Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. Seite 55

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9072829-9102975-9139864--02605-9075425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 5 Dm Jflditch# Echo 55 Vertretung: des Misrachi in Berlin. Die gelegentlich des Delegiertentages der deutschen Zionisten in Berlin abgehaltene Konferenz der Delegrierten des „Misrachi“ beschloß auf Antrag: des Herrn Sanitätrat Dr. Franck-Altona,- die Leitung: der Föderation „Misrachi“ nach Berlin zu verlegen. Vorbehaltlich der Zustimmung: der nicht anwesenden Mitglieder des Zentralkomitees wurden folgende Herren ins Zentralbüro gewählt: Hermann Struck, Vorsitzender, Sanitätsrjht Ör. Frarjck- Altona, Bibliothekar, Dr. Hermann Pick, Direktor Willi David, Rechtsanwalt Dr. Aron Barth. Die Konferenz nahm in einer Reihe eingehender Sitzungen zu dien Fragen der Organisation, der Palästina-Arbeit, zu den Kulturfragen und zum Jüdischen Kongreß Stellung. Zuschriften sind vorläufig zu richten an Hermann Struck, Berlin NW. 23, Brücken-Allee 33. Wiederbelebung der Misrachi-Bewegung in Ungarn. Die Misrachii-Bewegung in Ungarn, welche früher gute Erfolge verhieß, während des Krieges jedoch so gut wie ganz brach lag, zeigt in der letzten Zeit deutliche Spuren einer vielverheißenden Wiederbelebung. Der jüngst erfolgte gewaltige Umsturz, die wie über Nacht hereingebrochene fundamentale Umwälzung soll auch da durchgreifend Remedur schaffen, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß dieser Wandel einen nicht zu unterschätzenden, äußerst wertvollen Zuwachs für den Misrachi bedeuten wird. Kürzlich tagte eine große Misrachi-Konferenz in Budapest, bei der man viele neue und unerwartete Gesichter zu sehen bekam. Hunderte von Mitgliedern wurden neu angemeldet. Es wurde der Beschluß gefaßt, eine äußerst intensive Landesaktion in Angriff zu nehmen, Palästinabureaus in Budapest und Jaffa zu errichten, ein eigenes Misrachi-Preßorgan herauszugeben u. v. a. In Klausenburg, der Hauptstadt Siebenbürgens, bildete sich eine ansehnliche Gruppe von Kapitalisten auf misrachistischer Basis zum Zwecke einer Ansiedlung in Palästina. Die offizielle Orthodoxie in Ungarn ist wieder eifrigst bemüht, Vereinigungen unter dem ‘Titel „Jischuw Erez Israel“ ins Leben zu rufen, deren Aufgabe es sein soll, die Förderung der Kolonisation und einer intensiven Arbeit in Palästina auf religiöser Basis zu organisieren. Auch ^dieses Unternehmen verspricht angesichts der Begeisterung für Erez Israel, die unter der ungarischen Jugend herrscht, viel Erfolg. In Budapest, Preßburg, M. Sziget, Klausenburg, Großwardein usw. wurden bereits solche Vereine mit vielen Tausenden von Mitgliedern gegründet. Es ist anzunehmen, daß die geplante Zusammenarbeit dieser Vereine mit der bestehenden Misrachi- ■organisation keinerlei Schwierigkeiten begegnen wird. Ein Misrachi-Zionistisches Tageblatt in Budapest. Die „Allgemeine Jüdische Zeitung“ änderte ihren Besitzer und wird nunmehr von der literarischen Vereinigung „Esra“, welche ausschließlich aus Misrachi-Zionisten besteht, herausgegeben. Die Redaktion des Blattes wurde dem seinerzeitigen Redakteur „Der Welt“, Dr. Moritz Zobel, übertragen. Gründung der MIsrachi-Landesorganisation In der Schweiz. Var kurzer Zeit fand jn Luzern eine Konferenz der Ausschüsse der Misrachi-Vereine in der Schweiz statt, auf der die wichtigsten Tagesprobleme der Bewegung Gegenstand eingehender Beratungen waren. Nach längerer Debatte wurde einstimmig beschlossen, eine Landesorganisation ins Leben zu rufen, deren Vorsitz Zürich übertragen wurde. Bestimmend für diese Institution war die Tatsache, daß im heutigen Zeitpunkt der Schweiz eine sehr wichtige Rolle ’ im internationalen Leben zufällt und daß es daher von der größten Bedeutung auch für die gedeihliche Entwicklung des Misrachi ist, daß die gesamte Arbeit in einer Zentrale einheitlich organisiert ist. Außer der Leitung aller die Bewegung im allgemeinen angehenden Geschäfte wird dem Vorsitz Zürich auch das gesamte Pressewesen unterstellt. Entsprechend einer Anregung aus der Mitte der Kommission wurde die Bildung eines Informationsbureaus für Palästina beschlossen, welches dem Vorsitz angegliedert werden soll. Der Vorsitz ist wie folgt konstituiert: Präsidium: A. J. Rom, M. Berlowitz. Sekretariat: T. Aktuaryus, H. A. Goodman. Kulturelle Angelegenheiten: Prof. G. da Fano. Finanzwesen: Jos. Teplitz. Nationalfonds¬ und Schekel-Kommissär: Louis Braun (Luzern). Ferner gehören dem Vorsitz an die Herren Benny Dokow und A. Weingarten, Vorsitzende der Misrachigruppen Luzern und Basel. Der „Misrachi“ in Ägypten. Laut einer Meldung der New Yorker' „Haibri“ ist es geglückt, die Rabbiner in Kairo und Alexandrien zu bewegen, eine Misrachi-Organisation auch in Ägypten ins Leben zu rufen. Es soll in Bälde eine Zusammenkunft der Misrachisten Ägyptens stattfinden, um eine größere Propaganda im ganzen Lande zu entfalten. Aufhebung des obligatorischen Religionsunterrichtes in Bayern. Das bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus hat durch eine Verordnung bestimmt, daß „gegen den Willen der Erziehungsberechtigten Kinder nicht zur Teilnahme am Religionsunterrichte angehalten werden können.“ In Durchführung des Grundsatzes wird dann weiter bestimmt, daß „auf Grund einer schriftlich beim Schulleiter oder Lehrer abgegebenen Willensäußerung des Erziehungsberechtigten die Schüler oder Schülerinnen ohne weiteres von dem Besuche des Religionsunterrichtes entbunden werden können.“ Diese Neubestimmung findet natürlich auch auf den jüdischen Religionsunterricht Anwendung, der dadurch seines obligatorischen Charakters entkleidet ist Welche Folgen diese Verordnung für den Stand des jüdischen Religionsunterrichtes in den bayerischen Schulen haben wird, muß die Zukunft lehren. Wir würden es selbstverständlich sehr bedauern, wenn eine größere Zahl jüdischer Eltern ihre Kinder nunmehr ohne jede Unterweisung in der jüdischen Religionslehre aufwacHVen ließen, andererseits wird der Wegfall des Unterrichts-. Zwanges für die Rabbiner und Lehrkräfte ein An-; sporn sein müssen den Unterricht so zu gestalten, daß ältere Schüler gerne freiwillig daran teilnehmen. So wie der Unterricht gegenwärtig in manchen Gemeinden und1 von einzelnen Lehrkräften erteilt wird, hat er sich die Sympathie von älteren Schülern nicht immer erworben. Es würde sowohl nach der Seite des Lehrprogramms als im Hinblick aut seine Durchführung eine wesent-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.