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Das jüdische Echo · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das JOdlscha Echo Nr. 1 thodoxie in Palästina behandelt hatte, setzt die Diskussion ein, in der vor allem drei Gesichtspunkte im Vordergründe stehen: Einmal die Frage der Kapazität des Landes, wo insbesondere von Trietsch der Standpunkt vertreten wird, daß eine Einwanderung in viel schnellerem Tempo als von Lichtheim angegeben möglich sei, während andere Redner, wie Dr. Auerbach-Haifa, Dr. Nawratzki, Walter Moses den Standpunkt des Referenten vertreten. Die Frage der Orthodoxie wird von vielen Rednern erörtert, vor allem aber nimmt die Frage der Sozialisierung des palästinensischen Wirtschaftslebens einen großen Raum ein. Entschieden sprechen sich für eine Sozialisierung insbesondere die Herren Berger, Goldmann, Max Strauß und Arlosoroff aus, andere vertreten den vermittelnden Standpunkt des Referenten, während einige sich mit großer Entschiedenheit dagegen wenden. Am Schlüsse der Debatte ging der einstimmige Wunsch der Versammlung dahin, den Ortsgruppen Gelegenheit zu geben, die zahlreichen und bedeutsamen Anregungen dieser Debatte zu verarbeiten und zu ihnen Stellung zu nehmen und im Verlaufe von zwei Monaten einen neuen Delegiertentag einzuberufen, der sich ausschließlich mit der Palästinafrage zu beschäftigen habe und der von einer neungliedrigen Kommission sachlich und technisch vorzubereiten sei. Im übrigen gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: „Der Delegiertentag fordert von der Friedenskonferenz die Anerkennung Palästinas als nationale Heimstätte für das jüdische Volk und die Schaffung aller Möglichkeiten für den ungehinderten Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens im Lande. Er fühlt sich mit den Zionisten aller Länder einig, daß die Besiedlung Palästinas mit Aufbietung aller Kräfte und so schnell als die Verhältnisse des Landes es gestatten durchgeführt werden muß, und daß der innere Aufbau der jüdischen Siedlung auf Grund1 des Selbstbestimmungsrechtes dem jüdischen Volk selbst überlassen bleiben soll, das seine zukünftige Heimat den in ihm lebenden Tendenzen entsprechend zu entwickeln wünscht.“ Die Fragen des deutschen Judentums und spe^- zieh die Fragen des jüdischen Kongresses in Deutschland behandelte Kurt Blumenfeld am Donnerstag Nachmittag in seinem eingehenden Referate. Die Entwicklung habe dazu geführt, daß um den ständig wachsenden Kreis der organisierten Zionisten sich eine Gruppe peripherer Elemente gebildet habe, die vielfach nicht bereit seien, der Zionistischen Organisation beizutreten, aber sich zu der unzerstörbaren Einheit des jüdischen Volkes zugehörig empfinden und in dieser Erkenntnis gemeinsam mit uns zu arbeiten bereit sind. Es handle sich dabei zunächst um die ostjüdischen Elemente, deren Zahl und Bedeutung ständig wachse, dann aber auch um die Orthodoxie, die den nationalen Charakter der jüdischen Gemeinschaft jetzt anerkenne. Gerade jetzt, wo der Aufbau Palästinas beginne, sei die Existenz einer von echtjüdischem Leben erfüllten Diaspora erforderlich. Eine Scheidung der Geister müsse stattfinden; doch nicht die Palästinafrage dürfe das Kriterium sein, da viele für ein jüdisches Palästina einträten, ohne für sich persönliche Konsequenzen daraus abzuleiten. Wir verlangen das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum und den Willen, ein neues jüdisches Leben in Deutschland: in dieser Erkenntnis aufzubauen. Mit allen, die sich dazu bekennen, werden wir den jüdischen Kongreß machen, zu dem die Zionistische Vereinigung für Deutschland von der Palästina- und der Autonomieforderung abgesehen, folgendes Programm auf stellen: Als wichtigste Forderung die jüdische Schule; dann die Umwandlung der Kultusgemeinden in Volksgemeinden, die alle Aufgaben des Kultus, der Schule, jüdischer Wissenschaft, Politik und Sozialpolitik zu erfüllen habe und auf Grund des allgemeinen gleichen direkten geheimen Proportionalwahlrechts für alle mehr als 20jährigen Juden und Jüdinnen aufgebaut sein müsse. Die Volksgemeinde hat sich als lokale Organisation der jüdischen Gesamtheit zu fühlen und deshalb an ‘allen Aufgaben der jüdischen Gesamtheit teilzunehmen, so an der Palästina-Arbeit, der sozialen Fürsorge und anderem. Nationallpersonale Autonomie würde nicht gefordert, aber nicht aus politischen Bedenklichkeiten, sondern wegen der fehlenden zahlenmäßigen Voraussetzungen. Wie in allen Ländern so werde auch in Deutschland ein jüdischer Kongreß zustande kommen, als ein Teil der zukünftigen jüdischen Konstituante in Jerusalem. Auf das mit großem Beifall aufgenommene Referat folgte eine eingehende Diskussion, an der sich etwa 20 Redner beteiligten und in der nicht nur die Frage des jüdischen Kongresses, sondern alte Fragen der jüdischen Arbeit in Deutschland zu Erörterung gelangten. Es zeigte sich, daß alle Delegierten derselbe entschlossene Wille beseelte, an einer nationalen Umgestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland durch Herbeiführung eines jüdischen Kongresses mitzuwirken und eine demokratische Neuordnung der jüdischen Gemeindeverfassung herbeizuführen. Die Aussichten der zionistischen Propaganda wurden überall als äußerst günstig bezeichnet. Mit großem Interesse wurden ferner die Ausführungen der Herren Schocken und Calvari über die Arbeiten des Kulturausschusses aufgenommen, zu denen verschiedene Redner eingehend Stellung nahmen. Am Schlüsse der Debatte wurde eine Reihe von Resolutionen, sämtlich mit Einstimmigkeit angenommen. In der wichtigsten von ihnen erklärt sich der Delegiertentag mit aller Entschiedenheit für einen jüdischen Kongreß, der alle Juden vereinigen soll, die im Bewußtsein der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke an einem lebendigen Judentum mitarbeiten wollen und für den die deutschen Zionisten folgendes Programm Vorschlägen: Die nationale Heimstätte in Palästina, volle tatsächliche Gleichberechtigung, nationale Autonomie für die Juden in den Ländern der Massensiedlung und in denjenigen Gebieten, wo die Juden sie fordern, Aufhebung aller Ausnahmebestimmungen gegen ausländische Juden, insbesondere Aufhebung der Grenzsperre, endlich, die Umgestaltung des jüdischen Gemeindelebens in demokratischem Sinne und nationaljüdischem Geiste. Es wurde ferner beschlossen, in einen Kampf für die Durchführung des allgemeinen, gleichen, geheimen direkten Proportionalwahlrechts für alle Juden und Jüdinnen über 20 Jahre bei den Gemeindewahlen einzutreten. Ferner wurde beschlossen, ein besonderes Ressort für die Propagierung des. Hebräischen zu eröffnen. Der Schekel wurde entsprechend dem heutigen Kursstand auf 2 Mark erhöht, der Landesbeitrag auf 5 Mark, für Angehörige der Jugendorganisationen auf 2 Mark festgesetzt. Dann erstattete Rechtsanwalt Kollenscher den Bericht der Permanenzkommission. Auf Grund der

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