Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1919-02-14 · 7 (14.2.1919) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102975-9139939--02635-9075455
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 7 Das Jüdische Echo 8* oder amerikanische Truppen Leben und Eigentum der Juden schützen, da andernfalls die Juden das Schlimmste zu gewärtigen hätten. Der Aufbruch nach Palästina. Das Kopenhagener Zionistische Bureau erhielt vom Londoner Zionistischen Bureau ein Telegramm folgenden Inhalts: „Die zionistischen Organisationen müssen darauf aufmerksam gemacht werden, daß eine Einwanderung nach Palästina nicht unternommen werden kann, bevor seitens des Londoner Bureaus eine entsprechende Benachrichtigung erfolgt. Für Personen, welche vor einer solchen Benachrichtigung abreisen, kann eine Verantwortung nicht übernommen werden. Gez. Weizmann, Jacobson.“ Das Telegramm der Herren Prof. Weizmann und Dr. Jacobson bestätigt seitens der Londoner Organisationsleitung die Auffassung, daß die Einwanderung nach Palästina nur nach einem einheitlichen Plan erfolgen darf, der mit allen politischen Sicherungen und den wirtschaftlichen Bedingungen und Notwendigkeiten rechnet. Diese systematische Einwanderung ist die unseren nationalen Zielen entsprechende, und für sie allein kann die zionistische Organisation die Verantwortung übernehmen. Ludwig Geiger gestorben. Ludwig Geiger ist tot. Wir würden uns einer — nach jüdischem Grundsatz auch einem Toten gegenüber unstatthaften — Unaufrichtigkeit schuldig machen, wollten wir sagen, daß diese Nachricht in der jüdischen Welt ein Gefühl der Trauer auslösen wird. Ludwig Geiger gehörte zu den, auch in den weiten Kreisen derer, die ihr Volkstum verleugnen, sicherlich nicht allzu Zahlreichen, die bewußt auf den Untergang des Judentums hinarbeiteten. Er hat diese Gesinnung während eines langen einflußreichen Lebens in Schrift und Wort und als Führer in der ersten jüdischen Gemeinde Deutschlands auch in Tat bekundet. Von zwerghaft kleinlicher, jeder freieren und tieferen Auffassung der Dinge unzugänglicher Geistesart — damit ist die menschliche und wissenschaftliche Bedeutung des Mannes gekennzeichnet — hat er diese mit Selbstbewußtsein gepaarte seelische und intellektuelle Unzulänglichkeit auch in jüdischen Dingen verhängnisvoll bewährt. Eine seiner letzten Geistesoffenbarungen war die im Hinblick auf die Forderung gleichen Gemeindewahlrechtes geäußerte Ansicht, die Besitzenden seien auch die geistig und sittlich Wertvolleren. Seine schwerste, seinen Lebensabend umdüsterndie Sorge war die siegreiche Durchsetzung des zionistischen Gedankens; mit Grauen erfüllte Abraham Geigers würdelbsen Sproß die Verheißung neuer jüdischer Staatlichkeit. Sein Leben war ein fortgesetzter täglich sich erneuernder Verrat an seinem Volk. Aus der jüdischen Welt Schweiz. Konferenz Jüdischer Nationalräte in der Schweiz. Das „Jüdische Korrespondenzbureau Zürich“ teilt mit: Gegen den 20. Februar treten in der Schweiz Vertreter der jüdischen Nationalräte, die sich überall in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie, in Polen, Rußland und in der Ukraine gebildet haben, zusammen. Es soll eine gemeinsame Repräsentanz der national organisierten Judenheit geschaffen werden und ein Programm der nationalen Forderungen auf der Grundlage der drei Punkte des Manifestes des Kopenhagener Zionistischen Bureaus ausge^rbeitet werden. Diese Vertretung soll aus ihrer Mitte eine kleine Delegation wählen, die die beschlossenen Forderungen vor der Friedenskonferenz vertritt. Aus der großen Zahl der uns bereits bekannten Delegierten seien die folgenden genannt: Oberrabbiner Chajes, Dr. Thon, Dr. Straucher, Leo Hermann, Berthold Feiwel, Ussischkin, Achad1 Haam, Rabbiner Abramson, Kreinin, Grusenberg. Weltkonferenz der gesetzestreuen Judenheit. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, haben zu der internationalen Konferenz aller gesetzestreuen jüdischen Verbände, die durch das Zentralbureau der Agudas Jisroel für den 18. Februar nach Zürich einberufen wurde, bisher etwa 75 Delegierte, die elf verschiedene Länder vertreten, ihr Erscheinen angekündigt. Die gesetzestreuen Rabbinerverbände von Deutschland, Galizien und der Bukowina, Holland, Polen, Rußland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika entsenden Delegierte zu dieser Konferenz. Die Konferenz wird sich mit all den durch die Neugestaltung der politischen Verhältnisse aufgeworfenen Fragen beschäftigen, die eine Lösung im Sinne der vom Thora-Judentum vertretenen Forderungen verlangen. Die Palästinafrage nimmt unter den Programmpunkten selbstverständlich eine wesentliche Rolle ein. Polen. Bericht aus Warschau. Beim Empfang des Komitees der zionistischen Organisation in Polen durch die amerikanische politische Kommission schilderte Herr Farbstein ausführlich die tragische Lage der Juden in Polen. Die Juden müssen deshalb vor allem diejenigen elementaren bürgerlichen Rechte verlangen, die jeder Staat seinen Bürgern ohne Unterschied der Religion und der Nationalität gewähren muß. Um Reibungen mit der polnischen Gesellschaft zu vermeiden, verlangen die drei Millionen Juden in Polen nationale Minoritätsrechte. Farbstein legte genau dar, was die polnischen Juden unter diesen Minoritätsrechten verstehen und erläuterte, weshalb bürgerliche Gleichberechtigung allein ihnen nicht genügen kann. Er bewies auch wie grundlos die Behauptung der Polen von einer Gefahr des „Staates im Staate“ sei. Die Juden wollen loyale Staatsbürger sein, bei vollständiger Erhaltung ihrer eigenen Nationalität. Die Mitglieder der Kommission folgten aufmerksam den Ausführungen Farbsteins und erkundigten sich, ob ein friedliches Zusammen- Höchstpreise für Mazzos. Das Direktorium der Reichsgetreidestelle hat in Abänderung der Bestimmungen Absatz II Ziff. 3 , der Grundsätze im Hinblick auf die in den letzten ‘ Monaten stark gesteigerten Selbstkosten die Höchstpreise für Mazzos bei Abgabe an die Verbraucher wie folgt festgesetzt: für 1 Pfund Mazzos 95 Pfg. für 1 Pfund gern. Mazzos 1.10 M. Die Bestimmungen über Verpackung und Lieferung bleiben unverändert. Zentrale für Mazzosversorgung G. m. b. H.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.