Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 52 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- Seite 642 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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642 Dtft jfidlsck« £cäo Nr. 52 ler1 Weg, dhr sich zwischen grünbewachsenen Feldern schlängelt. In der Ferne sieht man im flammenden Abendrot Dächer und den hohen Kirchturm klar in die Luft ragen. Auf dieser Seite des Kirchhofs stehen der ältere und der jüngere Totengräber und schaufeln ein Grab. Neben dem Grab auf einem Erdhaufen liegen Bretter. Links tief Grabsteine und Bäume* (Die beiden Totengräber indem sie graben.) Der jüngere Totengräber: Auch seine Zeit gekommen. Solang geht der Krug zum Wasser... Der Ältere: Wir haben so was auch schon gesehen. Der dort, der beim Zaun liegt in der Nachbarschaft vom Aufgehängten, ist noch ein ganz anderer Kerl gewesen als er... Der Jüngere: Jom Kipur im Wirtshaus gesessen und gebratene Hühner mit Butter gegessen. Der Ältere: Damit die Würmer in der Grube etwas Besonderes zu fressen haben. Der Jüngere: Ein Talis für die Bahre — nicht zu finden. Der Ältere: Ist doch unbeweibt gewesen. Der Jüngere: Hat mit irgendeiner zusammengewohnt. eine Christin, eine Jüdin? Der Teufel mag wissen, ob’s sein Weib oder seine Geliebte war. Der Ältehe: Seine Verdienste sollen mich nicht in jener Welt erlösen müssen. Der Jüngere: Zum Waschen hat sie riechende Seife gebracht. Für den Toten, daß er besser riecht! Der Ältere: Wenn die Seele unrein ist, was kann dir — mit Vergebung — der sündige Leib helfen. Der Jüngere: Die Chewra der Sargträger hat sich geweigert, den Toten herauszutragen. Man hat vier Leute gedungen. (Er schüttet ein Schaufel Erde aus, ein Knochen eines Skeletts fällt heraus.) Der Ältere: Schau, ich glaub’ ein Knochen von einem Toten. (Er hört auf zu graben und bückt sich, um den Knochen näher zu betrachten.) Der Jüngere: Von einem Toten! (Er bleibt still stehen, die Schaufel in der Hand, und sieht auf den Alten.) Der Ältere: Von einer Leiche. Man muß es wieder zuscharren. (Sie werfen Erde in die Grube.) „ Der Ältere: Der Friedhof wandert. Das muß einmal ein ehrlicher Platz gewesen sein. Heute steht der Zaun da, und es ist der Ort für Mörder und Diebe. Man vergißt, die Steine sinken ein, und man baut darauf den Zaun... (Es beginnt dunkel zu werden. Ein kalter Wind bläst zwischen den Bäumen Von dem schwarzen Weg hinter dem Zaun sieht man vier Leichenträger mit der Bahre heranziehen. Hinter der Bahre geht eine Frau im schwarzen Gewand, über das Gesicht einen schwarzen Schleier gezogen. Ein Stück danach einige neugierige junge Leute und Kinder, unter ihnen der Vorsteher der Chewra Kadischa, ein Mann in mittleren Jahren mit großem schwarzen Bart und dichten schwarzen Augenbrauen. Sie gehen in kleinen Abteilungen und sprechen still miteinander.) Der jüngere Totengräber: Sie kommen schon mit der Bahre. Der Ältere: Man muß auf den Vorsteher warten. (Sie stellen sich zum Zaun und winken mit den Händen.) Der Vorsteher (von der anderen Seite des Zaunes den Kopf zum Friedhof hereinsteckend): Was, noch nicht fertig? Der ältere Totengräber: Wir haben auf Leichen gestoßen. Wir haben die Grube wieder zugeschüttet. Der Vorsteher: Leichen . . . (vom Zaun zurücktretend) wie kommen daher Leichen? . . . (Das schwarze Tor öffnet sich knarrend, vier Träger tragen auf den Achseln die Bahre und stellen sie vor den Klötzen nieder, man schlägt das schwarze Leichentuch zurück, Kopf und Füße werden sichtbar. Die Frau in Schwarz stellt sich zu Häupten der Leiche, das Gesicht in die Hände bergend und schweigt . . . Die Träger wollen die Bahre anfassen, da ruft der Vorsteher von weitem: „Halt! Halt!“ Die Menge steht abseits in kleinen Gruppen blickt auf den Toten und auf die Frau in Schwarz. Man spricht ganz leise miteinander. Einige Minuten ist es still.) Einer aus der Menge: Der Tote wartet auf das Grab — ein gutes Zeichen! Ein zweiter: Sogar die Hölle will ihn nicht zu sich nehmen. (Man tuschelt einander in die Ohren. Die Frau in Schwarz tritt zu, will das schwarze Tuch vom Gesicht des Toten auf heben.) Der Vorsteher (von weitem): Nicht, man darf nicht! (Fortsetzung folgt.) Gemeindenu.Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfliohst eingeladen.} Stuttgart. Die hiesige Ortsgruppe der Zionist Vereinigung hielt am 14. ds. eine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand u. a. die Wahl des neuen Vorstandes. Nach kurzer Debatte wurden folgende Herren gewählt: Rothschild, Preßburgeii Goldstein, Friedrich, Weinschel, Kaiser und Lichtinger. Zum Delegiertentag in Berlin wurden Lichtinger und Preßburger de- Münchner Neueste Nachrichten Größte,tägl.2mal erscheinende Zeitung Süd- und Mitteldeutschlands. Kaufkräftiger Leserkreis und Über OeutschlandsGrenzen Hinausgehende Verbreitung. Großer kaufmänn. u. gewerbtGtellenmartt Anerkannt sehr erfolgreich für Anzeigen.aller Art. Anzeigenpreis und Nachlaß nach Tarif. Bezugspreis monatt.Mk.2.—bei allen deutschen Postanstalten «-TäglicheAuflage 2mal ^öoooo Exemplare/Über'/-Million Leser"« mmri