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Das jüdische Echo · 1919-01-24 · 4 (24.1.1919) · p. Seite 40

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 Das Jütisch« Echo Nr. 4 soll in Erfüllung gehen: Über die Trennung der Diaspora hinweg ist das Judentum geeint und solidarisch geworden. Die Schmach der Zerstreuung ist beseitigt: das Judentum hat das Recht bekommen, Forderungen für seine nationale Zukunft zu erheben und selbständig für seine Zukunft zu entscheiden; es ist gleichberechtigtes Glied der Völkergemeinschaft geworden. Das heilige Ideal der jüdischen Geschichte ist realisiert, Palästina wird wiederum das Zentrum des Judentums werden und das heimatlose Volk wird eine Heimat wiederfinden. Welcher Jude muß sich nicht glücklich schätzen, in einer solchen Zeit zu leben und welcher Jude wird nicht die Gnade Gottes empfinden, daß es ihm vergönnt ist, Zeitgenosse dieser Erfüllung der heiligsten jüdischen Ideale zu sein und mitbauen zu können an der neuen Zukunft, die diese uralten Ideale vollends verwirklichen wird. Wir glauben, wenn man dem deutschen Judentum die so geschilderte Situation zeigt, wie sie liegt, daß es dann in seiner überwältigenden Majorität auf die Frage, die ihm heute gestellt ist, ob es mitbauen will an dieser neuen jüdischen Zukunft, bedingungslos mit einem „Ja“ antworten will. Nur muß es sich klar sein über die Schwere und Bedeutung der Entscheidung. Entweder es fügt sich ein dem jüdischen Volke und bekennt sich damit zum jüdischen Volkstum oder es leugnet dieses Bekenntnis und schließt sich aus von der jüdischen Gesamtheit Die Schicksalsstunde des deutschen Judentums ist gekommen und von der einschneidendsten Bedeutung für die Zukunft der deutschen Judenheit wird die Haltung sein, die sie in dieser Schicksalsstunde einnimmt, und die Antwort sein, die sie auf die Frage des jüdischen Volkes, ob sie sich ihm eingliedern will, geben wird. Eine neue Zeit ist für das deutsche Judentum gekommen und die neue Zeit hat auch den neuen großen politischen Gedanken bereits erzeugt, der sie charakterisiert und beherrscht! Das ist der Gedanke des jüdischen Kongresses. Nichts anderes bedeutet dieser Gedanke, der von Tag zu Tag und von Woche zu Woche immer mehr das eigentliche Thema des jüdischen Lebens in Deutschland wird, als eben die Antwort auf die Zukunitsfrage der deutschen Judenheit. Denn dies ist der Sinn und die Bedeutung des Kongresses: m ihm, durch ihn soll die deutsche Judenheit die Zukunftsfrage, die ihm das jüdische Volk und die jüdische Geschichte heute stellt, beantworten. Es soll ein Kongreß aller derjenigen sein, die im Bewußtsein ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen. Dies ist die einzige Voraussetzung, das einzige Kriterium des Kongresses. Nichts anderes wird verlangt; über alle Einzelforderungen soll der Kongreß selbst entscheiden. Zu der Teilnahme am Kongreß selbst ist lediglich das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum notwendig, und so wird in der Entscheidung jedes einzelnen deutschen Juden über seine Haltung zum Kongreßgedanken die Entscheidung fallen über seine Haltung zum jüdischen Volkstum, die Antwort auf die Zukunftsfrage, die ihm heute gestellt ist. Wenn man sich den Sinn des Kongresses klar macht, dann begreift man seine ungeheuere Bedeutung für das deutsche Judentum; niemals stand es vor einer schicksalsschwereren Entscheidung als jetzt,, da es zur Beteiligung am jüdischen Kongreß aufgefordert wird. Wir glauben, daß jeder einzelne deutsche Jude sich die Bedeutung dieser Frage klar macht, wenn er weiß, daß die Nichtteilnahme am Kongreß ein völliges Sichausschließen von der Gesamtheit des national organisierten und national anerkannten Judentums ist. Die große Majorität der deutschen Judenheit, jedenfalls der Teil derselben, in dem der Wille zum Judentum noch stark und lebendig ist, wird sich am Kongreß beteiligen. Und so wird der Kongreß zu der großen historischen Kundgebung des deutschen Judentums werden, in der dieses seine Solidarität mit dem gesamten jüdischen Volke vor aller Öffentlichkeit dokumentiert, in der es das Gelöbnis ablegt, ein treues Glied der jüdischen Volskgemeinschaft zu sein und mitbauen zu wollen an dem großen heiligen Werk der jüdischen Zukunft. Wilson über die jüdischen Forderungen. Professor Chajim Weizmann ist, wie aus Stockholm gedrahtet wird, in Paris vom Präsidenten Wilson empfangen worden. Über den Inhalt der längeren Unterredung geht dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm folgende Drahtmelflimg des Zionistischen Büros in London zu: „Präsident Wilson versprach Weizmann seine Unterstützung für die Etablierung eines ganzen und in seiner Entwicklung ungehinderten (full and unhampered) jüdischen Palästinas und sagte, daß bei der Friedenskonferenz Gelegenheit geboten werden würde, die jüdischen Forderungen in Bezug auf nationale Gleichberechtigung vorzutragen.“ Diese Nachricht wird durch folgende Meldung des Londoner Korrespondenten des Stockholmer Preßbüro ergänzt: Weizmann hatte am 14. Januar eine stundenlange Unterredung mit Wi'llson. Dieser hörte Weizmann wegen Schaffung eines wahrhaften jüdischen Palästinas sehr aufmerksam und mit äußerstem Wohlwollen an. Die zionistischen Führer erblicken in Wilsons Zusage die Gewähr für einen erfolgreichen Verlauf der Friedenskonferenz. Zu dieser Unterredung liegt ferner folgende Meldung des Pariser Korrespondenten der Times vor: „In den letzten Tagen ist nicht nur in Bezug auf die Polenfrage, sondern auch wegen der zionistischen Frage ein bedeutender Fortschritt zu konstatieren. Weizmann hatte lange Unterredungen mit Wilson und Balfour, mit dem Ergebnis, daß gewisse Mißverständnisse, die in letzter Zeit wegen der Schaffung eines nationalen Heimes für die Juden in Palästina aufgetaucht waren, beseitigt worden. Weltkongreß der glaubenstreuen Juden. Für den 15. Februar 1919 wird nach der Schweiz ein Weltkongreß der glaubenstreuen Juden einberufen, an dem Delegierte aus allen Ländern teilnehmen sollen. Es wird dies die erste Zusammenkunft von Juden aus allen Ländern, sowohl aus den Mittelstaaten als auch aus den Ländern der Entente, der Neutralen und Rußlands sein, der erste zwischenstaatliche Kongreß seit Ausbruch des Weltkrieges. Ist schon dieser Umstand an und für sich geeignet, der Zusammenkunft eine erhöhte Bedeutung zu geben — werden es doch,die glaubenstreuen Juden sein, die als erste die Verbindung wieder aufnehmen, die der Krieg zeitweilig unterbrochen hatte — so kommt dem Kongreß anderseits eine umso größere Tragweite

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