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Das jüdische Echo · 1918-12-20 · 51 (20.12.1918) · p. Seite 628

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
51 (20.12.1918)
Date
1918-12-20
Page
Seite 628 (sequence 8)
Language
German
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628 Das Jüdisch« Echo Nr. 51 Eigentum in einigen Häusern ohne weiteres requiriert. So war es in Warschau. Von der Provinz liegen bis heute knappe Nachrichten vor. Aber wir wissen schon sicher, daß sich dort Ähnliches abgespielt hat und daß die Judenhetzen einen noch viel grausameren Charakter getragen haben. Die Tötungen, Verwundungen und! Plünderungen wurden durch die polnische bewaffnete Jugend ausgeführt. Die Hauptrolle spielte die von den Zentralmächten geschaffene polnische Wehrmacht (Legionen). Diese Jugend und die anderen, die sich am 9., 10., 11. usw. freiwillig zum Militärdienst meldeten, ist nicht einheitlich und rekrutiert sich aus drei Kategorien. Erstens sind es die Mitglieder der P.O.W. (der polnischen Militär-Organisation), eine konspirative, sozialistisch gefärbte, dem Pilsudzki unterstellte Jugendgruppe. Es ist zu vermuten, daß diese keinen Anteil an den Judenhetzen genommen hat. Ihre Wut war hauptsächlich gegen dlie Okkupantein gerichtet. Sie waren es, die die Eidesleistung zugunsten der Zentralmächtefürsten verweigert haben. Ihre Ziele waren die Leute des Pilsudzki, die ihn ins Gefängnis geführt haben. Ebenso wie Pilsudzki selbst, pflegen die Mitglieder .der P.O.W. eine korrekte Haltung der Juden gegenüber. Eine zweite Kategorie bilden die aus den bürgerlichen Kreisen stammenden, keinen besonderen Idealen huldigenden, schlechthin national gesinnten jungen Leute. Das sind Akademiker, Skautings, Schuljugend usw. Sie stehen meistens unter dem Einfluß der National-Demokraten und werden von den Proklamationen und antisemitischen Presseartikeln aufgehetzt. Sie sind' naiv und leichtsinnig. Durch entsprechende Befehle können sie leicht gebändigt werden und es scheint, das Pilsudzki, der das Oberkommando in seinen Händen hatte, Versuche gemacht hat, sie zur Vernunft zu mahnen und daß es ihm in den letzten Tagen wirklich gelungen ist, einen Teil dieser Jugend zu beruhigen. Die dritte und gefährlichste Kategorie bilden die gewesenen Angehörigen der Armee von Dowbor-Musnicki. Das sind polnische Soldaten der gewesenen russischen Armee, die während der Kerenski-Epoche ein polnisches Korps unter der Leitung von Dowbor-Musnicki bildeten, früher gegen die Zentralmächte, dann gegen die Bolschewisten, in Anschluß an die Zentralmächte kämpften, Teile von Weißrußland (von Juden bewohnte Städte, z. B. Bobrnjsk) besetzten und später von den Zentralmächten aufgelöst wurden. Diese „Dowberczki“ stellen sich jetzt zahlreich in die Reihen der polnischen Armee und unterscheiden sich von den ersten zwei Kategorien dadurch, daß sie bereits geübt sind und große Kriegserfahrung hinter sich haben. Diese Kategorie ist von einem furchtbaren Judenhaß beseelt und schrickt nicht vor den grausamsten Bluttaten zurück. Außerdem ist in ihren Reihen die Popularität des Pilsudzki nicht sehr groß und es ist zu bezweifeln, ob sie sich seinem Einflüsse ergeben werden. Die Stellung der polnischen Presse zu den Gewalttaten gegen die Juden ist folgende: Mit Ausnahme der sozialistischen Organe, registrieren die Zeitungen teilweise die Vorfälle, aber in der falschen Beleuchtung, als ob von jüdischer Seite „Nieder mit Polen“, „Nieder mit der polnischen Armee“, „Nieder mit Pilsudski“ und andere bolschewistische Ausrufe ertönten, oder einfach Schüsse abgegeben wurden. Daran ist kein wahres Wort. Nicht einmal bei den bundistischen Demonstranten waren solche Ausrufe hörbar. Das Zentralkomitee des „Bundes“ protestierte in der Presse gegen diese Verleumdung. Immerhin glauben die Zeitungen mit Rücksicht auf das polnische Publikum und wahrscheinlich auch mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung draußen diese Fiktion aufrecht zu erhalten. Sogar wenn die polnischen Zeitungen etwas gegen die Judenhetze schreiben wollen, behaupten sie, die ganze Geschichte sei eine Provokation der Zionisten und Nationalisten, um den polnischen Ruf zu beschmutzen. Was von unserer Seite gemacht wurde, kann man aus den Zeitungen ersehen. Von einem Selbstschutz gegen eine bewaffnete Militärmacht konnte gar keine Rede sein. Dagegen sorgten wir dafür, daß vorläufig 300 Juden in die Bürgerwache aufgenommen werden, was uns gelungen ist. Natürlich war es so gedacht, daß die Juden einen Bestandteil der allgemeinen Wache bilden und in dieser aufgehen. Dennoch haben sie eine gewisse Form der Sonderorganisation beibehalten. Feuilleton Die Menorah. Von Kurt F r e v e r. (Schluß.*) Während nun durch die Zerstörung des Tempels der Leuchter seine reale Existenz verlor, wurde seine Gestalt in der Folge zum Symbol des Juden- *) Siehe Nr. 48 d. Bl. Wie bisher im Weltkrieg nimmt öle Münchner Jugenö auch beim Meöeraufbau öes Krieöens ihre ausgeprägte Stellung unter öen öeutfchen illustrierten Zeitschriften ein. Lire ist nach wie vor öie LLebllngslektüre eines Ieöen/ öer ernst unö vorurteilslos öen Zeitgeist verfolgt. Bezugspreis vierteljährlich Mk. 7.50 (Vuchhanöel oöer Post) Unmittelbar vom Verlag in Rollen verpackt mit porw/ in Veutschlanö Mk. Jo.- im Lluslanö Mk. jo.50 probebänöe 4 Nummern enthaltenö Mk. J.50 Einzelne Nummern Mk.-.70 Verlag öer Lugenö" München, Lessingstr. J

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