Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 4 (24.1.1919)
- Date
- 1919-01-24
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Das Jldbck* Echo 41 zu, als derselbe sich mit den wichtigsten Lebensfragen zu befassen haben wird, die die Gegenwart und dlie Zukunft der Juden und des Judentums berühren. Die glaubenstreue Judenschaft, die bisher vielfach in politischer Hinsicht abseits stand und den anderen Gruppen die Führung überlließ, erscheint damit auf dem Plan und ergreift die Initiative in Fragen, die dias jüdische Leben nach innen und nach außen tangieren. Der Kongreß ist die Fortsetzung der Aktion, die vor Jahresfrist ihren Ausdruck in der Konferenz der glaubenstreuen Juden aus den Staaten der Mittelmächte in Frankfurt a. M. gefunden hat. Diesmal ist das Zentralbureau der „Agudas Jisroel“ in Zürich mit den Vorarbeiten betraut, um auch den Juden aus den Ententeländern und den neutralen Staaten die Beteiligung zu ermöglichen. In der nächsten Zeit dürfte die Tagesordnung des Kongresses veröffentlicht werden. Dann wird sich die Gelegenheit bieten, zu derselben eingehend Stellung zu nehmen. Heute mag nur soviel gesagt sein, daß der Kongreß sich mit der Lage ddr Juden in allen Ländern, mit der Friedenskonferenz sowie mit der Palästinafrage beschäftigen wird. Parteitag der holländischen Zionisten. Das Jüdische Korrespondenizbureau iim Haag meldet: Am 25. und 26. Dezember 1918 fand in Amsterdam der Parteitag der holländischen Zionisten statt. Der holländische Zionistenbund zählt heute 34 Ortsgruppen mit 2461 Mitgliedern (1917: 2205 Mitglieder). Für den jüdischen Nationalfond liefen im verflossenen Jahre 30 491.— Gulden (1917: 21 090.— Gulden) ein. Die Veranstaltung der Kongreßdemonstration, sowie diie Durchführung einer systematischen zionistischen Erziehungsarbeit hat das Leben des Bundes in diesem Jahre beherrscht. Der Vorsitzende des Bundes, Herr Nehemia de Lieme, wies in seiner Eröffnungsrede auf den Drang nach Palästina hin, der sich heute in allen jüdischen Kreisen zeigt, und der durch die Pogrome in starkem Maße gewachsen sei. Die Eroberung Palästinas werde zur Folge haben, daß Palästina nicht unter das türkische Regime zurückkehren werde. In England1 hat man seinem Erstaunen Ausdruck gegeben, daß ein Jahr nach der Erklärung Balfours noch nichts über die Grundsätze einer definitiven Palästinaregelung bekannt geworden sei. Man erachtet den Ausdruck „nationales Heim“ als zu vag. Der Redner erklärte es als einen ungerechtfertigten Mangel an Vertrauen in die englische Regierung, wenn man in England in dieser Weise auf eine nähere Umschreibung des Ausdruckes „nationales Heim“ andringe. Nur die Zionistische Organisation kann erklären, was sie unter „national home“ versteht. Wenn diese ihre Prinzipien in einem konkreten Vorschläge zum Ausdruck bringen wird, dann wird sich keine Macht ihrer Verpflichtung entziehen, die sich aus den bekannten Erklärungen ergibt. Der Redner ist davon überzeugt, daß England die Annexion von Palästina nicht wünscht und die ernste Absicht hat, dem jüdischen Volke zu ermöglichen, das zionistische Programm zu verwirklichen. Doch erklärte es der Redner als inopportun, sich für ein englisches Protektorat auszusprechen, so lange noch keine konkreten Vereinbarungen getroffen worden sind. Herr de Lieme schloß seine Rede mit den Worten, die das Volk Nehemia zurief: „Laßt uns aufbrechen und aufbauen!“ Herr Prof. Ornstein besprach in seinem Referate die Lage der Juden. Er erklärte das Streben nach nationaler Autonomie in dien Golusländern als undurchführbar und für den Zionismus schädlich. Der Parteitag nahm eine Resolution des Bundesvorstandes über die Forderungen der Zionistischen Organisation an. Ferner nahm der Parteitag auf Vorschlag des Herrn Jakob Landau folgende Resolution an: „In der Erwägung, daß — unbeschadet der Verhandlungsfreiheit der zionistischen Organisation, — die Diasporafragen, wie das Problem der bürgerlichen Gleichberechtigung und der nationalen Autonomie in den Golusländern, der Wiederaufbau der jüdischen Positionen in den Kriegsländer nur durch einen Weltkongreß gelöst werden können, daß die Aufgaben, vor denen wir in Palästina stehen, eine kollektive Kraftanstrengung aller jüdischen Kräfte notwendig machen, daß die Schaffung einer Vertretung aller nationalen Juden der ganzen Welt die Ausschaltung aller assimilatorischen Körperschaften von der Teilnahme an der Friedenskonferenz erwirken würde, daß die Abhaltung eines jüdischen Kongresses in Amerika, der drei Millionen Juden vertrat und die Schaffung der jüdischen Nationalräte in Rußland, Deutsch-Österreich, Böhmen, Galizien die Einberufung des jüdischen Weltkongresses ermöglichen, richtet der Parteitag einen dringenden Appell an die nationalen Organisationen aller Länder, sich in den Dienst des Gedankens des jüdischen Weltkongresses zu stellen.“ Die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien Gesetz. Das „Jüdische Korrespondenzbureau Bern-Zürich“ verbreitet folgende, dem „Echo de Paris“ vom 5. Januar entnommene Meldung: Das Zentralkonsistorium der fanzösischen Juden wandte sich an den Gesandten Rumäniens in Paris, Antonescu, mit dem Hinweis, daß die Zeit für die Lösung der Judenfrage in Rumänien gekommen sei. Herr Antonescu erwjderte in einem an den Präsidenten des Konsistoriums, Baron E. von Rothschild, gerichteten Schreiben, dem wir den wesentlichen Passus entnehmen: „Mit Recht erinnern Sie mich, daß Herr Bratianu in der Sitzung vom 10./23. Juni 1917 der rumänischen konstituierenden Versammlung die Dringlichkeit einer durchaus liberalen und vollständigen Lösung der jüdischen Frage anerkannt hat. Herr Bratianu, aufs neue Ministerpräsident geworden, hält sein Versprechen und vollendet den Akt der völligen, so lang erwarteten Emanzipation. Durch ein vom 23. Dezember 1918 datiertes Telegramm aus Bukarest teilt mir Herr Bratiianu mit, daß ein Dekret, das allen in Rumänien geborenen Juden das Bürgerrecht gewährt, in diesen Tagen Gesetzeskraft erlangt.“ Das „Jüdische Korrespondenzbureau“ bemerkt dazu: Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß die Bürgerrechte nur Juden, die ihre Geburt im Lande nach weisen können, gewährt werden sollen. Kenner der Verhältnisse, die wissen, dlaß dieser Nachweis besonders bei der älteren Generation schwierig sein dürfte, werden von diesem Gesetze keine große Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen der Juden erwarten.