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Das jüdische Echo · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten llllllllllil!llllllllllllllllllllllll1llllilltllllli[|||llllll1llllll!llllllllllllllllllll[|IIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllillllllll!ll|||||||||lllllilllllllllllll||||||||||||lllllllllHllllllllilllllU!IIIIHinilllll Nummer 5 München / 6. Jahrgang 31. Januar 1919 Palästina und der Völkerbund. Von Leo Rosenberg:, Im Zusammenhang mit dem Bericht über die letzte Vollsitzung der Friedenskonferenz vom 25. ds. Mts. wird in neutralen und deutschen Blättern die Nachricht verbreitet, England habe sich bereit erklärt, die Entscheidung über das Schicksal der deutschen Kolonien, Mesopotamiens und Palästinas dem Völkerbünde zu überlassen. Man geht nicht fehl, wenn man diesen Entschluß der englischen Regierung, dessen außerordentliche Bedeutung und Tragweite niemand verkennen wird, als den Ausfluß eines politischen Interessenausgleiches hinstellt, wie er für den ganzen Charakter der großen weltpolitischen Liquidierungsaktion, wie sie die gegenwärtigen Friedensverhandlungen darstellen, bestimmend wird. Daß tiefgehende Gegensätze weltpolitischer Natur in Bezug auf die Lösung des Palästinaproblems tatsächlich bestehen und einen Austrag heischen, war schon seit langem für niemand ein Geheimnis, der sich im weitläufigen Getriebe weltpolitischer Einstellungen und Aspirationen einigermaßen auskennt. Die Erklärung des Pariser „Times“-Berichterstatters, die Unterredung des Wortführers der englischen Zionisten Weizmann mit Balfour und Wilson hätte das Ergebnis gehabt, daß gewisse Mißverständnisse der letzten Zeit bezüglich der Schaffung der nationalen Heimstätte der Juden in Palästina beseitigt worden seien“, konnte daher den Eingeweihten ebensowenig überraschen, wie die Tatsache, daß — einer New Yorker Meldung der „Basler Nachrichten“ zufolge — die amerikanische Regierung ihre Einwilligung zu einem im Aufträge des Völkerbundes auszuübenden englischen Protektorates über den errichtenden jüdischen Staat in Palästina erteilt hat, während eine gleichgeartete Erklärung seitens der anderen Verbündeten bis jetzt ausgeblieben ist. Daß die Haltung Italiens im Hinblick auf das syrische Problem keineswegs von Selbstlosigkeit eingegeben ist, ist längst bekannt; in seinem weitläufigen imperialistischen Soll und Haben bilden seine Schulen, Klöster und sonstige Gründungen in Palästina und Syrien verheißungsvolle Aktivposten, deren Verwandlung in Verlustposten es nicht tatenlos zuschauen wird. Als selbständiger Faktor kommt indessen Italien in dieser Beziehung im gegenwärtigen Moment, in dem die weltpolitischen Belange von den Königen und nicht von den Kärrnern entschieden werden, kaum in Betracht; seine Bedeutung erlangt es erst als Mitläufer der großen lateinischen Schwester, Frankreichs. Für die französische Politik ist der syrische Fragenkomplex von beherrschender, in einer jahrhundertealten Vormachtstellung und in jahrhundertelangen Bemühungen begründeter Bedeutung. Eine der ersten und einschneidensten Schritte der weitblickenden französischen Weltpolitik in diesem Kriege war das nunmehr bekanntgewordene franz.-engl.-russische Abkommen von 1915, das im wesentlichen auf ein französiches Protektorat in Syrien (wozu mindestens Nordpalästina—G a I i 1 ä a zu zählen wäre) hinausläuft. Daß man in den maßgebenden französischen Regierungskreisen an diesen Abmachungen auch nach der Balfourschen Erklärung vom 2. November 1917 unentwegt festzuhalten entschlossen ist, konnte für niemand einem Zweifel unterliegen, der französische Willenszähigkeit zu würdigen weiß. Zur völligen Gewißheit wird die Aufrechterhaltung der französischen Aspirationen in Syrien durch eine am 29. Dezember erfolgte Erklärung P i c h o n s in der französischen Kammer, dessen Wortlaut in einem Genfer Drahtbericht des „Berliner Tageblattes“ vom 30. Dezember wiedergegeben wird. „Frankreich — meinte Herr Pichon — habe in der Türkei Rechte zu wahren, so im Libanon, in Syrien und Palästina. Wir sind der Ansicht, daß die Abkommen zwischen England und Amerika fortbestehen (gemeint ist wohl das Abkommen von 1916, nach welchem Nordpalästina französisch werden sollte).“ Auf eine an B r i a n d gerichtete Anfrage des Sozialistenfühers Cachin führte dieser ergänzend aus: „Es kann darüber nicht zweierlei Deutungen geben. Ich habe mich bemüht, unsere Abmachungen zwischen den Alliierten über die Frage unserer Grenzen und unserer Rechte auf Kleinasien, die auf Jahrhunderte zurückgehen, zu regulieren. Die Abmachungen werden dem Friedenskongreß unterbreitet und dort zur Besprechung gelangen. Sicher ist es aber, daß England, um nicht wortbrüchig zu werden, sie wie wir neu ratifizieren wird.“ Dieses „Abkommen“ wird vom aufrichtigen „Manchester Guardian“ als eine „Infamie“ bezeichnet; „es tausche Völker wie Rindvieh und es ist unglaublich, wie es noch in Kraft sein kann“. Das Unglaubliche ist indessen in diesen Zeitläuften oft genug Ereignis geworden, und die Zauberkünste der Geheimdiplomatie werden schließlich auch den syrischen Kuhhandel fertig bringen. Man ist jedenfalls in Paris recht zuversichtlich, und schon werden sichtbare und unsichtbare Fäden hinüber gesponnen, um das syrische Arabertum, das zumindest in seinem kulturell und politisch führenden christlichen Element von jeher der französischen Orientpolitik schätzbare Schrittmaeherdienste leistete, für die französischen Protektoratsgelüste vollends zu gewinnen. Hier liegt für uns die Gefahr. Es muß offen heraus und ohne alle Umschweife festgestellt werden: Wird diesen französischen Aspirationen in Syrien Gelingen und nicht Enttäuschung beschieden, dann ist der Traum eines jüdischen Palästinas ausgeträumt. In gleichem Maße, wie Englands Palästinapolitik auf den jüdischen Faktor eingestellt ist, stützen sich die französischen Bestrebungen und Hoffnungen auf das syrische Arabertum. Die in franz. Jesuitenschulen und Hochschulen — der Mittelpunkt dieses syrisch - französischen Kulturimperialismus ist die von französischen Jesuiten unter weitgehendster und freigiebigster Unterstützung der

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