Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Das Jüdisch# Echo 5 aus der Arbeit hinwes: in London vom Tode ereilt wurde, Dr. Heymann, d)as Mitglied des großen Aktionskomitees, der in voller Manneskraft von uns gerissen wurde und das Mitglied’ des Deutschen Zentralkomitees, D. Pelz, den geliebten Führer der zionistischen Jugend, der auf dem Schlacht- <fe)de gefallen ist Bodenheimer' gedenkt dann der Pogromopfer. Nachdem dann Herr W o liste i n e r, der Leiter der deutschen Sammelstellle des Nationalfonds, auf die Notwendigkeit hingewiesen hat, die Einnahmen außerordentlich zu vergrößern, und1 es dahin zu bringen, daß das deutsche Judentum im nächsten Jahre allein eine Million Mark zusammenbringe, wird das Präsidium konstituiert, zu dessen Vorsitzenden Herr Dr. Hantke gewählt wird. Dann begrüßt Herr Professor Warburg namens des EAC und Rechtsanwalt Rosenbaum, Wilna, namens des litauischen Judentums den Delegiertentag, der nunmehr zur Generaldebatte über die allgemeine politische Lage schreitet. Am Beginn derselben übergibt der erste Diskussionsredner, Herr Dr. Klee, dem Präsidium die Reste verbrannter Torarollen und Gebetmäntel aus Lemberg, die ihm von Lemberger Juden übergeben worden sind. Die Debatte, bei der die speziellen Palästinafragen und die Fragen der Arbeit in Deutschland nicht behandelt werden sollten, weil diese Gegenstände erst nach besonderen Referaten zur Behandlung standen, bespricht die allgemeine politische Situation des Zionismus und des jüdischen Volkes, insbesondere auch die Fragen des Ostjudentums, der Orthodoxie, sowie der allgemeinen Palästinapolitik. Es beteiligten sich an ihr u. a. die Herren Dr. Klee, Trietsch, Berger, Dr. Arn. Barth, Dr. Auerbach und Dr. Hantke, der das Schlußwort hat. Dann wurden folgende Anträge einstimmig angenommen: „Der 15. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland dankt dem EAC, daß es ihm gelungen ist, im Kriege die Einheit und Neutralität der Organisation zu wahren. Er gibt der Überzeugung Ausdruck, daß die ungeteilte Einheit der Zionistischen Weltorganisation auch fernerhin in jeder Hinsicht aufrecht erhalten wird. Er fordert die möglichst schnelle Einberufung des „Zionistischen Zentralkomitees.“ Ferner wurde folgende Protestresolution gegen die Pogrome, ebenfalls einstimmig, angenommen: „Die deutschen Zionisten stehen in schmerzlicher Trauer an den Gräbern der Opfer der Pogrome in Galizien und Polen, in Ungarn und Tschechoslowaikien. In tiefstgefühlter Verbundenheit schwören wir unseren Brüdern im Osten zu, daß wir uns bis zum Letzten dafür einsetzen werden, daß ihnen die neue Zeit die volle Freiheit bringt. Der Delegiertentag erhebt flammenden Protest gegen die schmachvollen Pogrome gegen die Juden. Er verlangt von der Friedenskonferenz, daß der Friedensvertrag bindende Garantien dafür enthält, daß die vollen bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden des Ostens;, insbesondere der Juden in Polen, Galizien ^und Litauen für alle Zukunft sichergestellt sind.