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Das jüdische Echo · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Das JBifischt Echo Nr. 5 Logik mahnen. Aber eines mögen sie sich gesagt sein lassen: an derartigen Kampfmethoden ist das alte Österreich! zugrunde gegangen. Wer es mit dem neuen Österreich gut und aufrichtig meint, möge sich hüten, das alte garstige Lied weiter herunterzuleiern. Die Judenfrage hat mit dem Wahlkampf zur Nationalversammlung nichts zu tun und man möge die Juden endlich ein wenig in Ruhe lassen. Es heißt, die Intelligenz der Wählerschaft höchst gering einschätzen, will man annehmen, dieselbe mit solchen Geschichten und Geschichtchen beeinflussen zu können. Die neue Zeit sollte doch auch neue Lieder bringen — oder vielleicht nicht? ... J. K. Vom „Misrachi“ Der „Misrachi“ in Palästina. Unter der Leitung angesehener Rabbiner, wie Chacham Baschi Uziel, Rabbi Zitron und Ostrowski hat dlie Misrachi-Bewegung sin Erez-fsrael die glänzendsten Erfolge zu verzeichnen. In sämtlichen Städten und Kolonien des Landes befinden sich ansehnliche Ortsgruppen, von -lenen eanz besondere Erwähnung diejenige in Judäa verdient, welche allein über 1000 wohlorganisierte Mitglieder aus allen Kreisen der Einwohnerschaft zählt. Dank dieser kräftigen Einigung erzielte der Misrachi bereits wichtige Erfolge auch auf dem Gebiete der allgemeinen jüdischen Tätigkeit im Lande. Als eine Zweiggruppe des Misrachi wurde die Organisation „Zeirei Erez Israel“ gegründet, welche den Zweck hat, die aui dem Boden des 2KH* thöfjcc Im HJdtfcicg nimmt Ölt fllundßu* ^ugetiö aut^ frtlra HJicöccauf&nu $cfeäett£ ifyte ausgeprägte Stellung unter Öen Öcuffrfjen lüufhlerten 3*ltfdjrlften ein. £ie iß nadj tote not öle ÄtcWitigäleftüte tttte* Jefleri/ Öer ernß unö uorueteilsloS Öen 5eit* gtlß Uerfolgt ßejugsprels ulertetfä^rlleß Ulf. 7.50 (£urf}fjanÖel oder poß) llnmlttelöar öom Oerlag In Sollen öctparft mit Porto, In Oeutf^IanÖ Ulf. 10,* Im SfoolatiÖ Hi!, fo.fo pxaöeöänöe 4 Hummern enthaltenö '■■■- litt. 1.50 Clngtlne Hummern Hlf. ~.7o Hering öer ,Jugenfl' Ötändjen, lefflngße. i Misrachi stehenden jungen Leute in Palästina zu vereinigen und sie zu erziehen für Thora und Arbeit. Es ist noch zu erwähnen, daß eine ganze Reihe von bisher isolierten religiösen Erziehungsanstalten, so namentlich einige Talmud-Thora- Schulen der deutsch-jüdischen Orthodoxen in Palästina sich der zionistisch-misrachistischen Leitung unterstellt haben. Der „Misrachi“ in Deutschland. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Agudas Israel. Aus Frankfurt a. M. wir berichtet: Bereits seit längerer Zeit machen sich Strömungen innerhalb der Agudas Israel geltend, die dem bisherigen Kurs zuwiderlaufen. Bezeichnend hierfür ist ein Aufruf, der von den Berliner Jugendgruppen aus verbreitet wurde und worin nicht nur nationale Betätigung und Palästina-Arbeit, sondern eine Gemeinsamkeit bei Vertretung nationaler Forderungen mit zionistischen Organisation verlangt wird. Obwohl in den jüngst aufgestellten Richtlinien der „Agudas Israel“, die in Nummer 49 des „Israelit“ vom 5. Dezember wiedergegeben wurden, ausdrücklich „das Herausarbeiten des Gegensatzes zwischen Aguda und jeglichem anderen Nationalismus, gefordert wird, sehen wir doch, daß die Agudajugend nicht gewillt ist, diese separadistischen Wege weiter zu wandeln. So konnte es sogar in Frankfurt a. M. selbst und in Anwesenheit des Agudaführers, Herrn Jakob Rosenheim Vorkommen, daß folgende Resolution mit großer Mehrheit angenommen wurde: „Die jüdische Religion und, die jüdische Nation bilden eine untrennbare Einheit. Die Bereitstellung der jüdischen Nation und des jüdischen Landes für ihre Wiedervereinigung unter der Herrschaft Gottes und seiner Thora nach prophetischer Verheißung ist unsere Aufgabe...“ „Jede Ortsgruppe der Agudas Israel hat die Juden zu werben und zu sammeln, die bereit sind, nach Erez Israel zu1 ziehen. Erez Israel muß in der Zerstreuung der geistige Mittelpunkt der in Gottes Recht geeinten und organisierten Nation werden.“ * * * Propaganda -Abend der Berliner Misrachigruppe. Der zweite Werbeabend der Berliner Misrachigruppe war von 800 Ppsonen besucht. Diese Tatsache allein beweist, welch hohes Interesse die thoratreuen Juden Berlins dem Misrachi und seiner Arbeit entgegenbringen. Besonders erfreulich war, daß auch die Mitglieder der Agudo zahlreich vertreten waren. — Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy, der erste Referent, betonte, daß heute jeder religiöse Jude sich dem Misrachi anschließen müsse, sonst laufe die Orthodoxie Gefahr, die Jugend hier und im Osten zu verlieren. — Dr. Hermann Pick, der zweite Redner, legte die Ziele des Misrachi klar. Er betonte, daß das Programm des Misrachi und die Zugehörigkeit so vieler Gedolim aus dem Osten zu dieser Vereinigung die beste Gewähr dafür bieten, daß die Interessen der thoratreuen Juden in jeder Beziehung gewahrt werden würden. So sehr der Zusammenschluß der thoratreuen Juden in der Aguda zu begreifen wäre, so könnte man doch daran zweifeln, ob sie die gegebene Vertretung des gesamten jüdischen Volkes sei in diesem Augenblicke, wo es sich darum handelt, auf politischem Wege den Versuch zu machen. Palästina für das jüdische Volk zu sichern. Den Reden schloß sich eine sehr interessante Aussprache an. Am Schluß des Propaganda-Abends meldeten gegen 200 Mitglieder ihren Beitritt zur Berliner Misrachigruppe an.

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