Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 52 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- Seite 641 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdisch* Echo 641 Beim Grabe sprach noch Rabbiner Dr. Grunwald, der auch die vorgeschriebenen Gebete verrichtete. Frankreich. Gründung einer orthodox-nationalen Vereinigung. Das Misrachi-Korrespondenz-Bureau Zürich meidet: Vor einigen Wochen ist in Paris eine bedeutende orthodox-nationale Vereinigung entstanden, an deren Spitze Großrabbiner Alfred Levy steht. Dem „Univers Israelite“ entnehmen wir, daß der Verein folgenden Zwecken dienen will. 1. Die Liebe zum heiligen Gesetz und Land zu pfllegen. 2. Die öffentliche Meinung Frankreichs über die Kolonisationsarbeit Palästinas und die Frage des Judenstaates aufzuklären. 3. Sich speziell mit der Förderung der geistigen Interessen der Juden in Palästina zu befassen. Mehrere Orts- und Jugendgruppen sind inzwischen gegründet worden. Palästina. Eine Aktion der amerikanischen Zionisten. Das „Jüdische Preßbureau“ in Stockholm meldet telegraphisch: Herr Lewin-Epstein, Mitglied der Zionistischen Palästinakommission, telegraphierte aus Palästina an die Zionistische Organisation in Amerika, daß sich die jüdische Bevölkerung Galiläas in größter Notlage befindet. Die von dort zurückkehrenden Flüchtlinge seien nur in Lumpen gehüllt und vom Hunger vollständig erschöpft. Es herrsche ein großer Mangel an Bekleidungsstücken. Die Zionistische Organisation in Amerika erließ daraufhin einen Aufruf für Kleidersammlung und für Wiederaufbaumittel. Aus aller Welt. Arbeitsgemeinschaft zionistischer Ingenieure. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau1 berichtet: Unter diesem Namen hat sich auf Anregung des Präsidiums des Kartells jüdischer Verbindungen Berlin eine lose Vereinigung von zionistischen Architekten, Ingenieuren und Chemikern gebildet, die ihre Berufstätigkeit der Palästinabesiedlung nutzbar machen möchten. Die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft ist gemeinnützig und umfaßt die Organisation wissenschaftlicher Vorarbeiten, die Begutachtung von Projekten und Berufsberatungen,. Es hat sich bereits eine Anzahl von Gesinnungsgenossen, die längere Jahre in den verschiedensten Berufszweigen praktisch tätig sind, zusammengeschlossen, und zunächst folgende Gruppen gebildet: 1. Städte- und Häuserbau. 2. Verkehrsbauten. 3. Landwirtschaftliche Maschinen. 4. Landwirtschaftliche und chemische Industrie. 5. Energieerzeugung und -Verteilung. Entsendung orthodoxer Vertreter in den .Tüdidischen Nationalrat. Das „Kopenhagener Zionistische Bureau“ berichtet: Am 28. November fand in Prag eine große Versammlung des Vereins der jüdischen Ortodoxen Böhmens „Sinai“ statt, auf der beschlossen wurde, die Entsendung von Vertretern in den jüdischen Nationalrat zu billigen und den Verein auf national-jüdische Basis zu stellen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Mitgliederversammlung billigt den durch den Ausschuß vorgenommenen Zusammenschluß mit dem Nationalrat auf Grund der getroffenen Vereinbarungen und der Anerkennung seines Programms. Untersuchung der Vorgänge in Galizien. Die „Neue Züricher Zeitung“ schreibt: Die durch den polnischen Liquidationsausschuß eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Ursache von Unruhen im, Lande beschloß, von allen Gerichten, Behörden und Organisationen die Vorlage des Materials über die Pogrome binnen acht Tagen zu verlangen. Nach Prüfung jedes Materials, bei welcher die Vertreter der Juden ständig Einsicht haben werden, wird die Kommission raschest das Ergebnis veröffentlichen und die Schuldigen der verdienten Strafe zuführen. Vom Jüdischen Nationalfonds. Die November- Eingänge des JNF beliefen sich auf Frs. 154.001 und verteilen sich folgendermaßen: Nord-Amerika Doll. 6902, England £ 1357.17.5, Österreich K. 82 453, Deutschland M. 21 856, Schweden Kr. 2913, Polen und Lithauen M. 3179 und Kr. 5835, Griechenland £ 135.—.—, Schweiz Fr. 2318, Belgien Fl. 950, Ägypten £ 82.1.— Frankreich Fr. 1969, Dänemark Kr. 762, Holland FL 454, Norwegen Kr. 298, Südafrika £ 2.—,—. Die Friedensschecks-Akti an des JNF hat in Stockholm besonders gute Ergebnisse gehabt. Es wurden gezeichnet: FMk. 200.000 von A. Feinik, österr. Kr. 100.000 von E. Kenen, Rbl. 20.000 von F. Grüngard, Rbl. 10.000 von B. Daviski, Rbl. 3000 von H. Schreier, Schw. Kr. 2000 von H. Kaplan, Schw. Kr. 800 von M. Slenimski, Schw. Kr. 800 von M. Tarschis. Noch weitere große Beträge wurden in Aussicht gestellt. Die Federation Sioniste de France hat am 1. Dezember d. J. ein Propaganda-Meeting in Paris veranstaltet, dessen Einnahmen in Höhe von 2200 Franken für die Tschlenow-Kolonie bestimmt sind. Feuilleton Der Sündige. Von Schalom Asch. Personen: Der Rabbiner des Städtchens, erster Daian (Gehilfe des Rabbiners), zweiter Dajan, der Vorsteher der Chewra Kadischa, ein älterer Totengräber, ein jüngerler 'Totengräbler, Volk: Erster, Zweiter Dritter, Vierter, des Rabbi Diener, eine Frau im schwarzen Schleier, ein Melancholischer, Männer, Frauen, junge Leute. Die Handlung spielt in einem kleinen jüdischen Städtchen. Die Szene stellt dar einen kleinen Friedhof, von einem niedrigen alten Holzzaune umgeben. Da und dort niedrige, aber dicht belaubte Bäume. Verborgen in ihrem Schatten ragen aus hochgewachsenem Gras die oberen Hälften der Grabsteine hervor. Inmitten des Friedhofs ein kleiner Hügel!, um ihn herum Bäume. Beim Hügel steht ein Jude, still betend. Rechts ein kleines halbverfallenes Häuschen mit zwei armseligen Fenstern zum Friedhof heraus. Hinter dem Häuschen ein breites schwarzes Tor, vor dem Tor stehen zwei hohe Holzklötze mit Blechtafeln, darauf hebräische Inschriften. Vor dem Häuschen zwischen halbeingesunkenen Steinen mit Stricken an Pflöcke angebundene Ziegen. die nach Futter herumschnuppern. Vor der Türe des Häuschens, neben einem alten Sargwagen der „Melancholische“ mit einem zerrissenen Kaftan über dem nackten braungebrannten Körper, mit aufgerissenen Augen nach einer Stelle glotzend .... Auf der linken Seite jenseits des Zaunes ein dunk-