Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 3 (17.1.1919)
- Date
- 1919-01-17
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Dm JBtHsdw Echo 29 vatimtiative und Privatkapitall bedeutet für das jüdische Palästina Verzicht auf die Zukunft. Unsere Vergeseilschafter mögen sich dessen bewußt sein, daß durch die Verquickung unserer nationalen Lebensnotwendigkeit mit einem sozialen Ideal dem letzteren schwerlich1 gedient, die erstere tatsächlich gefährdet wird. Unsere Lebensfrage ist gegenwärtig die nationale Gerechtigkeit, nicht die soziale. Alle diejenigen, die nicht gewillt sind, die Gefährdung der nationalen Aufgabe durch ein vages soziales Ideal zuzulassen, haben indessen keinen Grund zur Zagnis. Die Pittsburger Beschlußfasser wie die Berliner Förderer und alle diejenigen, die ihres Geistes sind, haben schließlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unter britischer Flagge gedeiht die radikale Sozialreform Neuseelands, aber nie und nimmer ein bolschewistisches Palästina. Der Delegiertentag der „Hgudas Jisroei“ in Cassel. Die „Agudas Jisroei“ Jugendorganisation hatte zum 1. Januar ihren Delegiertentag nach Cassel einberufen. Trotz der außerordentlich schlechten Verkehrs Verhältnisse waren ca. 100 (Delegierte erschienen, die etwa 70 Gruppen vertraten. Der Delegiertentag wurde von Herrn Direktor Dr. Lange, Frankfurt, eröffnet. Nach Einsetzen einer Wahliprüfungskommission sowie nach der Bildung eines Büros wurde der Tätigkeitsbericht erstattet. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Führerinnen-Kurse, nachdem sie bis in die letzten Einzelheiten organisiert waren, durch die politischen und Verkehrsschwierigkeiten ausfiallen mußten. Das Verbandsorgan soll vom Beginn des neuen Jahrgangs ab in erweiterter und verbesserter Form erscheinen. Die Finanzlage wurde berührt und betont, dlaß die regelmäßigen Einnahmen in gar keinem Verhältnis zu den Ausgaben ständen, und daß nur durch intensive Sammeltätigkeit aller Gruppen und aller Mitglieder die weitere Arbeit der Organisation ermöglicht werden kann. Die Bundesabzeichen seien auch bereits in Arbeit gegeben, der Herstellung ständen aber durch die Kriegsverhältnisse enorme technische Schwierigkeiten entgegen. Die Schweizer Jugendorganisation wolle sich an der Redaktion der „Blätter“ beteiligen und habe die teilweise Übernahme des Verlags „Arzenu“ angeboten. Endlich werden von einer Schweizer Jugendgruppe 10 000 Mark bewilligt, die a'lls Grundkapital zur Erwerbung einer Jugendkolonie in Erez Isroel verwandt werden sollen. Die Aufstellung eines Arbeitsprogramms führte zu tiefgreifendlen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bewegung, so daß zur Überbrückung dieser Unterschiede ein außerordentlicher Delegiertentag nötig erschien. Über den Tätigkeitsbericht entspann sich eine kurze Diskussion, worauf in die Verhandlung über den zweiten Punkt dler Tagesordnung: die Aufstellung eiines A rb ei t s progfr am m s eingetreten wurde. Es lagen der Versammlung 9 Programmentwürfe vor, von denen 8 sich im wesentlichen auf die Stellungnahme zu einzelnen Punkten beschränken, während ein aus Frankfurt eingereichter Entwurf ein vollkommen ausgearbeitetes Programm für die Gesamttätigkeit der Jugendgruppen enthielt. Auf dieses Programm hatte sich die überwiegende Mehrheit der Frankfurter Delegierten und der G. A. geeinigt. Man begann nun damit, jeden einzelnen Entwurf begründen zu lassen. Nachdem die Punkte, in denen die einzelnen Programme von einander abwichen, von den einzelnen Referenten in breitereirer Darstellung auseinander gelegt worden waren, wurde der Antrag gestellt, eine Kommission zu ernennen, die aus den vorliegenden Entwürfen einen herausarbeiten sollte, in dem die Unterschiede, soweit sie in der Kommissionsberatung nicht geklärt werden können, bestehen bleiben, um später vom Plenum diskutiert zu werden. Dieser Antrag wird angenommen. Nachmittags erstattet Herr Dr. Hildesheimer Bericht über die Tätigkeit der Kommission. Das Frankfurter Programm vertrage vermöge seiner inneren Geschlossenheiten keine Verarbeitung mit den übrigen Entwürfen. Die Kommission habe sich daher darauf beschränkt, die übrigen Entwürfe zu behandeln und überlasse der Versammlung, zum Frankfurter Programm Stellung zu nehmen. Die Kommission habe sich auf eine abgeänderte Fassung der von Berlin vorgelegten Richtlinien geeinigt. Die nun folgende Deba+te war ganz und gar von dem tiefen Eindruck beherrscht, den das Frankfurter Programm hervorgerufen hatte. Von den verschiedensten Seiten fand es geradezu begeisterte Zustimmung, und die Gegnerschaft, die sich geltend machte, beruhte im wesentlichen auf der Befürchtung, daß dieses Programm mit seinem von einer beherrschenden Grundidee getragenen streng geschlossenen Bau und teilweise neuartiger Terminologie vielfach kein hinreichendes Verständnis finden werde. Auch der Vorsitzende des provisorischen Komitees, Herr Jakob Rosenheim, gab bei aller prinzipieller Zustimmung zu dem Programm, der gleichen Befürchtung Ausdruck. So wurden denn in der folgenden Abstimmung die Berliner Hauptrichtlinien in der von der Kommission abgeänderten Form als vorläufiges Programm für die Außen- und Propaganda-Arbeit angenommen. Das Frankfurter Programm dagegen wurde durch einstimmigen Beschluß der Versammlung als richtunggebend für die Verinnerlichung der Organisation und als Grundlage ihres endgültigen Programms bezeichnet und soll der Organisationsleitung sowohl als auch den einzelnen Gruppen geistiger Führer für ihre Weiterarbeit sein. Beide Entwürfe werden zu formalen Änderungen einer Kommission überwiesen, deren Ernennung dem geschäftsführenden Ausschuß übertragen wird. Nachdem Herr Dr. Hildesheimer dem Danke der Versammlung an die Organisationsleitung sowie die Leitung des Delegiertentages Ausdruck gegeben hatte, schließt der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, daß das neue Programm in den Gruppen verwirklicht und der Organisation, ja dem gesetzestreuen Judentum Stärkung und Verinnerlichung bringen werde. Die Poale-Zion auf der internationalen Sozialistenkonferenz. Das Mitglied dies Internationlaien Sozialistenbureaus für Palästina, Herr Ing. S. Kaplansky, erhielt von C. Huysmans, dem Sekretär der Internationale, die Mitteilung, daß der Jüdische Sozialistische Arbeiterverband Poale-Zion zur Teilnahme an der internationalen Sozialistenkonferenz eingeladen sei.