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Das jüdische Echo · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. Seite 56

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 Das Jüdisch« Echo Nr 5 liehe Reform des Unterrichtes notwendig sein, wenn man diesen den Forderungen der Gegenwart anpassen will. Völlig verfehlt wäre es natürlich, dien Religionsunterricht noch weiter denen anzupassen, deren Ausscheiden befürchtet wird und daß durch Erleichterung in Wirklichkeit Verwässerung des Unterrichts verhindert werden soll. Die Aufgabe wird im Gegenteil nur darin bestehen, den Religionsunterricht gehaltvoller zu gestalten, so daß er seine Schüler am Ende der Schulzeit mit wirklichem jüdischen Wissen entläßt. Besteht auch weiterhin das Bedürfnis nach einem anspruchsloseren jüdischen Religionsunterricht, so wird es gesondert befriedigt werden müssen. Wir behalten uns vor, auf diese Fragen noch näher einzugehen. Aus der Jüdischen Welt Palästina. Ein industrielles Unternehmen. Wie wir erfahren, schloß sich1 in Lodz eine Gruppe jüdischer Großindustrieller zusammen, um eine Aktiengesellschaft mit 10 Millionen Mark Grundkapital zu gründen, die in Palästina eine große Weberei, Spinnerei und Appretur errichten soll Die jüdischen Fabrikanten in Lodz sind der Überzeugung, Palästina könne leicht ein Zentrum der Manufakturindustrie werden, mit Absatzmöglichkeiten im Orient und auf dem Balkan. Die Initiatoren dieser Idee sandten einen Delegierten nach Warschau, um dort mit dem Zionistischen Zentralkomitee für Polen die Angelegenheit zu beraten. Polen. Vorkonferenz der jüdischen Organisationen. Ende Dezember fand in Warschau eine Vorkonferenz der jüdischen Organisationen Polens statt, an der 498 Personen aus 144 Ortschaften, Vertreter von Gemeindeverwaltungen, Stadträte, Gewerkschaften, Kulturvereinigungen und Frauenvereinen teilnahmen. In manchen Städten fanden allgemeine Wahlen statt. In einer Reihe von Städten hatten die Rabbiner dem Drängen der Einwohner nachgeben und an der Konferenz teilnehmen müssen. Die Gegenpartei hatte eine starke Propaganda entfaltet, weil sie offenbar fürchtete, daß die zionistische Resolution allgemein von der jüdischen Bevölkerung angenommen werden würde. Diese Gegenarbeit konnte jedoch den günstigen Erfolg der Propaganda für die Konferenz nicht hindern. Das Mittel1, das von den Führern der Gegenpartei, welche den offenen Kampf scheuten, angewandt wurde, um die Bedeutung der Vorkonferenz herabzusetzen, war die Behauptung, daß diese nicht auf demokratischer Grundlage beruhe und eine bloße zionistische Veranstaltung sei. Diese Beschuldigung war natürlich ganz grundlos, da die Wähler nicht als Mitglieder der zionistischen Partei, sondern als Mitglieder der verschiedenen Vereine und Gruppen funktionierten. Daß trotzdem meistens Zionisten und Misrachisten gewählt wurden und nur eine kleine nichtzionistische Minderheit, die übrigens die zionistische Palästinaforderung voll unterstützt, ist der Ausdruck der allgemeinen Stimmung. Die Vorkonferenz wählte einen provisorischen Nationalrat und bevollmächtigte ihn, einen Vertreter zu der in der Schweiz einberufenen nationaljüdischen Representanz zu entsenden. Rußland. Das Leben der Juden in Moskau. Der Kiewer „Wieczernij Goloss“ meldet aus Moskau: Jedes gesellschaftliche Leben ist für uns unterdrückt. Alle Organisationen sind verpflichtet, beim Sowjet um Legalisierung nacbzusuchen. Die zionistische Organisation hat ihre Tätigkeit vollständig eingestellt. Es gibt keine Konferenzen, Referate, Vorträge mehr, die Tausende Zuhörer anzulocken pflegten, ebenso keine Konzerte der jüdischen Volksmusik. Unlängst wurde in einem Dekret die zionistische Bewegung als konterrevolutionär erklärt. Aber nicht nur dies bewog die Zionisten zum Abbruch ihrer Arbeit, sondern auch die ungünstige allgemeine Situation. Von allen jüdischen Parteien ist in Moskau jetzt einzig die poale-zionistische tätig. Von kulturellen Institutionen machen sich jetzt nur die dramatische Gesellschaft „Tarbuth“ und die Vereinigung „Hamabah“ bemerkbar. Der „Wieczernij Goloss“ schließt: Finster und traurig sieht es jetzt in der Judengasse Moskaus aus. Alles zerfiel. Das jüdische Leben ist einfach stehen geblieben. Vom Territorialismus zum Zionismus. Das Zentralkomitee der ITO in Rußland, das seinen Sitz in Kiew hat, faßte auf einer der letzten Sitzungen folgenden Beschluß: „Da die Frage der territorialen Lösung des jüdischen Problems im gegenwärtigen Augenblick nur im Sinne der Palästinabestrebungen entschieden werden kann, beschließt das Zentralomitee der ITO, mit der Zionistischen Organisation über eine Fusion in Verhandlungen einzutreten.“ Protestresolution gegen antisemitische Beschränkungen. Die Stadtverwaltung in Rostow am Don hat eine scharfe Protestresolution gegen eine reaktionäre Ordre des Generals Krasnow angenommen, der die alten antisemitischen Beschränkungen im Dongebiete wieder aufleben laissen will. Die Stadtverwaltung ^erklärt, daß General Krasnow mit seiner judenfeindlichen Ordre im Gegensatz zu den kostbarsten Errungenschaften der russischen Revolution stehe, indem er das alte Verfolgungs- und Bedrückungssystem wieder einzufühiren versuche, und fordert die sofortige Aufhebung der den Juden auferlegten Beschränkungen. Unterdes werden heftige antijüdische Proklamationen von General Krasnow verbreitet, der alle Schützer der Juden mit Ausrottung bedroht. Litauen. Unterstaatssekretär Dr. Rosenbaum als Vertreter Litauens auf der Friedenskonferenz. Das Pariser Blatt „L’Homme Libre“ vom 20. Januar meldet: Als Vertreter Litauens fungiert der Unterstaatssekretär Dr. Rosenbaum, der besonders hervorhob, daß im litauischen Staatswesen vier Nationen gleichberechtigt neben einander leben, daß die Weißrussen, Litauer, Juden und Pollen weiteste nationale Autonomie genießen. Auf diesem Gebiete wären keine Konflikte zu befürchten. Wohnung suchen 2 Studierende aus erster Familie ab Februar. Angebote unter „M. M. 300“ an die Exped. d. Bl.

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