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Das jüdische Echo · 1918-12-20 · 51 (20.12.1918) · p. Seite 629

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 629 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 51 Das Jüdisch« Echo 629 tums. An den Türpfosten der im 2. Jahrhundert n. Ghr. errichteten galiläischen Synagogen, an Gräbern und Katakomben, auf Tonlampen und Münzen, — überall, wo der christliche Kult das Kreuzsymbol anzubringen pflegte, finden wir in jener Zeit die jüdische Menorah als jüdisches Symbol. Damit ist, soweit wir bis jetzt unterrichtet sind, der historische Verlauf für mehrere Jahrhunderte unterbrochen. Aus dem früheren Mittelalter ist uns, wie von anderen jüdischen Geräten, auch von der Menorah nichts erhalten. Sie begegnet uns erst wieder im 13. Jahrhundert in einer italienischen Buchillustration. Aber auch dieser werden wir nicht allzu viel dokumentarischen Wert zusprechen dürfen. Die rechtwinklige Biegung der Arme wird wohl auf die streng stilisierende Zeichungsweise jener Zeit zurückzuführen sein. Auffallend ist die über menschliche Größe hinausgehende Höhe und die Übereinstimmung mit der biblischen Beschreibung: auch hier die blütenarmigen Gebilde an jedem Arm. Eine andere, allerdings viel spätere Illustration, ein Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert, mag dann den Übergang von der Tempelmenorah zur eigentlichen Chanukkahmenorah hersteilen. Abgesehen davon, daß die dort dargestellte Menorah mit acht Armen gebildet ist, behält sie in Form und Ornament durchaus den traditionellen Typus bei, sie ist von übermenschlicher Größe, so daß man einen Stab braucht, um sie anzuzünden. Aus dieser Zeit sind uns nun auch die ersten Menoroth erhalten. Im Prinzip der Anordnung, in der Grundform, herrscht durchaus die Tradition: auch hier der mit ornamentalem und figürlichem Schmuck versehene Sockel, der aus ihm aufsteigende Schaft und, von ihm nach zwei Seiten ausgehend, die Leuchterarme, hier, bei der ausdrücklich für das Chanukkahfest bestimmten Menorah, sind es acht Arme, zu denen der Mittelschaft oder ein besonderer vor diesen gesetzter Arm als neunter, nämlich als „Schammes“ (Diener) hinzukommt. Auch die Verzierung der Arme erinnert noch an die „Blüten“ der biblischen Beschreibung. Die Ausführung im einzelnen aber zeigt einen typischen Unterschied. In einer dieser Gestaltungen haben wir ein Werk, das in seiner künstlerischen Ausgestaltung durchaus dem Stil der ital. Renaissance angehört und erkennen läßt, daß die Juden damals an der Kultur ihres Wirtsvolkes so innigen Anteil nahmen, daß sie auf die Hervorbringung eines eigenen Kunststiles verzichteten. Hinzuweisen wäre noch auf die große silberne Menorah aus der alten Synagoge zu Berlin vom Jahre 1713, eine Arbeit des edelsten Berliner Barock. Sie ist achtarmig mit einem neunten Arm vor dem Mittelschaft, während dieser selbst in eine schön modellierte Flamme endigt. Bemerkenswert ist die das menschliche Maß übersteigende Größe. Diesen Werken der Stilkunst ist nun durchaus entgegengesetzt der andere Typus der uns erhaltenen Stücke. Wir finden hier alle Züge, die die Kunstwissenschaft als für die Volkskunst charakteristisch festgestellt hat: die Zergliederung und Auflösung, indem z. B. der Sockel in drei Etagen zerlegt, die Arme durch das reiche Spiralenwerk vielfältig aufgeteilt werden, die Aufhebung der ebenmäßigen Proportion, indem der Unterbau fast die gleiche Größe erhält, wie der Hauptteil, und aus diesem wieder