Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 5 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 53 ausgesprochen, daß Palästina durch die Friedenskonferenz unter britische Sachwalterschaft (trusteeship) gestellt werden möge.“ Es sei hier auch festgestelitt, daß auch der unlängst stattgefundene Delegiertentag der deutschen Zionisten ganz gleichklingende Forderungen aufstellte. Der zionistische Kongreß in London. Aus London wird berichtet: Der zionistische Kongreß beginnt am 11. Februar und dürfte drei Tage dauern. Die Delegiertenwahl findet auf Grund des. § 40 des vom 10. zionistischen Kongreß angenommenen Statuts statt. Das Londoner Zionistische Büro berichtet, daß dieser Kongreß nicht den Charakter einer allgemeinen Zionisten- Tagung haben wird; eine solche werde jedoch womöglich in allerkürzester Zeit einberufen werden. Dazu wird aus Stockholm telegraphiert: Die allierten Regierungen haben ihre Einwilligung dazu erteilt, daß an dem vom 11. bis 13. Februar in London stattfindenden Zionisten-Kongreß neben den zionistischen Organisationen der allierten und neutralen Länder auch die im ehemaligen österreichisch-unp’arischen Gebiete befindlichen zionistischen Organisationen teilnehmen. Einem ergänzenden Bericht des Kopenhagener Zionistischen Büros zufolge werden zu der bevorstehenden Zionisten-Tagung in London nur die südslawischen, tschecho-slowakischen und eventuell auch die galizischen Zionisten zugelassen, dagegen nicht die Zionisten aus Deutsch-Österreich und Ungarn. Es wurden in dieser Richtung Schritte bei der englischen Regierung unternommen, deren Ergebnis noch abgewartet werden muß. Bürgerrecht der Juden Rumäniens. Aus Bukarest meldet Reuter vom 23. Januar: Das Judenproblem hat nun seine gesetzliche Lösung gefunden. Im Amtsblatt wird ein Dekret veröffentlicht, das sämtlichen in Rumänien sich aufhaltenden und angemeldeten Ausländern, für die keine fremde Regierung zuständig ist, die Naturalisierung gewährt. Ausgenommen bleiben nur die Fälle von Verrat, Spionage und Fahnenflucht. Die Wahlen in Deutschösterreich und die Juden. (Brief aus Wien.) Wien, 16. Januar. Der Wahlkampf in Wien ist in vollster Entwicklung. Der Aufmarsch aller Parteien ist bereits erfolgt und die Wahlkampagne läßt an Schärfe nichts zu wünschen übrig. Die neue Wahilkreisordnung und das Proporzsystem bringen es mit sich, daß die jüdischen Stimmen weniger als sonst zur Geltung kommen und man sollte annehmen, daß die Judenfrage diesmal eine kleinere Rolle als bei jeder Wahlkampagne spielen müßte. Nichtsdestoweniger bildet der Judenpunkt auch diesmal sozusagen den Mittelpunkt des Kampfes. Christlichsoziale und Sozialdemokraten reiten das „bewährte“ Steckenpferd, und wollte man nach der Haltung der „Reichspost“ und der „Arbeiterzeitung“ urteilen, müßte man annehmen, die Judenfrage bilde tatsächlich das Um und Auf des Wahlganges. Der Kampf spielt sich diesmal hauptsächlich zwischen den beiden extremen Richtungen, den Christllichsozialen und den Sozialdemokraten, ab. Die bürgerlich-demokratischen Parteien kommen weniger in Betracht. Zumindest ist dies hinsichtlich der Verhältnisse in Wien der Fall. Die obenerwähnten Gruppen raffen alle Kräfte zusammen, um den Sieg an ihre Fahnen zu fesseln. Um nun die Sozialdemokraten in den Augen der Volksmassen zu diskreditieren, haben die Herren von der „Reichspost“ das alte Schlagwort von der „Herrschaft der Juden“ hervorgeholft und versuchen es, die Dinge derart darzustellen, daß die Sozialdemokratie eigentlich eine „Judenpartei“ ist, die ganz unter dem Einfluß und der Führung der Juden steht — Beweis hiefür der Umstand,: daß angeblich nicht weniger als 12 Juden sich auf der sozialdemokratischen Kandidatenliste für Wien befinden und dies vornehmlich in den ersten Reihen — ergo wollen die Sozialdemokraten in Deutschösterreich eine „Judenherrschaft“ aufrichten.... Diese Weisheit wird tagtäglich in mannigfacher Garnierung verzapft und der Effekt könnte bloß eine wilde Judenhetzesein. Wie lächerlich diese Behauptung ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die Juden, als vornehmlich dem Mittelstand angehörend, haben an allem eher als an einer Sozialisierung des Wirtschaftslebens ein Interesse. Der Umstand, daß hie und da irgend ein Jude in den Reihen der Sozialdemokratie kämpft und sogar eine führende Rolle innehat, ändert nichts an diesem Stand der Dinge. Diese Juden haben übrigens mit dem Judentum soviel gemein, daß sie keine Nichtjuden sind. Sie treten weder als solche auf, noch machen sie jemals jüdische Politik. Es würde sich demnach kaum verlohnen, diesen absurden Vorwürfen entgegenzutreten. Allein, die Herren von der „Arbeiter-Zeitung“ revanchieren sich nach der bekannten Maxime: „Haust du meinen Judten, so haue ich deinen Juden!“ Die „Arbeiter-Zeitung“ hat die Enthüllung gebracht, daß ein gewisser Graf Auersperg einen Aufruf zur Sammlung eines großen Fonds erlassen hat, um die öffentliche Meinung und die Presse für den Kampf gegen den Sozialismus beeinflussen und gewinnen zu können. Aus dieser Angelegenheit wird nun eine „Judenaffäre“ konstruiert, mit der Behauptung, die sogenannte haute finance habe am stärksten zu diesem Fonds beigesteuert, ergo: beziehen die Christlichsozialen iüdische Bestechungsgelder — da doch die Großbanken „verjudet“ sind, der Kampf für die Reaktion werde somit mit Hilfe der Juden geführt, welche also auch für den Ausgang der Wahlen verantwortlich sein würden.... Es fällt nicht leicht, dem Labyrinth dieses Gedankenganges zu folgen. Wieder einmal ist es eine Tatsache, daß diese sogenannten „Judenbanken“ mit Juden und Judentum nichts gemein haben — und am wenigsten dürfte sich Graf Auersperg mit den Juden einlassen wollen. Aber in der Hitze des Gefechts wird dies seitens der Herren von der „Arbeiter-Zeitung“ übersehen und der beiderseitige Kampf gegen den angeblichen „Einfluß der Juden“ geht lustig vor sich. Jeder Wahlkampf bringt eine Verwilderung der Sitten mit sich und es wäre vergebliche Mühe, wollte man die Herren von der Strozzigasse und von der Linken Wienzeile zur Vernunft und zur