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Das jüdische Echo · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. Seite 52

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Das jädisclHi Ecfco Nr. 5 Pariser Regierung gegründete und1 geleitete St. Joseph-Universität in Bayruth — aufwachsende christlich-arabische Jugend und darüber hinaus die gebildeten Kreise des Syrertums sind tatsächlich der französischen Sache mit Leib und Seele ergeben. Französische Emissäre haben bereits in den letzten Jahrzehnten mit allen Mitteln das syrische Arabertum für Frankreich zu gewinnen gesucht und dabei nicht vor offenen Intriguen und Aufputschungsversuchen gegen die türkische Regierung zurückschrecken. Mit verdoppelter Kraft ist in dieser Richtung seit Kriegsausbruch und namentlich seit der Besetzung Palästinas durch die Engländer gearbeitet worden. Es ist bekannt, daß die syrisch^französische Irredenta nicht davor zurückgescheut hat, zionistische Kreise in ihre politischen Abenteuer zu verstricken. Im Bayruther Hochverratsprozeß, der die vornehmsten syrisch-arabischen Familien dem Türkengalgen ausllieferte, haben auch an das syrische Komitee gerichtete Schreiben zionistischer Führer eine gewisse Rolle gespielt. Was in den letzten Tagen und Wochen in Syrien selbst unter den Augen der ungeachtet des englischen Widerspruches eingesetzten französischen Verwaltung Galiläas und namentlich auch in den syrischen Kreisen des Auslandes an agitatorischer Wühlarbeit geleistet wurde, davon ahnt der Außenstehende kaum etwas. Die führenden französischen Blätter, vor allem ,.Matin“ und „Journal des debats“ entfalten eine ungezügelte Agitation für eine „enge Verknüpfung Syriens mit der Republik“. Man läßt sich Sympathiekundgebungen von Syrern in Frankreich und in Amerika drahten, in denen die Syrer selbst danach lechzen, unter Frankreichs -Protektorat gestellt zu werden. Die Marseiller Handelskammer, die natürlich am Levantehandei besonders stark interessiert ist, berief dieser Tage einen förmlichen syrischen Kongreß ein, der sich, einem neutralen Zeitungsbericht zufolge, zu einer imposanten Kundgebung für Frankreich gestaltete. In einem auf diesem Kongreß gehaltenen Referat über das syrisch-französiche Schulwesen wurde hervorgehoben, daß in den französischen Schulen Syriens — wohl mit Einschluß „unserer“ Alliance -Schulen! — nicht weniger als 40 000 Schüler erzogen werden. Das syrisch-palästi- ' nensische Problem stellt sich tatsächlich weiten Kreisen der französischen Öffentlichkeit als eine „zweite Frage der französischen Irredenta“ — „ein anderes katholisch-französisches Elsaß“, wie sich ein namhafter französischer Zeitungsschreiber ausdrückt —. dar. Der einflußreiche Herausgeber der „Revue hebdomadaire“ meinte in einer am 30. November zu Propaganda- Zwecken. veranstalteten „Conference“: „Es darf kein internationales Syrien und Palästina geben, nur einzig und allein ein französisches Syrien und ein französisches Palästina“. Ein französi- : .scher Funkspruch verbreitet den Wortlaut von an das syrische, Zentralkomitee in. Paris gerichteten sechzehn telegraphischen Kundgebungen des Komitees der Libanon-Syrer im Ausland und in den Kolonien, ,die sich für die Wiederherstellung. Syriens als Ganzes unter der alleinigen Leitung Frankreichs aussprechen. Es erhellt aus all dem in ieden Zweifel ausschließender Weise, daß die französich-palästinensische Politik ausschließlich auf den arabischen Faktor eingestellt ist; die Hegemonie Frankreichs in Syrien hat die Vormachtstellung des arabischen Elements zur Voraussetzung. Es erübrigt sich wohl, die verhängnisvolle Bedeutung einer Gestaltung des Palästinaproblems in der Richtung der französich-syrischen Aspirationen für unsere Palästinabestrebungen einer weiteren Erörterung zu unterziehen. Es würde das im günstigsten Falle zunächst eine wirtschaftlich und politisch verhängnisvolle Zerstückelung Palästinas und die endgültige Auslieferung seines zukunftsreichsten Teiles, Galiläas, an das christliche Arabertum bedeuten. Was aber eine franco-arabische Herrschaft in Galiläa auch für das vorderhand zahlenmäßig übermächtige arabische Element eines jüdischen Judäas bedeuten würde, braucht kaum eist hervorgehoben zu werden. In weiten Kreisen der französischen wie der englischen Öffentlichkeit scheint man sich des klaffenden englisch - französischen Interessengegensatzes in Bezug auf die Palästinafrage in immer wachsenderem Maße bewußt zu werden. Die französischen Blätter namentlich machen aus dieser sich immer mehr zuspitzenden und akut werdenden Divergenz kein Hehl. Diese englischfranzösische Diskrepanz scheint bereits auch hinter den in anheimelnd harmonischen Farbentönen gehaltenen Friedenskonferenz-Kulissen zum Gegenstand recht lebhafter Auseinandersetzungen geworden zu sein. Englands Entschluß, die Entscheidung über Palästina in die Hände des Völkerbundes zu legen, ist ein Weg zum Ausgleich. Wie dieser Ausgleich selbst ausfallen wird, darüber kann kaum ein Zweifel herrschen. Für England, das auf die Landverbindung nach seinem indischen Besitz und den Zusammenhang seines afrikanischen und asiatischen Kolonialreiches nicht verzichten kann, bedeutet Palästina keine Prestigefrage, sondern eine Lebensnotwendigkeit. Mit dem Rechte Englands geht das unverjährbare Recht des jüdischen Volkes Hand in Hand. Wohl aus dieser doppelten Erwägung hat sich bereits jetzt die Regierung Amerikas für die Anerkennung Englands als Schutzmacht Palästinas seitens des Völkerbundes ausgesprochen. Welcher Art die „Mißverhältnisse“ waren, die nunmehr durch die letzten Unterhandlungen Weizmanns mit Willson beseitigt worden seien, kann nicht * zweifelhaft sein; Wilson hat sich für England und für das jüdische Volk entschieden. Auch der ^Völkerbund, der gegen die Herren Clemenceau und Pichon ins Leben gehen wird, wird die Palästinafrage nicht zugunsten, sondern zu ungunsten Frankreichs entscheiden. Die Forderungen des jüdischen Volkes. Reuter verbreitet folgendes Telegramm: „Die Zionistische Organisation (Englands) stellt fest, daß jüdische Kongresse oder jüdische Nationalräte, die die Gesamtheit der jüdischen Bevölkerungen in den Vereinigten Staaten von Amerika, Palästina, Polen, Tschecho-Slovakien, Deutsch-Österreich, Bukowina. Ostgalizien. Rußland, Saloniki und Ukraine darstellen, die Forderung aufstellteh, daß die Friedenskonferenz Palästina innerhalb seiner historischen Grenzen unter solche politische, administrative und; ökonomisch e B ed in g un g en stelle, die seine Entwicklung zu einem jüdischen Gemeinwesen sichern. Die jüdischen Kongresse der Vereinigten Staaten und der Tscheeho-Slowäkei haben zudem den Wunsch

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