Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 7 von dieser gemachten Vorschläge wird1 zunächst Dr. Hantke einstimmig zum 1, Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland unter großem Beifall wiedergewählt, dann nach Annahme der notwendigen Statutenänderungen ein aus den Herren Klee, Blumenfeld, Goldmann, Lichtheim, Pick, Rosenberg, Rosenblüth und WolL Steiner bestehender geschäftsführender Ausschuß und ein vierziggliedriges Zentralkomitee gewählt. Nach einem Schlußwort Dr. Hantkes, das einen Rückblick auf die Ergebnisse der Tagung enthielt und zu tatkräftiger Arbeit aufrief, schloß diie imposante Tagung mit der Absingung der Hatikwah. Der amerikanisch-jüdische Kongreß iür Palästina. Der Kongreß der amerikanischen Juden, der vom 15. bis 18. Dezember in Philadelphia tagte und die Gesamtjudenheit Amerikas — drei Millionen Juden — vertrat, faßte bezüglich Palästina folgende Resolution: Der Kongreß beauftragt die von ihm gewählte Friedlensdelegation zusammen mit anderen jüdischen Organisationen dahin zu wirken, daß der Friedenskongreß die Bestrebungen und historischen Ansprüche des jüdischen Volkes auf Palästina anerkenne. Er fordert, daß in Übereinstimmung mit der von den Alliierten und Präsident Wilson gutgeheißenen britischen Erklärung derartige politische, administrative, ökonomische Bedingungen in Palästina geschaffen werden müssen, die die Entwicklung Palästinas unter der Sach Walter Schaft des im Aufträge des zu errichtenden Völkerbundes wirkenden Britanniens zu einem jüdischen Gemeinwesen sicherstellen soll. Dabei wird betont, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in den anderen Ländern beeinträchtigen soll. Nürnberger Brief. Auch in unserem friedlichen Süden regt es sich. Vor allem im Lager unserer offenen und verschämten Gegner, die jetzt ihren Weizen überall blühen sehen. Die zweideutige Haltung der gesamten bayerischen Zentrumspresse findet auch in den geistesverwandten Nürnberger Blättern, vor allem in unserer, allerdings so ziemlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit erscheinenden „Nürnberger Volkszeitung“ geflissentliche Nachahmung, was jedoch bei der ganzen Geistesrichtung dieses Blattes nicht verwundern kann. Um so merkwürdiger erscheint die Haltung der bisher führenden hiesigen Zeitung, des „Fränkischen Kuriers“. Es scheint, als ob mit dem Wechsel m der Redaktion unmittelbar vor Eintritt der Revolution das Blatt auch! in seiner Stellung zu Juden und Judentum sich einen kräftigen Ruck nach „rechts“ gegeben hätte, und das Organ der früheren fortschrittlichen Volkspartei, die stets als besonderer Hort der deutschen Staiatsbiiger jüdischen Glaubens galt und sich natürlich auch von jüdischer Seite besonderer Unterstützung erfreute, beginnt sein Schifflein, zwar noch etwas verschämt, aber doch für den aufmerksamen Beobachter sehr merklich ins antisemitische Fahrwasser zu lenken. Besonders deutlich war dies bei der heftigen Bekämpfung des bayerischen Ministerpräsidenten Eisner zu merken, mit dessen jüdischer Abstammung und sneziell „talmudischer“ Begabung mehr als nötig operiert wurde. Ich fühle absolut nicht den Drang in mir, für Eisner eine Lanze zu brechen, aber für die jüdischen und nichtjüdischen Kreise, die wenigstens bisher dem „Fränk. Kurier“ nahe standen und sich in unsern Fragen in den Mitteilungen des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“ zu äußern pflegten, sollte doch ein Eisner, der für das Judentum nie etwas übrig gehabt hat, nicht mehr als Jude gelten, und füglich auch das Judentum nicht mehr für ihn verantwortlich gemacht werden, und sei es noch so versteckt. Das Flugblatt des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die antisemitischen Umtriebe wurde wohl ab^edruckt, aber nach einer Stellungnahme dazu, wie überhaupt zu der wachsenden antisemitischen Agitation sucht man vergebens. Auch von der empörenden Behandlung der Juden in Polen, den blutigen Massakres und Pogromen, von denen die Presse der ganzen Welt voll) ist, erfährt der Leser des „Fränk. Kuriers“ nur in einigen Zeilen kleinster Schrift in irgend einer verborgenen Ecke. Gegenüber diesen ziemlich! traurigen Zuständen gestaltet sich das innerjüdische Leben in unserer Stadt desto erfreulicher. Es scheint, als ob auch bei unserer (bisher ziemlich indifferenten jüdischen Bevölkerung ein Erwachen ihrer jüdischen Selbstbesinnung eingetreten wäre, und das Interesse an jüdischen Dingen, und der Wille jüdisch zu arbeiten, tritt überall hervor. Auch unsere „Regierenden“ in der jüdischen Kultusgemeinde scheinen das zu merken und diesem Willen Rechnung tragen zu wollen; denn einem Antrag der Zionistischen Ortsgruppe: anläßlich der Ersatzwahl von fünf Mitgliedern in den Gemeindeausschuß unverzüglich das Verhältniswahlrechit einzuführen, wurde im . Prinzip zugestimmt. Allerdings wolle man warten, bis die heutige verworrene Lage sich geklärt habe und zu übersehen sei, welche Stellung der jüdischen Gemeinde künftighin in Bayern bei der sicher zu erwartenden Trennung von Kirche und Staat eingeräumt werde. In einer von liberaler Seite einberufen en Wahlbesprechung zwischen maßgebenden Gemeindemitgliedern der verschiedenen Richtungen billigte man einmütig den Standpunkt der Zionisten, daß schleunigst das Wahlrecht zu: ändern und Neuwahlen der gesamten Gemeindevertretung vorzunehmen seien und zwar noch vor Trennung von Kirche und Staat. Trotzdem werden in diesem Monat noch auf Grund des alten Wahlrechts Ersatzwahlen vorgenommen werden, deren Gültigkeit lailllerdings! zweifelhaft ist, da nach Bekanntmachung der Volksbeauftragten vom 12. November alle Wahlen für öffentliche Körperschaften in Zukunft nach dem System der Verhältniswahl stattfinden sollen. Immerhin darf erwartet werden, daß die Abänderung der Wahlordnung schleunigst erfolgt und damit eine neue Gemeindevertretung gebildet wird, die wirklich darauf Anspruch machen kann, die gesamte Gemeinde zu vertreten. Wie überall, so stehen auch hier für alles was ernsthaft jüdisch denkt, die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes und besonders Palästina im Mittelpunkt des Interesses. Die hiesige Jugendgruppe der Agudas Jisroel hat sich durch eine Resolution vollkommen auf den Boden der nationalen Forderungen gestellt und im Gegensatz zu den Frankfurter Orthodoxen, die unentwegt ihren separaten Weg Leiter gehen und