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Das jüdische Echo · 1919-02-21 · 8 (21.2.1919) · p. Seite 93

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
8 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 93 halbe Million Rubel für Kulturzwecke aufbrachte und die hebräische Kulturgesellschaft „Tarbuth“ führten das Kulturwerk, das die autonomen Institutionen begonnen hatten, weiter bis zu dem Augenblick, wo mit dem neuen Siege der Demokratie in der Ukraine auch die jüdische Autonomie neu erstanden ist. Der Misrachi in Deutschland. Aus Müncht Augud'as-Kreisen wird geschrieben: „Ihr Berichterstatter aus Frankfurt a. M., dessen Notiz Sie in Nr. 5 Ihres geschätzten Blattes veröffentlicht haben, scheint über die Vorgänge innerhalb der .Agudas Jisroel* nicht gut informiert zu sein; jedenfalls ist sein Bericht so gefaßt, daß beim Leser Vorstellungen entstehen, die den Tatsachen nicht entsprechen. Ich möchte daher zur Richtigstellung folgendes bemerken: Die Casseler Tagung hat gezeigt, daß zwischen Erwachsenen und Jugend innerhalb der ,Aguda‘ volle Einigkeit herrscht, daß also auch die Aguda- Jugend gewilitt ist, diese .separatistischen Wege* weiter zu wandeln. Unzählige Male wurde auf dieser Tagung der religiös-nationale Charakter des Judentums hervorgehoben, ebenso oft aber auch betont, daß für die Gesetzestreuen der Eintritt in die zionistische Organisation unmöglich ist. Der Satz: ,Die jüdische Nation und die jüdische Religion bilden eine untrennbare Einheit*, den Ihr Berichterstatter als Beweis für den neuen Kurs innerhalb der .Aguda* anführt, stammt von Herrn Dr. J. Breuer aus Frankfurt a. M. und begründet den .Separatismus* der Aguda. Hätte der Berichterstatter die Resolution, aus der er zitiert, genau gelesen, dann wäre ihm folgender Satz nicht entgangen: ,Der jüdische Nationalismus hat mit dem politischen, im besonderen dem zionistischen Nationalismus nichts gemein*. Wenn der Berichterstatter sich darüber wundert, daß .sogar* in Anwesenheit des Herrn Rosenheim und ,in Frankfurt selbst* die erwähnte Resolution gefaßt werden konnte, so sei erwähnt, daß Herr Rosenheim es war, der auf dem Casseler Delegiertentag den nationalen Charakter des Judentums betonte und von der Aguda nationale Betätigung forderte.“ M. A. Misrachi und „Hgudas Jisroel“ Von besonderer Seite geht uns nachstehend veröffentlichter Briefwechsel zwischen der Leitung des Misrachi und der „Aguda“ zu, der nicht prinzipielles Interesse entbehrt. D. Red. Berlin NW. 23, den 20. Januar 1919. An die Schweizerische Landesorganisation der Agudas Jisroel, Zürich (Schweiz). Wie wir annehmen, ist bereits von der zionistischen Organisation in Kopenhagen die Nachricht an Sie gelangt, daß sie uns beauftragt hat, die weiteren Verhandlungen mit Ihrer Organisation von uns aus zu führen. Wir erfüllen gern die uns dadurch auferlegte Pflicht, zu dem von Ihnen und dem Kopenhagener Büro geführten Schriftwechsel nun unsererseits Stellung zu nehmen. Bevor wir auf den Inhalt der verschiedenen Schreiben selbst eingehen, macht es uns eine ganz besondere Freude, vor allem zwei Tatsachen zu konstatieren: Erstens, daß führende Kreise der Agudas Jisroel zu dem Entschluß gekommen sind, mit der zionistischen Leitung in Verbindung zu treten, zweitens, daß die zionistische Organisation bestrebt ist, einen Weg zur gemeinsamen Arbeit zu finden, wie sie dies durch den uns gegebenen Auftrag bekundet. In Ihrem ersten Schreiben haben Sie an die zionistische Leitung die Anfrage gerichtet, ob sie imstande und bereit ist, eine bindende Erklärung darüber abzugeben, daß alle in Palästina zu treffenden öffentlichen Einrichtungen auf dem Boden der Torah, ihrer schriftlichen und mündlichen Gesetze, geschaffen und geführt werden. Das Kopenhagener Büro hat statt einer Antwort Bezug genommen auf die früher von der zionistischen Leitung abgegebene Erklärung, nach welcher die zionistische Organisation nichts unternehmen werde, was gegen das Religionsgesetz verstößt, hat aber im übrigen die Erteilung einer erneuten Erklärung abgelehnt, so lange nicht von den innerhalb der zionistischen Organisation organisierten Gesetzestreuen oder von den orthodoxen Massen des Ostens eine dahingehende Anfrage gestellt werde. Es läge nun für uns nahe, unsererseits diese Anfrage aufzunehmen und sie an das Aktionskomitee zu richten. Wenn wir dies nicht tun, so geschieht dies darum, weil wir korrekterweise vom Aktionskomitee nur folgende Antwort erhalten können: „Sie fragen uns an, ob wir bereit und in der Lage sind, eine religiöse Garantie zu geben. Eine Antwort, die wir Ihnen erteilen, wäre aber nutzlos, denn wir sind eine demokratische Organisation und können nicht wissen, ob die Führer von heute auch die Führer von morgen sein werden. Da wir aber eine demokratische Organisation sind, gibt es für Sie einen unbedingt sicheren Weg, Ihr Ziel zu erreichen: Veranlassen Sie möglichst zahlreiche Gesetzestreue zum Eintritt in die zionistische Organisation und majorisieren Sie uns!“ Die einzige Instanz, die bindende Erklärungen in der Zionistischen Organisation abgeben kann, ist der Kongreß. Unser Ziel muß also sein, auf den Kongreß mit derjenigen Anzahl von Delegierten zu kommen, die es uns ermöglicht, den Aufbau des Landes in dem Geiste zu beeinflussen, den wir für den wahrhaft jüdischen halten. Dazu kann uns nicht das Aktionskomitee verhelfen, wohl aber richten wir an diejenigen von der Agudas Jisroel, die noch nicht gleichzeitig unserer Organisation angehören, immer erneut die Aufforderung: „Wenn Ihr wollt, daß Palästina nicht nur dem jüdischen Volke, sondern auch dem jüdischen Geiste wiedergehören soll, dann helft uns durch Eintritt in unsere Reihen.“ Dies wollen wir vorausschicken, damit Sie verstehen, wie unsere Stellung zur Frage von religiösen Garantien seitens der Zionistischen Organisation sei. Was die Frage der praktischen Zusammenarbeit betrifft, so stehen wir grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß die zukünftige Verwaltung Palästinas, wenn es dem jüdischen Volke als Heimstätte gegeben wird, von einer einheitlichen Organisation beherrscht sein kann, die sich auf das gesamte jüdische Volk stützt, nicht aber von mehreren Organisationen, auch wenn diese Hand in Hand arbeiten. Daß dies unsere Auffassung ist, ergibt sich ja schon aus der Tatsache, daß wir uns innerhalb der zionistischen Organisation zusammengeschlossen und nicht neben dieselbe gestellt haben! Wir sind selbstverständlich auch unsererseits gern bereit, alle Möglichkeiten zu prüfen, die sich für eine etwaige gemeinschaft-

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