtschaft ist obligatorisch. Es wird empfohlen, die Mitglieder beim Eintritt darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich der künftigen Form des Bodenbesitzes im Land© unterordnen müssen. Gegensätze Im „Hapoel * Hazair“ Auf der letzten Konferenz des Hapoel-Hazair in Jaffa kam es bei den Verhandlungen über die Programmfrage zu scharfen Meinungsäußerungen. Seit einiger Zeit machte sich nämlich innerhalb der Organisation eine Störung geltend, den Sozialismus als einen offiziellen Punkt in das Programm laufzunehmen. Die Vertreter dieser Forderungen begründen dies damit, daß sämtliche Mitglieder der Organisation ja ohnehin dem Sozialismus huldigen und sich: als solche in den Dienst der Wiedergeburtsidee des jüdischen Volkes und des Landes stellen. Die Tatsache, daß der Sozialismus offiziell im Organisationsprogramm nicht erwähnt wird, gibt vielfach zu Mißverständnissen Anlaß, die den Gegnern aus den Arbeiterkreisen eine dankbare Waffe in die Hand geben, den Hapoel- Hazair als eine antisozialistische Bewegung zu be-