Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 4 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- Seite 43 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 43 von der Arbeit am Sabbath wird garantiert. Nähere Auskünfte erteilt der Vorstand der hiesigen Misrachi-Ortsgruppe, Justizrat Dr.Fränkel, Wagmüllerstrasse 16/III. Schleunige Meldung mit Rücksicht auf die vermutlich zahlreiche Bewerbung geboten Aus der Jüdischen Welt Polen. Wilson und die Lemberger Vorfälle. Das „jüdische Korrespondenzbureau Bern-Zürich]“ berichtet nach einem Telegramm des „Nowy Dziennik“ vom 28. Dezember: In einem Bericht mit derselben Aufschrift schreibt die „Nowa Gazeta“: „Von einer gestern aus der Schweiz zurückgekehrten Person erhielten wir die Nachricht, daß der Präsident Wilson die Empfangsbestätigung der ihm im Wege des Nationalkomitees durch die Verordnungen der Stadt Warschau und Krakau übermittelten Telegramme verweigert hat. Diese Nachricht ist ebenso bezeichnend) wie wahrscheinlich, wenn man einerseits die Abneigung des Präsidenten Wilson dem Komitee gegenüber, anderseits die durch die Lemberger Vorfälle hervorgerufene Stimmung der Umgebung des Präsidenten in Betracht zieht, in der sich ein paar Juden befinden. (Darunter vier Sekretäre, durch den bekannten New Yorker Finanzmann und Philanthropen Jakob Schiff, einen persönlichen Freund des Präsidenten, empfohlen.) Diese Umgebung und mit ihr der Präsident Wilson, sind der Ansicht, daß die Initiatoren und Leiter der antisemitischen Bewegung in Polen, welche die Pogrome zur Folge hatte, die im Nationalkomittee .-gruppierten Politiker und Richtungen sind.“ Daszynski über die polnische Judenfrage. Auf einer Wahlversammlung in Krakau sagte, wie das Jüdische Preßbuireau in Wien mitteilt, Daszynski in seiner Kandidatenrede über die polnisch-jüdische Frage u. a. folgendes: Der Konflikt zwischen den Pollen und Juden besteht darin, daß sich die ..Juden noch nicht poIonisiert haben. Krakau war vor 500 Jahren eine ausschließlich deutsche Stadt Aber die Deutschen haben wir schon längst verbaut, ihre Nachkommen sind ausgezeichnete Polen. Mit den Juden ist es nicht so. Sie blieben in Sprache, Sitten und Tracht abgesondert. Deshalb darf man sich nicht wundern, daß die Nation und der Staat ihnen, so lange sie in einem so hohen Prozentsatz unsere Städte bewohnen, kein Vertrauen schenkt und ihnen keine organischen Funktionen anvertrauen will. Die jüdische Gemeinde in Warschau. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Warschau hat sich an alle jüdischen Parteien gewendet je drei Mitglieder zwecks Kooptierung in die Gemeinde zu bestimmen. Dieser gehören jetzt außer den führenden Mitgliedern auch die Delegierten folgender 7 Parteigruppen an: Agudathi Haorthodoxim, Misrachi, Zionisten, Jeschurun, Assimilanten, Neo-Assimilanten und Handwerker. Die Linksparteien und Volkspartei lehnten die Beteiligung ab, indem sie die Durchführung neuer Wahlen fordern. Bei der letzten Delegiertenversammlung der Agudath-Haorthodoxim in Wiarschau waren 584 Delegierte aus allen Teilen Polen anwesend. Der Anschluß an die „Agudas-Jisroel“ wurde ein- - stimmig beschlossen. (Mitgeteilt aus Agudas-Jisroel-Kreisen.) Ukraine. Der russ. Zionistenführer N. Syrkin gestorben. Erst jetzt wird bekannt, daß N. Syrkin. der bekannte Zionistenführer, am 24. Dezember in Kiew verschieden ist. Während des Begräbnisses, an dem Vertreter aller jüdischen Institutionen und Organisationen, wie auch einzelne Militärabteilungen des ukrainischen Direktoriums teilgenommen haben, waren alle Geschäfte der Stadt gesperrt. Auf dem Stadthaus© wehte an diesem Tage eine schwarze Fahne. N. Syrkin wurde im Jahre 1878 geboren. Von Beruf Ingenieur-Technologe, veröffentlichte er viele Arbeiten in der technischen Fachliteratur. Seine hervorragende publizistische Tätigkeit auf jüdischem Gebiete begann Syrkin im Jahre 1897 mit einer Serie von Artikeln in „Hazefira“, „Woschod“ und „Budoschnost“. Im Jahre 1903 redigierte er in Warschau die jüdische Zeitung „Der Telegraph“. Den besten Teil seiner Lebenskraft, den größten Teil seiner Zeit widmete Syrkin der zionistischen Arbeit. Er war Mitglied des Zentralkomitees der russisch-zionistischen Organisation und tatsächlicher Führer der Partei in der Ukraine. In letzter Zeit war er Delegierter in die russische und ukrainische Konstituante, wie auch zum allrussischen jüdischen Kongreß. Im neuen Rate der jüdischen Gemeinde wurde Syrkin zum Vorsitzenden gewählt. Syrkin war überhaupt einer der energischsten Kämpfer für die Rechte des Judentums und die Seelle der zionistischen Bewegung in der Ukraine. Mit seinem Hinscheiden hat ein für das jüdische Volk und seine heilige Sache heißglühendes Herz zu schlagen aufgehört. Wie verlautet, war es sein letzter Wunsch, man möge seine sterblichen Überreste nach Palästina überführen. Galizien. Neue Pogrome in Lemberg. Dem „Jüdischen Korrespondenz - Bureau Bern - Zürich wird aus Mährisch-Ostrau gedrahtet: Ein neuer Angriff auf die Juden geschah am Samstag, den 29. Dezember in Lemberg. Polnische Soldaten umschlossen zwei Straßen des Judenviertels mit einem Kordon, plünderten alle jüdischen Häuser und Läden, verhafteten alle Männer und vergewaltigten mehrere Frauen. Zwei der letzteren sagten vor dem Jewish Relief Committee aus. Der Zivilgouverneur, an den sich eine jüdische Deputation protestierend wandte, behauptete nichts tun zu können, da es eine militärische Angelegenheit sei. Der Adjutant des Kommandanten, Oberst Sikorski, motivierte den Vorgang aus dem Haßgefühl der polnischen Soldaten gegen die Juden. Er erklärte der Deputation, die die Bestrafung der Plünderer und Schadenersatz verlangte, daß er nur zweitausend Kronen und einiges gestohlenes Eigentum restituieren könne. Schon am 18. Dezember waren polnische Soldaten in das Dorf Sokolniky bei Lemberg eingedrungen und hatten ale Juden, 40 an der Zahl, nach Lemberg geführt. Sie wurden nach wenigen Tagen freigelassen, bis auf einige, die dem Militärgericht wegen angeblichen Verrats ausgeliefert wurden. Die Lemberger Juden beschlossen, da ihre Kinder in den polnischen Schulen keine Aufnahme finden, eigene Schulen einzurichten. Am 1. Jan. wurde die erste jüdische Elementarschule in Lemberg eröffnet