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Das jüdische Echo · 1919-02-14 · 7 (14.2.1919) · p. Seite 82

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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82 Das Jüdische Echo Nr. 7 tig von jedem Verkehr abgeschnitten. Man erfährt nur, daß angeblich 40 Regierungsmandate und 80 sozialdemokratische Mandate durchgegangen sind. Die Ziffern erscheinen unwahrscheinlich; man muß annehmen, daß die Regierung den wahren Ausgang der Wahlen verheimlicht. Über die Ergebnise der Wahlen in Polen wird ferner aus Berlin gedrahtet: Die ersten Ergebnisse der Wahlen zur polnischen Konstituante werden jetzt bekannt. Hienach wurden vorläufig 8 Juden gewählt. Die Vertreter der Assimilänten sowie der „Agudas haorthodoxim“ wurden nicht gewählt. Unter den Gewählten ist der Zionist Rabbiner Dr. Osias Thon in Krakau mit 12 000 Stimmen gegen den früheren Abgeordneten Dr. Groß, der nur 2000 Stimmen erhielt. In Warschau wurde der zionistische Führer, Rechtsanwalt Griinbaum sowie 2 Volkisten gewählt. In Lodz wurde der Zionist Dr. Rosenblatt gewählt. * * Nach einer in letzter Stunde uns zugehenden Meldung über die Wahlergebnisse in Polen wurden insgesamt 14 Juden in den polnischen Landtag gewählt. Parteitag der „Poale Zion“ in Polen. Ende vorigen Jahres wmirde in Warschau der erste öffentliche Parteitag der jüdisch-sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Poale Zion) abgehalten. Anwesend waren 150 Delegierte aus 91 Städten, eine Delegation der Poale Zion in Westgalizien, Vertreter des Bureaus des allweltlichen Verbandes der Poale Zion, der Bruderparteien in Rußland, Österreich und Deutschland, sowie eine überaus große Zahl von Gästen aus Polen und dem Auslande. Die Eröffnungsrede hielt Herr Reichmann, der darauf hinwies, daß die derzeitigen politischen Verhältnisse die Einberufung des Parteitages dringend nötig gemacht haben. Hierauf wurden die Herren Reichmann-Warschau, Pinchas-Lodz und Weintraub-Radom ins Präsidium gewählt; zur Teilnahme aufgefordert wurden die Herren Serubabel-Kiew, Dr. Ing. Schipper-Krakau und S. Rubaschow-Berlin. Hierauf erstattete Herr Heiskind den Bericht der Parteileitung für die Zeit vom September 1917 bis Dezember 1918. Der Bericht zeigte, unter wie schweren Bedingungen die Arbeit der Partei geleistet werden mußte, wie sich die Okkupationsbehörden mit ihren Verfolgungen, Verhaftungen, Requisitionen und Schikanen als die getreue Nachfolgerschaft des Zarismus erwiesen hätten. Unter diesen Umständen sei die Partei gezwungen gewesen, eine illegale Tätigkeit auszuüben, illegale Versammlungen abzuhalten und infolge des Presseverbotes eine große Zahl von illegalen Flugschriften und Aufrufen zu verbreiten. Wie gefährlich diese Arbeit gewesen sei, bewiesen wohl am besten die folgenden Ziffern: In der Berichtsperiode wurden 101 Parteimitglieder mit 83 Monaten Gefängnis bestraft, die Geldstrafen betrugen 10 000 Mark, 20 Arbeiterheime wurden aufgelöst, 70 Ansuchen zur Eröffnung von Arbeiterheimen wurden nicht erledigt. Wenn der Bericht nach all diesen Verfolgungen darauf hinweisen könne, daß die Partei jetzt über 150 Organisationen mit 12 000 Parteimitgliedern und einem Jahresbudget von cä. 100 000 Mark verfüge, so sei damit wohl zur Genüge die Lebensfähigkeit und Aktivität dieser Bewegung erwiesen. Nach Abzug der Okkupationstruppen habe man sofort mit der Ausgabe der dreimal wöchentlich erscheinenden „Arbeiterzeitung“ angefangen, und in vielen Städten Selbstschutz-Organisationen gegen die Pogromgefahr gegründet. An den Wahlen zu den Arbeiterräten nehme die Partei mit großem Erfolge gegenüber anderen jüdischen Parteien einen sehr regen Anteil Nach einer kurzen Debatte wurde einstimmig das Ausscheiden aus dem russischen Verbände und die Vereinigung mit der westgalizischen Organisation zu einer gemeinsamen Partei beschlossen. über die politische Lage referierte Herr Jahrblum-Warschau, über die Aufgaben der Arbeiter- Räte Herr Pinchas-Lodz. Ein großes Interesse erregten auch die Referate von S. Rubaschow, Jahrblum imd Serubabel über die Arbeit der Partei für Palästina. Über die allweltliche Poale Zion-Konferenz und den allweltlichen Arbeiter-Kongreß referierte Serubabel. Nach diesem Referat w11^ das Verbandsbureau aufgefordert, in den nächsten Monaten eine allweltliche Poale - Zion - Konferenz enr^erufen, sowie die Arbeit zur Einberufung eines interparteiischen allweltlichen jüdischen Arbeiter-Kongresses energisch fortzusetzen. Die Juden in Polen unter dem Terror. Aus Warschau wird gedrahtet: Die Juden sind dem Terror ausgeliefert. In allen Teilen Polens sind sie den Angriffen des Pöbels und der gewalttätigen Ausplünderung durch die Soldaten ausgesetzt. Es ist gefährlich, das jüdische Nalewkiviertel in Warschau nachts zu passieren, da das Schießen der Soldaten kein Ende nimmt. Unter dem Vorwände, Waffen zu suchen, dringen die Legionäre in jüdische Behausungen ein und entwenden Waren und Geld. Juden, die die Przejazdstraße passieren, werden oft von den Soldaten in die Baracken gezogen; sie befreien sich nur durch ein Lösegeld. In Lemberg sind die Juden fortwährend Hausuntersuchungen, Angriffen, Plünderungen und Zwangsarbeit bei den Schanzen ausgesetzt. In Wloclawek wurden brutale Exzesse auf die Juden vom 5. bis zum 8. Januar organisiert. In Radzejew wurden die Juden gezwungen, dem Militärkommandanten 50 000 Mark zu zahlen; der Vorwand lautete, die Juden hätten nachts auf die polnischen SoH^ten geschossen. Ein bekannter Zionist, Dr. Rosenberger, der Vorsitzende des Jüdischen Nationalrates in Jaroslaw, wurde am 16. Dezember auf militärischen Befehl verhaftet, am 5. Januar in der Nähe von Krakau interniert, angeblich wegen politischer Gründe. In Jaworzno wurden alle neun jüdischen Mitglieder des Stadtrates gezwungen, ihr Amt niederzulegen. In Tarnow finden in der Nähe des Bahnhofes fortwährend Angriffe auf vorübergehende Juden statt. Es wurden bei den Behörden in Warschau und Krakau wiederholt Vorstellungen erhoben. Es wurden beschwichtigende Erklärungen abgegeben, aber der Terror dauert an. Die Äußerungen der Zentralbehörden bleiben den örtlichen Behörden unbekannt diese ermutigen die Feindseligkeiten der Bevölkerung. Angesichts der unzureichenden Verwaltung und der Ohnmacht und zeitweiligen Gesetzlosigkeit in Westgalizien, der heftigen Kämpfe in Ostgalizien und der allgemeinen Unsicherheit wäre es eine gebieterische Notwendigkeit, daß britische

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