“ Die Nachmittag-Sitzung dieses Tages und die Vormittag-Sitzung des zweiten Tages erfüllte die Palästinadebatte, die sämtliche Fragen des Aufbaus von Erez Israel in einem Umfange und mit einer Gründlichkeit und Sachkenntnis erörterte, wie sie bisher nur selten auf Kongressen, niemals aber auf Delegiertentagen der Landesverbände stattgefunden haben. Eingeleitet wurde die Aussprache durch ein fast zweistündiges Referat von Richard Lichtheim, der unter Benutzung der eingehenden wissenschaftlichen Arbeiten, vor allem Ruppins und Oettingers ein umfassendes Kolonisationsprogramm aufstellte. So verlockend im gegenwärtigen Augenblick, so etwa führte Lichtheim aus, ein Palästinareferat sei, so verantwortungsvoll sei dies auch. Es gilt das Fünfzehn-Millionen- Volk mit dem wirtschaftlich rückständigen, in seinem Raum beengten Palästina zu vereinigen. Da seien die Fragen der Grenzen, insbes. die der Nordgrenze von größter Bedeutung, für welche Lichtheim den 30. Breitegrad vorschlägt, d. h. eine Linie, die Sidon mit den Jordanquellen verbindet, ein Gebiet, auf dem im ganzen etwa 5 Millionen Menschen leben können. Um die Einwanderung in geregelte Bahnen zu lenken, sei die Errichtung eines Einwanderungsamtes in Palästina und zahlreicher Auswanderungsämter im Galuth erforderlich. Letztere hätten die Aufgaben, die jüdische Bevölkerung über die Möglichkeiten Palästinas aufzuklären, um eine überstürzte Einwanderung zu verhindern, die Auswanderungslustigen in Gruppen zusammenzuschließen, die sich gemeinsam beruflich auf Palästina vorbereiteten, eine Auslese zu treffen und die Übersiedlung der Geeigneten in jeder Weise zu fördern. Es kämen für Palästina in erster Reihe landwirtschaftlich tätige Elemente, ferner Arbeiter, Handwerker und Lehrer in Frage, während für andere Berufe, insbesondere Kaufleute und Ärzte der Bedarf kein großer sein werde. Ruppin denkt sich die zukünftige palästinensische Bevölkerung beruflich etwa nach dem Schema zusamengesetzt, daß 50 Prozent Landwirtschaft treiben, 30 Prozent in Handwerk und Industrie tätig sind und je 10 Prozent im Handel und in freien Berufen. Um dazu zu gelangen, ist eine Berufsumschichtung notwendig. Es werde möglich sein, in den ersten 10 Jahren etwa 70 000 Personen, in den ersten dreißig Jahren etwa 420 000 in der Landwirtschaft anzusiedeln, ebensoviele in indirekt von der Landwirtschaft abhängigen Berufen, ebenso viel in städtischen Berufen, so daß in dreißig Jahren etwa anderthalb Millionen Menschen angesiedelt werden könnten. Die Kosten für die Ansiedlung von 100 000 Familien dürften etwa 21/* Milliarde betragen. Eine industrielle Entwicklung sei zunächst für die landwirtschaftliche Produkte verarbeitende Industrie (Obst- und Gemüsekonserven, Marmeladen, Seife usw.) möglich, ferner auch für diejenigen Industrien, in denen Juden schon in Europa tätig sind (alle Arten von Kraft- und Verkehrsanlagen, Kunsthandwerk, Möbeltischlerei usw. Was den zur Ansiedlung' erforderlichen Boden anbetrifft, so gäbe es in Palästina etwa 200 000 Hektar Staats- Iändereien und herrenloses Land,, das wir für uns beanspruchen müßten. Zur Durchführung der genannten Ansiedlungsidäne aber sind etwa 380 000 Hektar, nach Oettinger ein noch größeres Areal erforderlich, so daß wir Land1 aus Privatbesitz erwerben müßten. Dieser Erwerb müsse durch die Expropriierung agrarischen Großgrundbesitzes erfolgen, während die arabischen Bauern geschont werden müssen. Aller Grund und Boden in Palästina müsse Eigentum des jüdischen Volkes sein und in Erbpacht vergeben werden. Die Betriebsform müsse eine intensive sein, einseitige Kultur sei zu vermeiden, immerhin müsse man berücksichtigen, daß die Juden zum Pflanzungsbau besonders geeignet seien, genossenschaftliche und Fanzelsiedlungen hätten beide ihre Berechtigung. Nachdem Lichtheim noch die Frage der Sozialisierung der Industrie und1 das Verhältnis zur Or-