einzelne Teile, z. B. eine Krone und ein Steinbock unverhältnismäßig groß hervortreten, schließlich auch die Durchsetzung der ornamentalen Formen mit allerlei Getier und Gegenständlichem. Aber auch hier handelt es sich natürlich nicht um eine spezifisch jüdische Volkskunst, sondern der Charakter dieses Werkes entspricht der Volkskunst der slawischen Bevölkerung, in deren Umgebung es entstanden ist. und nur die verschiedenen Tiere, die vielleicht Symbole der jüdischen Stämme sind, könnten auf den jüdischen Ursprung der Arbeit hinweisen. Wir sehen auch hier wieder, daß das Judentum, entgegen der biblischen Vorschrift, sich nicht scheute, an seinen heiligen Geräten lebende Wesen darzustellen, ein Relief zeigt ja sogar menschliche Figuren, und an einer Menorah im Cluny-Museum zu Paris sehen wir in vollplastischer Figur Jehuda Makkabi mit dem Haupte des Lysias nebst zwei Soldaten dargestellt. So bedeutsam aber diese vielarmige Menorah sein mag, als Chanukkahmenorah ist sie nicht die einzige, nicht einmal die häufigste und verbreitetste Form. Dies ist vielmehr eine kleinere, unscheinbarere, die sogenannte Wandmenorah. Sie besteht aus einem an der Wand aufzuhängenden Rückbrett von dreieckiger oder rechteckiger Grundform, vor das in einer Reihe nebeneinander die acht Lichtbehälter (zumeist Öllämpchen) gesetzt sind. Der „Schammes“ wird zumeist seitlich gesondert angebracht. Wie bei der Standmenorah ist auch bei dieser das Material zumeist Bronze oder Gelbguß, seltener Zinn und Eisen, zuweilen auch Silber mit der an jüdischen Geräten häufigen Filigranarbeit. Wie mag diese Form der Menorah entstanden sein? Ihren frühesten Vorläufer können wir vielleicht in einer Tonlampe erkennen, die in Jerusalem gefunden wurde und den ersten nachbiblischen Jahrhunderten entstammt. Sie hat die übliche Form der antiken Tonlampen, nur daß statt der einen hier acht Lichttüllen angebracht sind. Aber für die ganzen folgenden Jahrhunderte bis ins späte Mittelalter hinein fehlen uns die Verbindungsglieder, so daß wir über die Entstehung dieser Form nur Vermutungen haben können. Jedenfalls hat die jüdische Tradition auch hier ein Gerät von eigentümlicher Form geschaffen. Wir wollen diese Form der Menorah durch einzelne Epochen ein wenig verfolgen. Die frühesten Arbeiten gehen noch ins 12. bis 13. Jahrhundert zurück, z. B. eine Menorah im Cluny-Museum zu Paris, deren Rückwand mit einfachen Durchbrechungen im Stile der gotischen Architektur verziert ist. Bedeutsamer ist die etwa dem 14. Jahrhundert angehörende Menorah der Sammlung Figdor in Wien. Auch bei dieser hat die in flachem Relief verzierte Rückwand die Form eines gleichseitigen Dreiecks. Über einer Arkadenreihe läuft ein von zwei freiplastischen Löwen gehaltenes Band mit hebräischer Inschrift und darüber, besonders bemerkenswelrt, drei Mje-däillons mit Löwen und einem Fabeltier, wie sie die damalige europäische Ornamentik aus dem Orient übernommen hatte. Nicht selten ist eine Verzierungsart der Wandmenorah: in flachem Relief die Darstellung einer Standmenorah, über der eine aus Wolken hervorkommende Hand mit der Ölkanne erscheint. Hier tritt wieder die Menorah als Symbol des Judentums auf. Vielleicht ist es auch eine Erinnerung an die Sage, daß bei der Einweihung des Tempels durch Jehuda Makkabi der geringe Ölvorrat wunderbarerweise für acht Tage reichte. Wie die jüdische Kunst sich gegen den Stil der Zeit zuweilen doch nicht ganz unfrei verhält, son-

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